Heinz-Peter Teller hält am Sonntag zum 20. Mal die „Mess op Platt“ in Monheim. Was er sagt, entscheidet er meist spontan.

Karneval
Heinz-Peter Teller hat seine Gemeinde mit seinen Worten fest im Griff.

Heinz-Peter Teller hat seine Gemeinde mit seinen Worten fest im Griff.

Volle Reihen sind bei der „Mess op Platt“ die Regel.

Stefan Fries, Bild 1 von 2

Heinz-Peter Teller hat seine Gemeinde mit seinen Worten fest im Griff.

Monheim. Eine Messe in Mundart – die „Mess op Platt“. Das ist in Monheim immer ein Höhepunkt im Karneval. Für den Opladener Pfarrer und Stadtdechanten in Leverkusen Heinz-Peter Teller ist es am morgigen Sonntag auch ein Jubiläum: Zum 20. Mal hält der 46-Jährige eine Mundartmesse in Monheim. Er weiß, dass die Monheimer der Messe in St. Gereon entgegenfiebern. So voll wie vor Rosenmontag wird es in der Kirche selten.

Es war vor langer Zeit die Idee vom damaligen Pfarrer Winfried Motter, die „Mess op Platt“ einzuführen. Die gibt es beispielsweise auch in Langenfeld und Ratingen. Unkonventionelles war ganz offensichtlich Pfarrer Motters Ding: Er hatte auch bereits eine Messe am Arbeitsplatz etabliert.

Pfarrer Motter hatte die Idee – aber nicht den passenden Dialekt dazu

Also war es beschlossene Sache: 1991 sollte in der Kirche St. Gereon die erste „Mess op Platt“ gefeiert werden. Doch selbst wollte Winfried Motter, ein Berliner Jung, sie nicht halten. „Es wäre zu viel Berliner Dialekt hinzugekommen“, sagte er damals. Schließlich sollte es um die eigene Mundart der Rheinländer oder der Bergischen gehen.

Mit dem damaligen Kaplan Heinz-Peter Teller war bald eine glücklich Lösung gefunden. Der Mann zwischen Rhein und Wupper fand fortan immer den richtigen Ton.

Wie bereitet er sich auf die besondere Messe vor? „Eigentlich gar nicht“, gesteht Heinz-Peter Teller. „Ich schaue in die Gesichter der Gläubigen und entscheide dann, was ich ihnen sage“, sagt Teller. Ein Rezept, das auch bei anderen Gelegenheiten zum Einsatz kommt, weiß er.

Fest steht nur: Es wird keine Büttenrede

Sonntag, 9.30 Uhr, St. Gereon.

Heinz-Peter Teller (46) war von 1990-1995 Kaplan in Monheim. Heute ist er Pfarrer der Gemeinde St. Remigius und Stadtdechant von Leverkuse.

Wenn ein Pastor, etwa bei einer Weihnachtspredigt, nicht ganz sicher ist, was er sagen möchte, wartet er bis kurz vor der Messe ab. „Wie sind die Menschen drauf? Sind sie heiter und gelöst. Oder abgespannt? Wie reagieren die Besucher auf mich? Das alles spielt eine Rolle“, erläutert der Geistliche.

Auch, wenn er auf Platt zur Gemeinde spricht, eine Büttenrede hält Pastor Teller deshalb noch lange nicht. Durch seine Tätigkeit von 1990 bis 1995 als Kaplan in Monheim kennt er zwar seine Pappenheimer. Sicher war er sich aber im Voraus nicht, wie die Gemeinde auf diese besondere Form der Messe reagieren würde. Eine Sorge, die sich als unbegründet herausstellte. „Alle haben mir Beifall gezollt“, erinnert er sich.

Im Mai 2011 war er zuletzt in der Monheimer Gemeinde, um die ehemaligen Messdiener zu besuchen. „Es war wie früher“ erzählt er. Ein Thema war auch das bevorstehende Jubiläum der „Mess op Platt“. Alte Fotos machten die Runde, in Tellers Kopf wurden Erinnerungen an die einzelnen Messen wach. Elfriede Jenniches hielt die Fürbitten, der Kirchenchor sang – und natürlich auch die Gemeinde. Die Lieder waren eigens für die Messe von Hochdeutsch auf Monnemer Platt umgewandelt worden.

Heinz-Peter Teller ist jetzt Pfarrer der Opladener Gemeinde St. Remigius und Stadtdechant von Leverkusen. Doch an Monheim und die Lebenslust sowie den Monnemer Fastelovend erinnert er sich immer noch gern. Auch beim Jubiläum soll alles so werden wie immer: Das Schlusslied „Großer Gott, wir loben Dich“ wird von Gemeinde und Kirchenchor erklingen. Danach ziehen die Gesellschaften aus, Altstadtfunken, Gromoka, Marienburg-Garde, großes und kleines Prinzenpaar, Prinzengarde.

Viel Zeit hat Teller nach der Messe dieses Mal jedoch nicht: Er muss ganz schnell wieder zurück in seine Heimatgemeinde. Denn in St. Remigius wird um 11.15 Uhr Gottesdienst gefeiert. Und noch einer ist am Karnevalssonntag im Stress: Pfarrer Burkhard Hoffmann will gleich nach der Mundartmesse nach Baumberg zum Veedelszoch.

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