Was macht eigentlich eine Kinderprinzessin? Ein Hausbesuch bei ihr bringt Klarheit.

Was macht eigentlich eine Kinderprinzessin? Ein Hausbesuch bei ihr bringt Klarheit.
Leonard, Niklas, Caroline und Kira (vorne). Brigitte Schlösser, Johannes Caspary und Philipp Jüntgen (hinten) komplettieren unser närrisches „Familienfoto“.

Leonard, Niklas, Caroline und Kira (vorne). Brigitte Schlösser, Johannes Caspary und Philipp Jüntgen (hinten) komplettieren unser närrisches „Familienfoto“.

Stephan Köhlen

Leonard, Niklas, Caroline und Kira (vorne). Brigitte Schlösser, Johannes Caspary und Philipp Jüntgen (hinten) komplettieren unser närrisches „Familienfoto“.

Hilden. Anekdoten kann Johannes Caspary jede Menge erzählen. Zum Beispiel die von dem Kinderprinzen, der bei seiner Kürung vor lauter Lampenfieber weglaufen wollte – und von unsichtbaren Händen festgehalten wurde. Oder die von seiner eigenen Enkelin Lisa, die 2008 Kinderprinzessin war. Sie war furchtbar aufgeregt, doch der Opa hatte ein gutes Rezept dagegen: Du musst dir vorstellen, sagte er ihr, dass alle da unten im Publikum nackt sind und nur schwarze Socken tragen.

Fertig machen für den Auftritt bei der Kostümparty

„Es hat gewirkt“, erzählt der langjährige Kinderprinzenführer der Narrenakademie und lacht bei der Erinnerung. „Den Trick habe ich danach noch oft angewendet.“ Caspary war sieben Jahre lang, bis zu dieser Session, Prinzenführer, und er hat den „Job“ gern gemacht. Jetzt, mit 69, lässt er einen Jüngeren ran: Philipp Jüntgen ist 22 und Student. Als erfahrene Kräfte stehen ihm Marion Herbertz und Brigitte Schlösser zur Seite, wobei letztere klar sagt, dass sie nicht fürs Rampenlicht taugt. „Ich bleibe im Hintergrund.“

Jüntgen nicht. Er war selbst vor elf Jahren Kinderprinz, ist in der Rolle regelrecht aufgegangen und deswegen auch der Richtige für die amtierenden Prinzen Carolina und Leonard. Finden alle Beteiligten. Das Prinzenpaar und die Adjutanten sind gerade zu Hause bei Diekmanns, und alle sehen noch vollkommen zivil aus. Jeans und Pulli, normale Teenager. Das wird sich gleich ändern, denn die Vier müssen sich umziehen, sie haben noch einen Auftritt an dem Abend, bei einer Kostümparty. Dann kommen die weißen Strümpfe zum Einsatz, „die für die Jungen ein echter Grund sind, kein Kinderprinz werden zu wollen“, erzählt Brigitte Schlösser. „Sie werden deswegen aufgezogen.“ Das gilt für die großen Prinzen bekanntermaßen auch.

Apropos kleine und große: Carolina ist mit 13 Jahren die Älteste im Bunde, Adjutant Niklas (10) ist ihr Bruder. Prinz Leonard (Schulz) und Hofdame Kira (Knüppel) sind ebenfalls zehn Jahre alt. Alle Hildener Kinderprinzen waren bisher zwischen neun und 13 Jahren alt, heißt es von Schlösser. Und sie muss es wissen: Seit 1983, als ihr Sohn Adjutant war, mischt sie mit, kümmert sich um „die Zukunft des Brauchtums“, wie Caspary es nennt. Und was muss die Zukunft des Brauchtums können, was mitbringen für die Prinzenrolle? „Sie müssen lesen können“, sagt Jüntgen. „Und lachen und mit Helau gute Stimmung verbreiten.“ Lesen? „Ja, weil sie ihre Reden nicht auswendig vortragen müssen, sondern sie ablesen dürfen.“ Reden, die der Prinzenführer vorbereitet und schreibt, übrigens. Gerade am Anfang der Session seien die kleinen Tollitäten noch aufgeregt, manches Stottern und Stolpern sei normal. „Ich habe allerdings noch kein Prinzenpaar erlebt, das am Ende der Session nicht selbstbewusst gewesen wäre“, sagt Caspary. „Die haben kein Problem mehr damit, ein Referat vorzutragen. Die haben vor vollen Hallen gesungen!“

Singen also auch? Gerne. Tanzen ist auch nicht schlecht: Carolina und ihr Gefolge haben einen Tanz eingeübt. Das fiel nicht schwer, tanzen die Mädchen doch ohnehin bei den CCH-Flöhen. Etliche Prinzessinnen kamen schon aus dem „Pool“ der jungen Tanztruppe. Bei den Jungen ist die Besetzung des Prinzen ungleich schwerer. Niklas’ und Carolinas Eltern haben während der Regentschaft ihrer Kinder übrigens nicht mehr viel zu sagen. Zu den meisten Auftritten dürfen sie zwar mitkommen – das war früher ganz anders – aber sie müssen bereit sein, ihre Kinder „abzugeben“. Cornelia und Ingo Diekmann sehen das gelassen. Mal kommen sie mit, mal nicht.

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