Im Prozess gegen den Apotheker R. sagte gestern eine zweite Zeugin aus.

Langenfeld. "Wenn er mich in Ruhe gelassen hätte, dann hätte ich geschwiegen", sagte Zeugin Z. gestern vor dem Amtsgericht. "Doch ich musste ihn schließlich anzeigen, anderen Frauen soll das nicht passieren."

Z. ist auch Nebenklägerin im Prozess gegen R. (44). Dem Angeklagten wird sexuelle Nötigung vorgeworfen. Gestern, am zweiten Verhandlungstag, sagte auch die zweite Zeugin E. aus (Namen geändert).

Waren K.o.-Tropfen im Cognac?

R., ein promovierter Apotheker, wird vorgeworfen, dass er sie in ihrem Auto sexuell genötigt habe. Zeugin Z. soll er in seiner Wohnung K.o.-Tropfen in einen Cognac gemischt haben. Als sie ohnmächtig wurde, soll er sie missbraucht haben. Z. fand sich nackt und gefesselt auf dem Bett des Angeklagten wieder. R. kniete nackt auf ihr (die WZ berichtete).

Der Angeklagte verfolgte den Prozess wie auch am ersten Verhandlungstag unbeteiligt, machte sich aber Notizen. Die Frauen schaute er kaum an. Zeugin E. erzählte, wie sie R. 1998 kennen gelernt hat. R. hatte die jetzt 51-jährige Industriekauffrau in den Monheimer Konzern geholt. Er lobte ihre Arbeit, doch dann entdeckte er, dass die Mitarbeiterin einen Partner, der auch im Monheimer Betrieb arbeitete, gefunden hatte.

"R. warf mir Vertrauensmissbrauch vor", sagte E. Das Verhältnis sei getrübt gewesen. Als sie ein Arbeitsgespräch mit ihm führen wollte, habe er sie in das Langenfelder Bistro, in dem er regelmäßig verkehrte, gebeten.

"Doch über die Arbeit haben wir kaum gesprochen. Ich wollte dann nach Hause, aber er hat mich gebeten, ihn zuvor nach Hause zu fahren." Dort habe er vorgeschlagen, ein Glas Wein zu trinken. Das lehnte sie ab. Darauf habe er ihr den Autoschlüssel abgenommen, es sei zu sexuellen Übergriffen gekommen. Aus Scham habe sie ihn erst später angezeigt. "Ich hätte nie geglaubt, dass ich mal Opfer werde", sagte E., die sich einer Therapie unterzieht.

R. habe sich im Laufe der Zeit zu seinem Nachteil verändert, immer mehr Alkohol getrunken, Macht und Druck ausgeübt. "Die Frauen haben vor ihm gezittert", sagte Zeugin Z..

E. wechselte den Arbeitsplatz. Sie erfuhr von anderen Frauen, dass diese von R. ebenfalls belästigt wurden. Ihre Cousine sei auch darunter gewesen. Nach den beiden Anzeigen hatte R. seinen Arbeitsplatz verloren und wohnt nicht mehr in Langenfeld. Er ist zwischenzeitlich wieder in einer leitenden Position. Der Prozess wird fortgesetzt.

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