Die Idee der „Musikschule für alle“ wurde vor zehn Jahren geboren. Inzwischen ist es eine bundesweit beachtete Erfolgsgeschichte geworden.

Am Freitag wurde der Geburtstag von „MoMo“ natürlich musikalisch in der Lindgren-Schule gefeiert. 
(Fotos (2): Stefan Fries)
Am Freitag wurde der Geburtstag von „MoMo“ natürlich musikalisch in der Lindgren-Schule gefeiert. (Fotos (2): Stefan Fries)

Am Freitag wurde der Geburtstag von „MoMo“ natürlich musikalisch in der Lindgren-Schule gefeiert. (Fotos (2): Stefan Fries)

Am Freitag wurde der Geburtstag von „MoMo“ natürlich musikalisch in der Lindgren-Schule gefeiert. (Fotos (2): Stefan Fries)

Monheim. An manche Dienstreisen erinnert man sich gerne. Für Musikschul-Leiter Georg Thomanek ist das sicher ein Kongress in Karlsruhe. Der war 1998. Und als Thomanek aus dem Badischen zurückkam, da hatte er eine Idee im Gepäck: Musikschulunterricht für alle Kinder.

Die so genannte Bastian-Studie hatte in Berlin nämlich belegt, dass "aktives Musizieren auch Kindern bildungsferner Schichten grundsätzlich bessere Chancen bietet". Das klingt gut. Und gut war es auch, dass Thomanek bei Christa Nahlbach, damals Rektorin der Lindgren-Schule und Vorsitzende des Musikschul-Fördervereins, offene Türen einrannte mit der Idee.

Das ist zehn Jahre her. Und im Rahmen des kleinen Jubiläums kann Georg Thomanek heute sagen: Eine Erfolgsgeschichte! Denn was zunächst an der Lindgren-Schule getestet wurde, ist nun an allen Monheimer Grundschulen seit 2006 Standard: kostenloser Musikschulunterricht für alle Erstklässler.

Und "MoMo - das Monheimer Modell" greift so gut, wie Thomanek es kaum zu träumen gewagt hätte. Denn 50 Prozent der Kinder machen in der zweiten Klasse freiwillig weiter und erlernen ein Instrument. "Ein Wert, der fünfmal höher liegt als der Landesdurchschnitt", freut sich der Musikpädagoge und Kulturmanager.

Sensationeller Erfolg in der Hermann-Gmeiner-Schule

"MoMo" blieb nicht unbeachtet außerhalb der Rheingemeinde. Unter anderem gab es dafür den bundesweiten Musikschul-Sonderpreis "Kinder zum Olymp". Mehr als 200 deutsche Musikschulen haben bisher in Monheim nachgefragt, wie das Projekt genau strukturiert ist.

Derzeit hat die Musikschule 1.700 Schüler. In zwei Jahren sollen es bereits 2.000 sein. Das wären etwa fünf Prozent der Einwohner. Der Landesdurchschnitt liegt laut Thomanek bei ein bis zwei Prozent.

Im Rahmen von "MoMo" wird neben dem normalen Schulunterricht für alle rund 400 Erstklässler kostenlos eine Stunde pro Woche von der Musikschule angeboten. Die Hälfte macht anschließend freiwillig weiter bei einer Gebühr von 23 Euro im Monat.

"MoMo" wäre ohne Hilfe von Land, Stadt und Förderverein so nicht vorstellbar. Jedes Kind erhält ein Instrument als Leihgabe.

Und tatsächlich greift "MoMo" auch bei Kindern aus sozial schwächeren Familien. Das zeigt das Beispiel der Hermann-Gmeiner-Schule mitten im Berliner Viertel. Dort gibt es in manchen Klassen eine Quote von Kindern mit Migrationshintergrund, die bei 70 Prozent liegt.

Doch wenn am nächsten Wochenende der Regionalwettbewerb "Jugend musiziert" startet, dann sind von den 39 Monheimer Teilnehmern sieben aus der Gmeiner-Schule.

"So viele waren es noch nie. Früher haben wir uns über ein Kind gefreut. Sieben - das ist sensationell", strahlt Georg Thomanek. Und irgendwie verwundert es kaum noch, dass Monheim zum Regionalwettbewerb in Hilden die meisten Vertreter schickt.

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