Der König von Mallorca stellt seine neue Platte vor und macht Stimmung wie am Ballermann.

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Jürgen Drews begeistert seine Fans beim Auftritt in der Stadtgalerie.

Jürgen Drews begeistert seine Fans beim Auftritt in der Stadtgalerie.

Anna Schwartz

Jürgen Drews begeistert seine Fans beim Auftritt in der Stadtgalerie.

Langenfeld. Und dann, ganz plötzlich und unvermittelt, steht er auf der improvisierten Bühne: Jürgen Drews. Bekannt auch als "König von Mallorca" oder "Onkel Jürgen". "Oh guck’ mal", sagt Annegret aufgeregt zu ihrer Freundin Trudi. "Der trägt ja eine Skijacke zum Nadelstreifenanzug!"

Da hatte Annegret, laut Selbstaussage "eingefleischter Fan der ersten Stunde" sich nicht verguckt. Denn der Schlagerbarde, der am Donnerstagabend in der Stadtgalerie kräftig Werbung für seine neue Platte machte, war direkt aus dem Auto zum Auftritt gestürmt. Zeit für Haare, Make-up oder Umziehen blieb da nicht. "Morgen allerseits", begrüßte er die vielen Menschen, die seinetwegen auf der Treppe, der Galerie und unten im Parterre hockten, standen und saßen. "Ihr wisst, warum ich zu spät bin? Ein Stau!"

Der Schlager-Barde absolviert sein Programm routiniert

Damit waren der Worte genug gewechselt und los ging es - mit der Erkennungsmelodie. "Ein Bett im Kornfeld", damals in seiner Jugendmaienblüte eingespielt und streng genommen der einzige Hit, den er je hatte.

Klar, "Ich bau’ Dir ein Schloss" oder "Gloria", beides Titel, die er später fehlerfrei zum Playback vortrug, sind auch bekannt. Aber nie mehr konnte der ehemalige Les-Humphries-Singer an den Ruhm anknüpfen, den er mit dem "Bett im Kornfeld" hatte. Fans wie Gisela und Rotraut, beide "der selbe Jahrgang wie Jürgen", interessierten derlei Marginalien nicht. Mit vor Freudentränen glänzenden Augen himmelten sie ihren Liebling an, der mit geübten Posen routiniert sein Programm vortrug.

Auf der Bühne hielt ihn dabei nichts. Lieber suchte er das Bad in der Menge, stieg auf Stühle und ins Baumbeet, damit ihn nicht nur alle hören, sondern vor allem sehen konnten. Und weil er eine neue CD vollgesungen hat - "zum ersten Mal seit 20 Jahren habe ich eine Schlager-LP aufgenommen, und ich habe nicht damit gerechnet, dass sie so erfolgreich sein würde" - trug er daraus Lieder vor.

. . . dass Jürgen Drews mit zweitem Vornamen Ludwig heißt?

. . . dass Drews im Alter von 15 Jahren einen Preis als bester Banjo-Spieler Schleswig-Holsteins gewann?

. . . dass der Schlagersänger nach dem Abitur vier Semester Medizin studiert hat, dann aber sein Studium zugunsten der Musik aufgab?

. . . dass Drews unter dem Pseudonym J.D. Drews 1980 versuchte, eine Karriere in den USA zu starten, aber damit floppte?

"Ich unterschreibe gerne auf alles, was sich bewegt", forderte er seine Fans zum Kontakt auf. Autogrammkarten hatte der Clevere nicht dabei - lieber wollte er auf dem papiernen Innenleben der neuen CD unterschreiben.

Und wenn der Mann, der zwar nicht mehr taufrisch, aber noch immer überaus appetitlich ausschaut, um etwas bittet, lassen sich Fans wie Gisela, Rotraut, aber auch Heinz und Ahmet ("Wo ist Ramona?") nicht lumpen. Sie kauften und standen Schlange, damit der Multi-Tasking-Fähige - gleichzeitig den Liedtext vorzutragen und seinen Namen mit dem Filzstift zu schreiben ist kein Problem - sie ihnen signierte. Mitklatschkompatibles wurde geboten, natürlich auch der "König von Mallorca", zunächst mit Musik, dann quasi a capella, und die Stimmung war fast wie am Ballermann.

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