Das Stück „Zeitfenster“ von David Hare sorgte für Applaus. Allerdings war es keine leichte Kost, die da serviert wurde.

Monheim. Philip ist glücklich: Seine neue Freundin Nadia ist "schön, brilliant und engagiert". So jedenfalls stellt er sie seinem Vater vor, dem die beiden Amerikaner einen Besuch abstatten.

Das Stück "Zeitfenster" von David Hare beginnt locker, doch schnell wird klar, dass Marke Monheim fürs neue Jahr keinen profanen Auftakt gewählt hat. Statt ein paar unbeschwerte Urlaubstage in der Abgeschiedenheit Englands zu verbringen, kommt es zu immer mehr Problemen, die von den etwa 400 Zuschauern in der Aula am Berliner Ring gespannt verfolgt werden.

"Der Mann, der das Leben meiner Mutter zerstört hat": So stellt Philip (Benjamin Kernen) Nadia (Marion Mitterhammer) seinen Vater vor. Doch schnell zeigt sich eine besondere Anziehungskraft zwischen Nadia und Oliver (Peter Stiebeck).

Die Politologin, die früher als Kriegsberichterstatterin ihr Leben dafür einsetzte, anderen zu helfen, ist von der Redegewandtheit Olivers beeindruckt, unterhält sich mit ihm über Politik und Psychologie. Bei einem nächtlichen Gespräch schließlich trifft er ihren wunden Punkt.

Und so erzählt sie ihm von dem Mann, den sie aus tiefstem Herzen bewundert, weil er keine Angst hat und der ihr "Innerstes nach außen kehrte".

Ihre neue Beziehung mit Philip ist dagegen ganz anders, denn "er ist da, wenn ich ihn brauch’". Nachdem sich Nadia offenbart hat, öffnet sich auch Oliver. Die freie Liebe, die ursprünglich auch von seiner Frau gewollt war, hat schließlich die Ehe zerstört, Philip hat die Trennung nie richtig verarbeitet und macht seinen Vater für das Unglück seiner Mutter verantwortlich.

Nach dem tiefsinnigen Gespräch und der Rückkehr nach England trifft Nadia eine Entscheidung. Sie verlässt die Yale-Universität, will wieder als Kriegsberichterstatterin in den Krieg - und verlässt Philip.

Eine Kombination von Politik und Psychologie

Ein faszinierendes Stück, das durch interessante Gespräche und Tiefe glänzt. Die Kombination von Politik und Psychologie machen einen besonderen Reiz aus, auch wenn das Stück nicht ganz rund erscheint. "Peter Stiebeck ist ja sehr bekannt, da wollten wir wissen, wie er Theater spielt und es ist wirklich ganz anders", meint Barbara Killen.

Die Wülfratherin ist besonders von dem Kampf zwischen Vater und Sohn fasziniert. "Man rechnet einfach nicht damit, wie es weitergeht", zeigt sich die 59-Jährige begeistert. Einziges Problem: "Es ist sehr leise. Man muss aufpassen, dass man alles versteht." Doch die schauspielerische Leistung überzeugt. Das Publikum spendet tosenden Beifall.

Ein Zeitfenster ist der kurze Zeitraum nach einer Katastrophe, in dem für die Verunglückten noch eine Chance auf Rettung besteht. Nadia hat bei dem Gespräch mit Oliver ihre eigene Situation verstanden - und ihr Zeitfenster rechtzeitig genutzt.

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