Das von der WZ ausgezeichnete Projekt an der Kopernikus-Schule macht aus Schülern Unternehmer.

Langenfeld. Mathearbeiten wurden in den vergangenen Tagen an der Kopernikus-Schule geschrieben. Das Team des Kop-Shops, des Geschäfts für den kleinen Schulbedarf mitten in der Realschule, hat das gemerkt. "Geodreiecke gingen sehr gut", sagen die jungen Verkäufer, die ihre Pausen gerne opfern, um Mitschülern, die etwas vergessen haben, Hefte, Tintenkiller, Zirkel und Geodreiecke aber auch kleine Geschenke zum günstigen Preis zu verkaufen.

"Die Eltern achten immer stärker darauf, was eine Schule außer dem normalen Unterricht anbietet"

Gabriele Sieffert, Lehrerin der Kopernikus-Realschule

Die Kopernikus-Schule hatte mit der Umsetzung des Lädchens in der ehemaligen Kammer des Hausmeisters den mit 1000 Euro dotierten Schulpreis der Westdeutschen Zeitung und Electronic Partner gewonnen. "Wir hatten nicht mit dem Preis gerechnet", sagt Lehrerin und Koordinatorin Gabriele Sieffert. Von dem Geld wurden gleich die 250 Euro zurückgezahlt, die sich die Schüler zum Aufbau des Kop-Shops beim Schulverein geliehen hatten. "Wir in Langenfeld wollen ja überall schuldenfrei sein", so Schüler René Wilgo. Die Aussage bezieht sich auf die seit Oktober 2008 entschuldete Stadt.

Das Lädchen wurde Ende Oktober eingeweiht. Die Konrektorin Ilona Drießen und ihre Kollegin Gabriele Sieffert hatten die Schülerfirma angestoßen. Unterstützt wurden sie bei der Buchhaltung von Eltern wie Beata Lappe und Regina Roderer. Doch die acht Schüler der Klassen sieben, acht und neun kommen mit den Geschäften auch alleine klar.

Für den Kop-Shop opfern die Schüler einen Teil ihrer Freizeit

Sieffert: "Es gibt schon mal Kritik, wenn ein Artikel zu teuer erscheint oder wenn etwa ein Zirkel nicht den Anforderungen genügt. Doch die Schüler bemühen sich, günstige Angebote zu unterbreiten." Dafür opferten sie auch Freizeit und suchten in der Stadt nach preiswerten Heften, Stiften und derzeit auch nach Scherzartikeln für den Karneval.

Vampir-Gebiss mit Blut (2,50 Euro), künstliche Finger (70 Cent) oder Scherz-Piercings (50 Cent) laufen. "Der Teamgeist untereinander ist sehr gut, es ist im Shop noch nie ein böses Wort gefallen", lobt Lehrerin Drießen.

Das Projekt An der Kopernikus-Realschule wird im August mit der Musikschule eine Bläserklasse eingerichtet. Mit Mitteln aus der Qualitätsoffensive der Stadt für die Profilschärfung der Schulen (200 Euro pro Schüler verteilt auf vier Jahre) konnte ein Satz Blech- und Holzbläser angeschafft werden. Die Bläserklasse erhält drei Stunden Musik-Unterricht pro Woche, eine Stunde mehr als die übrigen Realschüler.

Erfolgserlebnis Blasinstrumente sind schnell erlernbar, alle Schüler fangen ohne Vorkenntnisse an. Die Kinder sollen schnelle Erfolgserlebnisse haben. Musik soll zudem die Konzentration stärken.

Anmeldung Bisher wurden 18 Kinder für die Bläserklasse angemeldet. 25 Schüler müssten es eigentlich sein, doch die Klasse wird laut Schulleiterin Sigrid Scheibe auf jeden Fall gebildet werden. Mehr Infos in der Schule, Immigrather Straße 61, und unter Telefon 70 756.

Ziel des Shops ist, dass die Schüler früh lernen, wie ein kleines Unternehmen geführt wird, auch wie man eine Kasse bedient.

Caroline (13), Sabrina (15) und Liz (15) haben ihre dunkel-blauen Poloshirts mit ihren Namen übergestreift, so sind die als Verkäuferinnen schnell auszumachen. "Wir kennen nicht alle Schüler", sagen sie, da sei es spannend, neue kennenzulernen.

An die 500 Mädchen und Jungen besuchen derzeit die Kopernikus-Schule. Der Tag der offenen Tür an der Immigrather Straße lief so gut, dass es danach 90Neuanmeldungen, 15 mehr als 2008, zu verzeichnen gab. 18 Kinder haben sich für die Bläserklasse (siehe Kasten), die ab August startet, entschieden.

Das außerschulische Angebot kann sich sehen lassen. Football-AG, Box-AG, Tanzen und Reiten wird angeboten. Es gibt auch eine Streitschlichtung. Es werden Kontakte und Kooperationen mit heimischen Firmen gehalten, gegenseitige Besuche sind die Norm.

Die Schüler werden intensiv auf das Berufsleben vorbereitet, dabei hilft auch der Berufswahlpass, in dem die Stärken, Vorlieben und Wünsche der Schüler eingetragen sind.

Mit dem Schulpreis von 1000 Euro wurden nicht nur die Schulden an den Schulverein beglichen. Sie kommen auch auf das Sparbuch, auf dem schon 200Euro Geschäftsgewinn angelegt sind. Denn Rücklagen müssen sein. "Was tun, wenn mal die Kasse kaputt geht", sagt René, "Wir müssen gewappnet sein."

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