Porträt: Martin Brülke ist als Hufschmied auch über die Stadt- und Kreisgrenzen hinaus im Einsatz.

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Martin Brülke bei der Arbeit an seiner mobilen Schmiede.

Martin Brülke bei der Arbeit an seiner mobilen Schmiede.

Dirk Thomé

Martin Brülke bei der Arbeit an seiner mobilen Schmiede.

Monheim. Hammer, Amboss, Gasofen - all das, was ein Schmied zum Arbeiten braucht, holt Martin Brülke aus dem Kofferraum seines Kleinbusses. Wer den nostalgischen Charme einer Schmiede sucht, ist bei modernen Hufschmieden wie Martin Brülke fehl am Platz.

Vieles hat sich geändert, der Schmied kommt heute zum Pferd und hat sein Werkzeug gleich dabei. Eines hat sich allerdings nicht geändert: Die Arbeit eines Hufschmiedes ist ein echter Knochenjob. Martin Brülke (29) macht diesen Knochenjob. Jeden Tag, im Notfall auch nachts und an Feiertagen.

Und er macht diesen Job gerne. "Hufschmied ist mein absoluter Traumberuf. Ich möchte nichts anders machen." Urlaub hatte er schon seit vier Jahren nicht mehr.

Der Beruf des Hufschmiedes ist ein Full-Time-Job

Wichtigste Voraussetzung für seine Arbeit sei die Liebe zum Pferd. Bei Martin Brülke entstand diese Liebe eher zufällig: "Meine Schwester ist früher geritten. Als für sie die Jungs wichtiger wurden als Pferde, hab’ ich das Hobby übernommen. Mit 18 Jahren hatte ich dann mein erstes eigenes Pferd."

Fünf Jahre später fiel der Entschluss, Hobby und Beruf zu verbinden - durch eine Ausbildung zum Hufschmied. Dazu musste Brülke zuerst eine dreieinhalbjährige Ausbildung zum Metallbauer, dann ein zweijähriges Praktikum bei einem Hufschmied und anschließend eine praktische und theoretische Ausbildung in einer Lehrschmiede. Dafür kam der Niedersachse nach Nordrhein-Westfalen. "In meiner alten Heimat gab es keine Ausbildungsstätte", sagt Brülke.

Jedes Pferd ist anders. Deshalb kommt es auf die Rasse und den Bereich an, in welchem der Beschlag verwendet wird. Einen Heißbeschlag bekommen zum Beispiel Galopppferde. Das Pferd eines Wanderreiters bekommt einen Kaltbeschlag. Zudem gibt es orthopädische und schulmäßige Beschläge.

Zunächst sieht sich Martin Brülke an, wie das Pferd in Schritt und Trab läuft. Danach wird erst entschieden, welcher Beschlag verwendet wird. Die alten Eisen werden abgenommen und die Hufe gekürzt. Nachdem das Pferd beschlagen wurde, wird es nochmals vorgeführt, um mögliches Lahmen auszuschließen. Nach etwa eineinhalb Stunden ist die Arbeit getan.

In Nordrhein-Westfalen gibt es derzeit rund 120 Hufschmiede. Aussterben werde der Beruf des Hufschmiedes nicht so schnell. "Derzeit gibt es viele junge Hufschmiede. Der Grund liegt wohl darin, dass die Ausbildung gelockert wurde. Sie dauert jetzt nur noch zwei Jahre", erklärt der Monheimer.

Rückenschmerzen sind bei Hufschmieden an der Tagesordnung

Sein Alltag besteht heute vor allem darin, mit seiner mobilen Schmiede von Pferd zu Pferd zu fahren. "Dadurch, dass die Tiere alle vier bis sechs Wochen einen neuen Beschlag bekommen, sind sie bei mir in Dauerbehandlung", sagt Brülke, der auch weit über die Kreisgrenzen hinaus aktiv ist.

In den zwei Jahren der Selbstständigkeit hat sich der gebürtige Niedersachse eine feste Kundschaft aufgebaut. Angestellte hat er nicht. "Werbung kann ich für seine Leistungen nicht machen", sagt Brülke. Die persönliche Vorstellung in den Pferdeställen und die Mund-zu-Mund-Propaganda seien für den Schmied überlebenswichtig. "Um selbstständig sein zu können, muss man im Monat schon eine große Menge Pferde beschlagen."

Ganz ungefährlich ist die tägliche Arbeit eines Hufschmiedes auch nicht. "Pferde können treten und beißen", betont Brülke. "Manche Situationen können böse enden." Er selbst musste nach einem Tritt ins Krankenhaus. Ohnehin sei es schwierig, den Beruf des Hufschmiedes tatsächlich 40 Jahre lang auszuüben.

"Da die Haltung stets gebückt ist, sind Rückenschmerzen an der Tagesordnung, und Bandscheibenvorfälle sind die Regel. Man braucht jede Menge Kraft und muss immer körperlich fit sein", betont der Vater eines fünf Monate alten Sohnes. "Wenn er groß ist, wird er natürlich auch Hufschmied."

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