Die Familie von Agnes Imbusch gab Lebensmittel aus.

Haan. „Die Leute standen in ich weiß nicht wie vielen Reihen und stürzten sich auf das abgeerntete Kartoffelfeld“, erinnert sich Agnes Imbusch an die Verhältnisse zur Erntezeit in den von Hunger geprägten Nachkriegsjahren. Die heute 103-Jährige bewirtschaftete mit ihrem Ehemann Wilhelm damals den seit 1865 von der Familie gepachteten Hof Birschels an der Vohwinkeler Straße. Sie erzählt, dass sie in der Notzeit täglich eine 20-Liter-Kanne Milch von der Milchmenge der 23 Kühe abzweigte und auf einen Hocker vor dem Haus gestellt habe, aus der sich jeder etwas nehmen durfte. Auch Brot oder Gemüse sei an Bedürftige verteilt worden. „Niemand sollte unversorgt bleiben“, hatte die Bäuerin als Devise ausgegeben. Sie bilanziert: „Wir haben für die Allgemeinheit schon eine Menge getan.“ Die Landwirte damals mussten ihre Flächen und das darauf Angebaute bei den Behörden melden. Die Ernte – Gemüse, Kartoffeln und Getreide – war abzugeben, damit sie verteilt werden konnte.

Stadtverwaltung ordnete verstärkten Kartoffelanbau an

Aus dem Haaner Verwaltungsbericht geht hervor, dass im Hungerwinter 1946/47 die Haaner Verwaltung den Mangel erkannte und für 1947 einen verstärkten Anbau von Kartoffeln anordnete; das dürfte auch im Amt Gruiten nicht anders gewesen sein. Mit der Straßenbahn zwischen Benrath und Vohwinkel seien die Menschen gekommen und hätten versucht, auch auf den außerhalb Gruitens gelegenen Höfen an Essbares zu kommen. Eingetauscht worden seien nur das, was für den Betrieb auf dem Hof nützlich gewesen sei. „Wir waren viele Leute auf dem Hof“, sagt Agnes Imbusch. Neben der Familie seien da Angestellte und Lehrlinge gewesen. So manche Frau habe fürs Essen Putz- oder Bügelarbeiten übernommen.

Nach dem Krieg bauten Imbuschs noch Zuckerrüben an, berichtet Agnes Imbusch. Nach der Ernte wurden sie zum Bahnhof gebracht und verladen. Als der Zug am nächsten Tag zur Zuckerfabrik losfahren sollte, habe schon die Hälfte der Rüben auf dem Waggon gefehlt, berichtet die betagte Bäuerin. In der Hungerzeit sei es vorgekommen, dass sogar ein Rind in einer Feldscheune geschlachtet wurde. -dts

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