Umfrage: Wer mit der Narretei nichts am Hut hat, kann Samstag noch in der Bibliothek Bücher ausleihen. Die WZ hat bei Pendlern in Bus und Bahn einige Lese-Tipps aufgeschnappt.

Jede Menge Anregungen für Lesetipps gab es in Bus und Bahn.
Jede Menge Anregungen für Lesetipps gab es in Bus und Bahn.

Jede Menge Anregungen für Lesetipps gab es in Bus und Bahn.

Anna Schwartz

Jede Menge Anregungen für Lesetipps gab es in Bus und Bahn.

Monheim. Was liest du denn da? Diese Frage mag sich mancher Pendler stellen, wenn er seine Bus- und Bahnfahrt antritt. Kaum eingestiegen, findet er sich eingequetscht zwischen Mitpendlern, deren Nasen tief in Büchern stecken. Und da die dollen Tage nahen, mögen sich Nichtkarnevalisten am liebsten mit einem guten Buch unter der Bettdecke verkriechen. Grund genug, bei denen nachzuhaken, die im und nicht beim "Zooch" sind.

Deniz mag humorvolle Alltagsgespräche

"Entschuldigung, sind Sie die Wurst?", fragt der Buchtitel von Deniz’ (27) Buslektüre auf dem Weg von Monheim zum Langenfelder S-Bahnhof. "Das klingt total komisch, ich weiß", erklärt er lachend und fügt hinzu: "Ist es auch." Das lustige Werk von Autor Felix Anschütz versammelt Alltagsgespräche, die im wahren Leben einmal belauscht und im Internet dokumentiert wurden. Es sei eine Humor-Mischung aus Loriot und Stefan Raab. "Die Geschichtchen kann man gut lesen, wenn man bald wieder aussteigen muss", lautet der Lesetipp von Deniz, bevor er aus dem Bus springt - das Büchlein gut verstaut in der Jackentasche.

Krimi-Freundin Dorothee verpasst das Aussteigen

In der S6 in Richtung Düsseldorf ist Schluss mit lustig. Es wird kriminalistisch: Schmöker der Stieg Larsson-Trilogie ("Verblendung", "Verdammnis", "Vergebung"), die nicht mehr in die Jackentasche passen. Doch durchweg lautet die Empfehlung: Es lohnt sich, die Wälzer mitzunehmen, vor allem bei längeren Fahrten. Eine Gefahr besteht allerdings: Dorothee (24) berichtet, bereits zweimal ihre Haltestelle verpasst zu haben - Schuld war Larssons "Verblendung".

Ilona schwört auf den Nervenkitzel

In Benrath steigt eine weitere Krimi-Leserin zu. "Ich wollte ihr wärt tot" springt sofort wenig charmant vom Klappentext ins Auge der Pendler ringsum. Das Buch heißt "Ohne ein Wort", ein Psychothriller, geschrieben von Linwood Barclay - und ein Zeitüberbrücker für Ilona(37). "Eine ganze Familie verschwindet, nur eine 14-Jährige bleibt übrig", erzählt sie und macht neugierig: "Die ist zwar hysterisch, aber irgendwie auch nett - hat ihren Verwandten allerdings kurz zuvor den Tod gewünscht." Ein spannender und kurzweiliger Krimi, lautet ihr kriminalistisches Urteil.

Das Herz von Siobhan schlägt für Kommissar Kluftinger

Eine ähnlich spannende Empfehlung gibt es von Siobhan (18). "Rauhnacht" von Volker Klüpfel hat ihr Herz restlos erobert: "Ich lese nur Krimis. Und die Bücher mit Kommissar Kluftinger sind mit Abstand die besten!" Wenig später muss sie aussteigen. Sie liest noch so lange vom "sympathischen Spießer", bis der Pfeifton der sich öffnenden Bahntüren sie zwingt, hastig hinaus auf den Bahnsteig zu sprinten.

Eine lustige Ode an die Weiblichkeit - als Geschenk für die Freundin

Fast alle genannten Buchtitel sind in der Stadtbibliothek, Tempelhofer Straße, ausleihbar (Telefon951720). Die Bücherei bietet außerdem den Spiegel-Bestseller-Service an. Das heißt: Zum einen ist jeder Titel der Bestseller-Liste ausleihbar. Zum anderen liegen montags im Spiegel besprochene Bücher bereits dienstags in der Bücherei zur Ausleihe bereit. "Besonders bei den Romanen sind wir deshalb immer gut aufgestellt", sagt Bibliotheksleiter Martin Führer. Heute ist die Bibliothek von 10 bis 13Uhr geöffnet.

Auf dem Rückweg in Richtung Langenfeld schlägt eine junge Leserin ein ganz spezielles Buch auf: "Der Tag, an dem die Männer verschwanden" von James Canón. Näheres zum Inhalt - und ihren Namen - möchte sie nicht preisgeben. Aus nahe liegenden Gründen: "Es ist ein Geschenk für eine Freundin - aber man muss so was doch vorher testen", zwinkert sie schelmisch. Nur so viel: Es sei "eine lustige Ode an die Weiblichkeit, aber ohne auch nur einen Funken Realität".

Britta mag es schön und lustig - aber auch sehr traurig

Einige Randgruppen-Leser ("Tabellenbuch Metall") steigen zu und gesellen sich zu Britta (30) und Angela (31), die lieber lesen statt sich zu unterhalten. "Leo Kaplan" (Leon de Winter) heißt Brittas Buch: "Es ist die Geschichte eines Schriftstellers, der sich die großen Fragen des Lebens stellt, stellenweise auch sehr skurril. Da könnte man heulen, wenn man es liest, weil es so schön und lustig, aber gleichzeitig sehr traurig ist." Währenddessen widmet sich ihre Freundin selbst den großen Fragen: "Gönn dir Zeit. Es ist dein Leben" von dem benediktinischen Abt Notker Wolf zeige ihr, dass man etwa nicht "mal eben schnell meditieren" könne, erzählt sie und nickt überzeugt auf die Frage, ob sie es empfehlen würde.

Die Bahn hält, eine Stimme mahnt: "Der Zug endet hier. Bitte alle aussteigen." Der Bus nach Monheim wartet schon. Die Bücher werden zugeklappt. Die Bibliothek hat fast alle genannten Titel im Angebot - und heute geöffnet.

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