In Monheim steht eines der ungewöhnlichsten Bauprojekte vor dem Abschluss. Die WZ hat sich im alten Gemäuer und im ultramodernen Neubau umgesehen.

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Spots, Parkett, Schlossblick – so sieht es in einer Wohnung im Neubau aus.

Spots, Parkett, Schlossblick – so sieht es in einer Wohnung im Neubau aus.

Starke Gegensätze: Der kubistische Neubau und das neoklassizistische Schloss stehen für unterschiedliche Architektur-Epochen.(Fotos (2): Anna Schwartz)

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Spots, Parkett, Schlossblick – so sieht es in einer Wohnung im Neubau aus.

Monheim. "Ich bin ein Freund von Originalitäten. Alt und neu, dazwischen gibt es für mich nichts", sagt Rainer Kohl. Der Investor steht kurz davor, eines seiner ungewöhnlichsten Bauprojekte fertig zu stellen: Schloss Laach.

Der herrschaftliche Bau aus dem Jahr 1911 wurde mit viel Detailtreue und nach einem langwierigen Genehmigungsverfahren in den Originalzustand zurückversetzt. Entstanden sind neun Eigentumswohnungen mit prachtvollen Stuckdecken, hohen Türbögen und großen Schlossfenstern.

Daneben wurde ein hochmoderner Neubau mit zwölf loftartigen Wohnungen in kubistischer Bauweise ohne Schnörkel hingesetzt. Beide Gebäude haben eine außergewöhnliche Architektur, beide entsprechen exakt dem jeweils in ihrer Epoche geltenden Zeitgeist. Gleichzeitig aber bilden sie einen dermaßen harten Kontrast, dass das Projekt von Anfang an viele Skeptiker hatte.

Schloss Laach war Thema auf der Investorentour

Michael Kraus vom Denkmalamt der Stadt hat das Bauprojekt auf der kürzlich durchgeführten Investorentour vorgestellt (die WZ berichtete). Sein Kommentar: "Niemand kann ein altes Gemäuer retten, ohne etwas davon zu haben. Der Neubau war nötig."

Jetzt sind die insgesamt 21 Wohnungen, die zwischen 217.000 Euro und 800.000 Euro kosten, fertig gestellt oder stehen kurz davor. Sieben von ihnen sind verkauft, die ersten drei Appartements im Neubau sind bezogen. Bis Weihnachten sollen auch die ersten Schlossbewohner eingezogen sein.

Schloss Laach wurde 1911 von Clemens August Engel im neoklassizistischen Stil erbaut. 1932 bis 1938 gehörte es Hitlers Vize-Kanzler Franz von Papen. Danach wurde es zum Erholungsheim für Bergarbeiter, anschließend Altenheim. Ab 1983 hatte dort eine Werbeagentur ihren Sitz. Kohl hat das Schloss 2006 gekauft und ein Nebengebäude aus den Sechzigerjahren abgerissen.

"Bis jetzt kommt keiner der Käufer aus Monheim", sagt Bauleiter Rainer Kohl, der ansonsten über seine Kunden schweigt. Nur so viel: Es handelt sich um gut situierte Personen, die gezielt nach einem exklusiven Wohnobjekt gesucht haben. In welcher Stadt es steht, sei weniger entscheidend.

Im Schloss wurde der Grundriss minimal verändert. Das einschneidendste Element: Eine ausladende Holztreppe im Wohnzimmer der teuersten Wohnung endet vor einer Wand. Der Grund: Die Treppe sollte bleiben, die Wohnung aber nicht über zwei Etagen gehen. Der Aufgang kann als Galerie genutzt werden. Noch ist im Schloss einiges zu tun. Die Böden werden mit Trockenstrich ausgelegt, Rigipswände gesetzt, Stuck restauriert.

Der Garten wird anhand von alten Luftaufnahmen rekonstruiert

Viel weiter ist man im Neubau: Dort wurden bereits Parkettböden verlegt, ebenerdige Duschen mit eingelassenen LED-Leisten gebaut und Lichtspots an die Decken gesetzt.

Das extravagante Bauprojekt zieht immer mehr neugierige Monheimer an. "Hier stehen immer öfter Leute auf dem Rasen", sagt Kohl und lacht. Der 4000 Quadratmeter große Garten wird zurzeit anhand alter Luftaufnahmen in den Ursprungszustand versetzt.

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