Frank Berger näht alle Arten von Teddybären. Mit diesem Hobby findet er zumindest in der Männerwelt wenig Gesprächspartner.

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Heidi Berger hat ihren Mann Frank auf den Teddy-Bären gebracht.

Heidi Berger hat ihren Mann Frank auf den Teddy-Bären gebracht.

Stefan Fries

Heidi Berger hat ihren Mann Frank auf den Teddy-Bären gebracht.

Monheim. "Eigentlich fand ich Bären immer schon ganz nett", muss Frank Berger zugeben. Doch seit drei Jahren hat den 41-Jährigen ein wahrhafter Teddybären-Virus gepackt. Insgesamt 250 Bären in allen Varianten besitzen er und seine Frau - 60 davon hat er selbst gemacht.

"Heidi hat auf einer Bastelmesse ein komplettes Set gekauft", erzählt Frank Berger. Als der Teddybär seiner Frau gelang, wollte er es auch unbedingt einmal ausprobieren. "Ich hätte niemals gedacht, dass ihm diese Handarbeit zusagt", lacht Heidi Berger (44).

Das erste Ziel sei ein etwas schwereres Bastelpaket gewesen, mit der Zeit hat sich der kreative Mann gewaltig gesteigert. "Er hat schon die tollsten Sachen ausprobiert", zeigt sich seine Frau begeistert. Der letzte Teddy ist aus einer Fuchsjacke entstanden, die Berger im Internet ersteigert hat. "Am liebsten arbeite ich mit Mohair, Alpaka oder Webpelz. Aber eigentlich kann man alles verwenden", erzählt der 41-Jährige.

"Ich möchte, dass der Bär ein ausdrucksstarkes Gesicht hat."

Frank Berger

Zunächst wird dabei ein Schnittmuster, das es im Internet oder in extra Teddybärenzeitschriften gibt, auf das Fell übertragen. Nach dem Ausschneiden kann das eigentliche Werken beginnen. "Ich fange dann immer mit dem Kopf an, weil das am längsten braucht. Ich möchte, dass der Bär ein ausdrucksstarkes Gesicht hat", erläutert Berger.

Etwa 20Stunden braucht er für einen Bären. "Für mich ist das schließlich ein Hobby. Es geht nicht darum, möglichst schnell fertig zu werden", meint er. Wenn der Geschäftsprozessanalytiker an einem Bären arbeitet, setzt er sich gemütlich auf die Couch und schaltet vom Alltag ab, findet in der ruhigen Arbeit seinen Ausgleich.

Verkaufen kommt nicht in Frage, auch wenn der Platz knapp wird

Zum Ursprung des Namens "Teddy" gibt es zwei Legenden, eine amerikanische und eine deutsche.

Nach der amerikanischen Version geht der Name auf Präsident Theodore Roosevelt zurück. Er habe bei einer Jagd nicht auf ein angebundenes Bärenbaby schießen wollen. Die Bilder, die daraus entstanden, führten bald dazu, dass der Präsident den Beinamen "Teddy" erhielt. Morris Michtom, ein russischer Einwanderer, verwendete in seinem Schaufenster zur Dekoration einen Bären, den er mit Erlaubnis des Präsidenten "Teddy’s bear" nannte.

Die deutsche Version hat bei Richard Steiff seinen Ursprung. Der Neffe der Spielzeugherstellerin Margarete Steiff entwickelte 1920 den ersten Teddybären, der auch bewegliche Arme und Beine hatte. Nach vielen Umwegen landete der Bär bei der Tochter Roosevelts und wurde von ihr nach ihrem Vater "Teddy" benannt.

Mittlerweile sind überall im Wohnzimmer des Paares Teddybären zu bewundern. "Bald brauchen wir ein größeres Haus", grinst Heidi Berger. Denn verkaufen möchte ihr Mann seine Teddys nicht. "Je nach Größe und Material sind die Bären zwischen 100 und 200 Euro wert. Wenn man aber die Stunden berechnet, lohnt es sich nicht", meint Berger. Denn schließlich sind die Kuscheltiere alle mit der Hand gefertigt und nach langer und mühseliger Arbeit wächst Berger jedes einzelne Exemplar ans Herz.

Zweimal im Jahr geht das Ehepaar auch auf Messen. "Das ist ein richtiger Markt", staunt Heidi Berger immer wieder aufs Neue. So kann man neben Stoffstreifen und Bastelsets beispielsweise auch Copic Marker erwerben, mit denen man die Gesichter ausdrucksstark bemalen kann.

Zu den großen Messen kommen Bärenmacher aus der ganzen Welt. "Die einzelnen Exemplare kann man schon den Ländern zuordnen", findet Heidi Berger. Die beiden können es sich nicht verkneifen, jedes Mal ein weiteres Stofftier zu kaufen - auch um sich neue Anregungen zu holen.

Denn Frank Berger ist längst nicht bei den Teddybären geblieben. Auch ein Elefant, Igel, Schweine und ein Nilpferd tummeln sich auf den Regalen und in der Vitrine. "Wir haben bereits an drei professionellen Kursen teilgenommen", erzählt Frank Berger. Dabei sind Minibären und Eisbären entstanden.

Aber auch einen Schnittkurs haben die beiden belegt. "Ich war jedes Mal der einzige Mann. Das ist nicht so die Männerdomäne", lacht Berger. Doch das stört den 41-Jährigen überhaupt nicht. Mit einer Riesengeduld bastelt er an seinen Werken. "Ich habe erst einmal einen Bärenkopf weggeworfen, weil er mir mehrmals aufgeplatzt ist", erinnert er sich. Sonst versucht er stets, die Bären auf irgendeine Weise zu retten. "Erst letztens hatte ich einen Bären, der immer wieder aufgerissen ist, weil das Fell brüchig war", erzählt er.

Doch auch dieser sitzt nun zwischen den anderen auf einem Regal. "Möglichst nicht berühren", lautet in dem Fall die Devise. Von hoch oben schauen die vielen Bären dann gemeinsam mit ihren "Eltern" Fernsehen. "Über das Programm haben sie sich bis jetzt noch nicht beschwert", sagt das Paar und grinst.

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