Kniprode-Schüler erfuhren am Mittwoch Spannendes beim Blick in die Vergangenheit. Der Heimatbund hofft, dass wieder mehr Schulen eine Führung nutzen.

Jan, Sebastian, Jan, Julia und Isabelle (von links) aus der 3a der Kniprode-Schule bestaunen eine alte Miele-Waschmaschine von 1950.
Jan, Sebastian, Jan, Julia und Isabelle (von links) aus der 3a der Kniprode-Schule bestaunen eine alte Miele-Waschmaschine von 1950.

Jan, Sebastian, Jan, Julia und Isabelle (von links) aus der 3a der Kniprode-Schule bestaunen eine alte Miele-Waschmaschine von 1950.

Stefan Fries

Jan, Sebastian, Jan, Julia und Isabelle (von links) aus der 3a der Kniprode-Schule bestaunen eine alte Miele-Waschmaschine von 1950.

Monheim. Es war einmal ein Graf von Berg. Und es war einmal ein Erzbischof aus Köln. Und die stritten sich ständig darüber, wem die Ländereien am Rhein in Monheim eigentlich gehören. Und dann kam es zur großen Schlacht. Soweit könnte das ein Märchen sein.

Doch dann zeigt der 67-jährige Dieter Sturm mit Blick auf die andere Rheinseite aus dem Deusser-Haus. Die gibt es wirklich. Und dort hat die Schlacht von Worringen tatsächlich stattgefunden - im Jahre 1288.

Die Kinder der Klasse 3a schauen mit großen Augen in Richtung Fluss. Geschichte wird lebendig.

An diesem Morgen sind die beiden dritten Klassen der Kniprode-Schule zu Besuch in der Ausstellung des Heimatbundes. "Wir machen das immer in dem Jahrgang im Rahmen des Sachkundeunterrichts.

Hier gibt es schließlich viel zu bestaunen", erläutert Lehrerin Annette Bruns-Krebber. Auch der Schelmenturm wird besichtigt. "Und der ist ganz hoch. Da wurden früher Diebe eingesperrt", weiß die achtjährige Julia.

"Boah!" signalisiert großen Respekt

Der Verein hat mehr als 200 Mitglieder. Er ist Träger und Eigentümer der heimatkundlichen Sammlung, die ehrenamtlich aufgebaut und betreut wird.

Die Ausstellung im Deusser-Haus An d’r Kapell, das nach dem Maler benannt ist, kann sonntags von 11 bis 13 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

Es können jederzeit kostenlose Führungen für Schulklassen oder andere Gruppen vereinbart werden. Das ist nicht an die Sonntagsöffnung gekoppelt.

Weitere Informationen gibt es bei Vorsitzendem Dieter Sturm unter Telefon 51106 oder per E-Mail an heimatbund-monheim@t- online.de.

Tatsächlich sind die Kinder voller Eifer dabei. Und von Zeit zu Zeit ist ein respektvolles "Boah!" zu hören. Das gilt zum Beispiel für die zwei Meter lange Eissäge, die Heimatbund-Vorstand Sturm zeigt.

Aber auch die Bilder vom schlimmen Hochwasser 1926 mit der Altstadtkirche Grabenstraße in einer Seen-Landschaft bekommen das Prädikat "Boah!".

Die Ehrenamtler des Heimatbundes führen Schulklassen gerne durchs Deusser-Haus. An diesem Morgen ist neben Sturm auch noch sein Stellvertreter Willi Pesch dabei. Er leitet eine andere Gruppe.

Allerdings sind die Anfragen weniger geworden. "Das ist wirklich schade. Denn hier gibt es viel zu erleben", rührt Sturm die Werbetrommel.

"Was ist denn das?" Jan (acht Jahre) schaut neugierig auf die "Miele Extra" mit der Fabrikationsnummer 55/2. Es ist eine Waschmaschine von 1950. Eine Bohnenschneidemaschine wird erklärt. Die Kinder erfahren, dass es früher einmal eine Zuckerrübenfabrik in Monheim gegeben hat.

"Heute ist das eine Art Jugendtreff, der sich Sojus7 nennt", erzählt Sturm. Und die Schüler staunen darüber, wie viel Fisch früher im Rhein direkt vor der Tür gefangen wurde.

"Doch, gut hier", ist Julia nach etwa einer Stunde Führung anzusehen, dass die ganzen Informationen erst einmal sacken müssen. Die Klasse 3a ist vollgepackt mit Heimatwissen.

Aber ganz sicher werden so manche Eltern am Abend auf einmal mit Fragen wie "Warum hingen früher Brotkörbe an der Decke?" konfrontiert. Wer es nicht weiß: Damit Mäuse, aber auch die Kinder, nicht ans Brot kamen. Das wurde nämlich rationiert.

Und wenn Jan den Erwachsenen lachend vom Müllwagen auf vier Beinen erzählt, dann meint er, dass früher alle essbaren Abfälle an die Hausschweine verfüttert wurden.

Und ganz ehrlich: Wer weiß schon, dass die Großeltern mechanisch Marmelade in Teigklumpen gespritzt haben. Kamen die wieder aus dem Ofen, waren es leckere Berliner Ballen. Auch eine solche Maschine wartet im Deusser-Haus auf Neugierige.

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