Die Skelettfunde am Nikolausturm in Gruiten haben immer wieder für Aufsehen gesorgt. Von der ersten Vermutung, dass es sich um einen Kriminalfall oder um „wilde Bestattungen“ aus den Wirren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs handeln könnte, wurde durch Untersuchung ein Fund, der ein völlig neues Licht auf die Frühzeit von Gruiten geworfen hat, denn die Alterbestimmung der Gebeine reicht bis in die Zeit Karls des Großen zurück.

Einem der drei Skelette kam dabei besondere Bedeutung zu, weil Kopf und rechter Arm mit Schulter vom Fundament des Kirchturms „abgeschnitten“ waren. Es musste also schon vor dem Bau des Turms dort gelegen haben.

Ein Indiz, dass schon recht früh in Gruiten eine Kapelle stand

„Mit dem Gedanken, dass die Erbauer der alten Kirche bewusst und ziemlich brachial die Ruhe ihrer Toten gestört haben sollten, konnte ich mich nicht anfreunden“, sagt Lothar Weller vom Bergischen Geschichtsverein begleitet hat. Er kam schließlich auf einen der Fehler: Die Nachprüfung beim Uni-Institut, das alle Altersergebnisse ermittelt hat, führte zu dem Schluss, dass Proben vertauscht worden waren.

„Nun liegt das Resultat einer neuen Altersbestimmung vor“, so Weller weiter. Danach ist das Skelett ohne Kopf genauso alt wie das zweite Kinderskelett. Beide Kinder sind zwischen 888 und 1017 gestorben. Insgesamt verschiebt sich durch das aktuelle Ergebnis der Zeitraum, in dem alle drei Personen, deren Skelette untersucht wurden, gestorben sind, um rund 150 Jahre in die Vergangenheit auf 777 bis 1017 n.Chr. Damit erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass es bereits im 9. oder 10. Jahrhundert eine Kapelle oder eine Vorgängerkirche mit Friedhof in Gruiten gegeben hat. Und zwar genau dort, wo der inzwischen sanierte und restaurierte Turm der alten Kirche St. Nikolaus hinter der Welschenmauer steht. Red

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