Weil sich weder Nachfolger noch Investor fanden, muss die Firma Bernh. Koch endgültig schließen.

Weil sich weder Nachfolger noch Investor fanden, muss die Firma Bernh. Koch endgültig schließen.
Die Werkhallen sind fast menschenleer. Nur noch eine Anlage arbeitet. Die restlichen Maschinen putzt Krystyna Lammich-Dlugia für den Verkauf.

Die Werkhallen sind fast menschenleer. Nur noch eine Anlage arbeitet. Die restlichen Maschinen putzt Krystyna Lammich-Dlugia für den Verkauf.

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Die Werkhallen sind fast menschenleer. Nur noch eine Anlage arbeitet. Die restlichen Maschinen putzt Krystyna Lammich-Dlugia für den Verkauf.

Haan. Die Maschine von Enrico Fischer ist die einzige, die in dem großen, fast menschenleeren Gebäude der Firma Koch noch läuft. Im Sekundentakt spuckt sie Stahlrohre aus. Sie werden später verwendet, um Kopfstützen in Autositzen zu verankern. 20 Jahre lang arbeitet Fischer nun schon bei der Firma Koch. „Ich habe viel gelernt“, sagt er. Anfangs war er einfacher Bediener. Jetzt ist er Maschineneinrichter. Doch nächste Woche ist Schluss. Dann stellt auch seine Anlage die Produktion ein. „Das ist sehr, sehr schade“, bedauert Fischer. „Ich hätte gerne noch weitere 20 Jahre hier gearbeitet.“ Und während er das sagt, wendet sein sonst so beherrschter Chef den Blick ab.

Bis zu 140 Mitarbeiter beschäftige der Betrieb einst

Die Firma Bernh. Koch & Sohn, 1945 in Langenfeld vom Vater des heutigen Unternehmers Klaus Koch als Stanzbetrieb in Langenfeld gegründet, wird Ende Februar endgültig ihre Tore schließen. Bis zu 140 Mitarbeiter beschäftigte der Automobilzulieferer einst, als die Geschäfte noch gut liefen. Doch das Diktat der Abnehmer und der Preisdruck zwangen Klaus Koch zu ständigem Aderlass. Und weil sich kein Nachfolger in der eigenen Familie fand – die erwachsene Tochter lebt in Spanien – begann der heute 77-Jährige schon vor zehn Jahren, nach einem Investor zu suchen. Viele Stunden habe er mit Interessenten zusammengesessen, kalkuliert und verhandelt, sagt Koch und weist auf den Besprechungstisch. Vergeblich.

Zuletzt blieb ihm nur noch die Wahl zwischen Auflösung und Insolvenz. Die Insolvenz konnte er abwenden. Die Umsätze der letzten Produktion fließen in Löhne und Abfindungen der Beschäftigten. Koch, der im Laufe der vergangenen Jahre selbst die Versicherungen beliehen hat, die eigentlich seiner Altersvorsorge dienen sollten, hofft auf ein Auskommen durch den Verkauf von Anlagen und Geräten.

Einige Maschinen wurden bereits abmontiert. „Für andere wurde uns kaum mehr als der Schrottwert geboten“, sagt Manfred Kempa bitter. Der 58-Jährige ist Werkzeugmacher und war zuletzt Betriebsleiter bei der Firma Koch. Kürzlich hat er einen neuen Job in Hilden gefunden. 24 Jahre war er seinem Arbeitgeber treu. Jetzt hilft er, die Maschinen für den Verkauf zu putzen. Fast wirkt es, als könne die Belegschaft noch nicht so recht daran glauben, dass hier schon in der kommenden Woche nichts mehr produziert wird.

Eigentümer des zirka 5000 Quadratmeter großen Grundstücks mit 4000 Quadratmetern umbauter Fläche ist eine Stiftung. Wie Elmar Jünemann, berichtet, sucht die Wirtschaftsförderung in Zusammenarbeit mit ihr bereits nach einem Nachmieter. Den wird Enrico Fischer nicht mehr kennenlernen. Er hat einen neuen Job gefunden, erzählt der Vater von fünf Kindern. Dort muss er zwar wieder von unten anfangen. Aber das schafft er schon. Fischer weiß sein Glück zu schätzen: Andere Kollegen suchen noch nach einer Stelle.

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