Ein neues Gremium soll Bildungsangebote zentral steuern und Kindern mehr Chancengleichheit ermöglichen.

Monheim. Um ein Kind groß zu ziehen, braucht es ein ganzes Dorf. Nun ist Monheim weder ein Dorf, noch wohnen Menschen heutzutage noch in Gemeinschaften zusammen, in denen jeder jeden kennt. Die oft zitierte Weisheit hat sich dennoch nicht überlebt. Auch heutzutage ist man noch der Ansicht, dass Erziehung und Ausbildung von Kindern dann am besten funktionieren, wenn alle daran beteiligten Akteure Hand in Hand arbeiten. Die Frage ist nur: Wer gehört denn alles dazu? Kitas und Schulen sowieso. Den Austausch zwischen ihnen hat bereits das Mo.Ki-Projekt verbessert.

Jetzt aber will das Jugendamt einen noch viel größeren Schritt in Richtung Vernetzung gehen und zum Beispiel auch Volkshochschule, Ulla-Hahn-Haus und die Musikschule einbeziehen. Bildungsmanagement nennt man das, wenn die Bildung von Kindern innerhalb einer Stadt zentral gesteuert wird. Ein neues Gremium mit Vertretern aus Politik, Jugendhilfe, Schulen und Verwaltung soll die Ziele dafür abstecken. Sämtliche Konzepte, Maßnahmen und Planungen im Rahmen der Entwicklungs- und Bildungsförderung sollen von diesem Gremium beraten werden. Auch der Bürgermeister wird der Arbeitsgruppe angehören.

Gremium muss wissen, wovon Bildungserfolge abhängen

„Das oberste Ziel ist natürlich, die Kausalität von Herkunft und Bildungserfolg zu entkoppeln“, sagt Jugendamtsleiterin Annette Berg. Das heißt: Nicht das Elternhaus allein sollte darüber entscheiden, ob Kinder gute Chancen in der Schule haben. Einrichtungen wie die VHS und der offene Ganztag können mit einem gezielten Programm dagegensteuern.

Stellt sich die Frage, welche Probleme denn konkret angegangen und aufgefangen werden müssen. Dazu sind Daten erforderlich, die in Monheim nicht vorliegen. „Unsere Statistiken sind eher punktuell“, sagt Annette Berg. Eine genaue Analyse, welche Faktoren zum Schulerfolg beitragen, sei auf dieser Basis kaum möglich. Als positives Beispiel nennt Berg einen Bildungsplan aus Hannover. Dort wurde unter anderem untersucht, welche Bildungserfahrungen Kinder bereits vor Eintritt in die Kita gemacht haben, wie viele Kinder eine Sprachförderung in Anspruch nehmen und wie gut Tagesmütter im Vergleich zum bundesweiten Durchschnitt ausgebildet sind.

Die Monheimer Bildungsmanager sollen bestehende Strukturen analysieren und koordinieren. Sie sollen auch dafür sorgen, dass die Jugendhilfe erstmals an der Schulentwicklungsplanung beteiligt ist. „Das Gremium soll helfen, Schwerpunkte an Schulen zu setzen, Kompetenzzentren zu bilden und Schülerzahlen festzulegen“, sagt Annette Berg. Aufgabe der Manager wird auch sein, die fusionierte Förderschule am Standort der Leo-Lionni-Schule in die Bildungslandschaft zu integrieren.

Am Dienstag muss der Jugendhilfeausschuss entscheiden

Das Gremium für das Monheimer Entwicklungs- und Bildungsmanagement soll sich wie folgt zusammensetzen: Fraktionen des Stadtrats (5 Vertreter), freie Träger der Jugendhilfe wie Kitas, Ganztag und freie Jugendverbände (5 Vertreter), Grundschulen (2 Vertreter), weiterführende Schulen (5 Vertreter), Schulaufsicht (1 Vertreter), Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses und des Ausschusses für Bildung, Kultur und Sport (2 Vertreter), Bürgermeister Daniel Zimmermann und Beigeordneter Roland Liebermann.

Welche Ziele sich das Gremium noch steckt – denkbar wäre eine Reduzierung der Schulabbrecherquote – bleibt abzuwarten. Zunächst muss der Jugendhilfeausschuss am Dienstag der Gründung zustimmen. Es soll sich zunächst zweimal jährlich treffen.

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