An der Finanzierung kann sich jeder über das sogenannte „Crowdfunding“ beteiligen. 750 000 Euro werden gebraucht.

Die Düsseldorfer Baufirma Tecklenburg errichtet an der Ecke Heiligenstraße/Am Kronengarten und auf einem Nachbargrundstück einen Neubau mit 16 Wohnungen, 21 Tiefgaragenplätzen und Ladenlokalen im Erdgeschoss. „Über 30 Prozent sind verkauft“, so Tecklenburg-Projektleiter Nikolaus Bosnic.

Knapp 272 000 Euro sind bereits zusammengekommen

Ungewöhnlich ist die Finanzierung. Die Online-Crowdinvesting-Plattform „Zinsland“ (www.zinsland.de) sucht Anleger für den „Kastanienhof“. Sie können sich ab 500 Euro beteiligen – das ist für ein Projekt dieser Größenordnung neu. Pro Jahr erhalten die Anleger 6,5 Prozent Zinsen – bei einer Laufzeit von 18 Monaten. 750 000 Euro will das Unternehmen auf diese Weise einsammeln, erläutert Geschäftsführer Carl von Stechow. Knapp 272 000 Euro seien bereits zusammen. Der „Kastanienhof“ ist das erste Projekt der Plattform, die erst im Oktober vergangenen Jahres an den Start gegangen ist. Sie firmiert unter Civium GmbH mit Sitz in Hamburg. Warum die kurze Laufzeit? In 12 Monaten seien die Eigentumswohnungen in der Regel verkauft. 6,5 Prozent Zinsen: ein verlockendes Angebot angesichts von Mini-Sparzinsen für Spareinlagen. Die Zinsen stünden im „Verhältnis zu Risiko“, erläutert von Stechow. Die Anleger geben der Projektgesellschaft ein „endfällig verzinstes Nachrangdarlehen.“ Theoretisch ist ein Totalausfall möglich“, räumt Carl von Strechow ein. Darauf weist Zinsland auch auf seiner Internetseite hin. Die Kreditnehmer dürfen im Krisenfall Zahlungen aussetzen, um eine Insolvenz zu vermeiden. Kommt es doch zur Pleite, werden zunächst alle anderen Gläubiger abgefunden. Das bedeutet „nachrangig“. Praktisch heißt das: Für solche Anleger bleibt in der Regel nichts mehr übrig.

80 Prozent des Investitionsvolumens von rund sieben Millionen Euro würden über Banken finanziert, zehn Prozent von Tecklenburg und zehn Prozent über Anleger. „Zinsland“ ist nur der Vermittler.

„Crowdinvesting ist eine unternehmerische Beteiligung“, betont Thomas Pfister, Fachmann für Finanzdienstleistungen von der Verbraucherzentrale NRW: „Das ist eine risikobehaftete Geldanlage und taugt nicht für die Altersvorsorge. Dafür kann man nur Geld einsetzen, dessen Verlust man gegebenenfalls auch verschmerzen kann.“Anleger sollten die Prognosen daher genau unter die Lupe nehmen. Vor Ablauf der Mindestlaufzeit kommen sie nicht an ihr Geld heran. Die Zinseinnahmen zählen als Einkünfte aus Kapitalvermögen. Es fallen 25 Prozent Abgeltungssteuer plus Solidaritätszuschlag und zudem gegebenenfalls Kirchensteuer an.

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