Eine Autorin pocht beim Sankt Martin Komitee auf Urheberrecht.

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Musik gehört zum Martinsumzug wie Mantel, Pferd und Feuer. Die Texte der Lieder zu kopieren, kann allerdings teuer werden. (Archiv

Musik gehört zum Martinsumzug wie Mantel, Pferd und Feuer. Die Texte der Lieder zu kopieren, kann allerdings teuer werden. (Archiv

Dirk Thomé

Musik gehört zum Martinsumzug wie Mantel, Pferd und Feuer. Die Texte der Lieder zu kopieren, kann allerdings teuer werden. (Archiv

Monheim. Eigentlich hatte das Sankt Martin Komitee Monheim bereits einen Haken an den diesjährigen Festumzug gemacht. 3500 Kinder aus 32 Schulklassen und elf Kindergartengruppen waren dabei, dazu zahlreiche Lehrer, hunderte Eltern und Verwandte.

Doch dann war plötzlich alle Freude über den gelungenen Zug wie verflogen. Per Anwalt meldete sich die Kinderlieder- und buchautorin Elke Bräunling wegen eines ihrer Lieder, dessen Text das Komitee ohne die nötigen Lizenzen veröffentlich hatte.

Das Komitee ist von niemandem darüber informiert worden

Nun soll der 1991 gegründete Verein 500 Euro an die Urheberin des Stückes "Ein bisschen so wie Martin" zahlen. Für Holger Höhn, Vorsitzender des Komitees, ein Unding: "Wir haben weder von der Stadt noch von einer der Einrichtungen vorher eine Nachricht erhalten, dass wir keine Texte mehr veröffentlichen dürfen. Das Schreiben kam völlig überraschend."

Rechtlich ist es allerdings einwandfrei. Seit Beginn des Jahres geht die Verwertungsgesellschaft Gema verstärkt gegen Kindergärten und Schulen vor, die urheberrechtlich geschützte Texte für ihre Kinder kopieren. Dabei tritt die Gema als eine Art Inkassounternehmen für die Verwertungsgesellschaft Musikedition auf, die Verlage vertritt, die Liederbücher herausbringen. Zum Glück für die Einrichtungen gilt das nicht für Texte, deren Autoren seit mehr als 70 Jahren tot sind.

Im konkreten Fall ist die Autorin aber quicklebendig und kreativ, wenn es ums Geldverdienen geht. Denn das Komitee hatte den Text nicht mal gedruckt, sondern nur mit denen anderer Martinslieder zusammen zum Download auf seiner Homepage angeboten. Doch die extra beauftragte Anwaltskanzlei fand die Datei und setzte den Brief auf.

Nun muss das Komitee zahlen, andernfalls droht eine Klage, die noch teurer wird. "Ausgerechnet in unserer Lage: Wir sind ein beitragsfreier Verein, der nur durch Spenden lebt. Schon 2009 haben wir 1200 Euro Verlust gemacht, dieses Jahr hatten wir gerade so eine schwarze Null", sagte Höhn, der dieser Tage nun fleißig Spenden sammeln muss, um nicht mit Schulden ins Jubiläumsjahr zu gehen.

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