Caritas, Elternschule und DRK unterstützen Ausländer beim Einleben. Helfer begleiten bei ganz alltäglichen Dingen.

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Sie bauen Brücken zwischen Kulturen (v.l.): Leiterin Irina Kronberger, Rita Pasztusak aus Ungarn, die türkischstämmige Perihan Akyel, Kalthoum Feiler aus Tunesien, die Deutsche Angelika Ebert, Zhangtong Guo aus China und die polnischstämmige Therese Kollus.

Sie bauen Brücken zwischen Kulturen (v.l.): Leiterin Irina Kronberger, Rita Pasztusak aus Ungarn, die türkischstämmige Perihan Akyel, Kalthoum Feiler aus Tunesien, die Deutsche Angelika Ebert, Zhangtong Guo aus China und die polnischstämmige Therese Kollus.

Anna Schwartz

Sie bauen Brücken zwischen Kulturen (v.l.): Leiterin Irina Kronberger, Rita Pasztusak aus Ungarn, die türkischstämmige Perihan Akyel, Kalthoum Feiler aus Tunesien, die Deutsche Angelika Ebert, Zhangtong Guo aus China und die polnischstämmige Therese Kollus.

Langenfeld. Wer in ein fremdes Land zieht, muss nicht nur die Sprache beherrschen, um sich einleben zu können. Auch die Kultur muss regelrecht erlernt werden.

"Es kommt oft zu Missverständnissen. Zum Beispiel ist es in China absolut respektlos, sich beim Gespräch in die Augen zu schauen. In Deutschland dagegen ist es ein Zeichen für Höflichkeit", sagt Zhangtong Guo. Die junge Chinesin ist eine von 17 Integrations- und Familienlotsen, die Ausländern dabei helfen, sich in Langenfeld zurecht zu finden.

Dabei klären sie speziell über soziale Angebote für Familien auf. Denn solche mit Migrationshintergrund nehmen bislang nur selten an Geburtsvorbereitungskursen oder Mutter-Kind-Gruppen teil.

Bis auf einen Italiener sind alle Lotsen Frauen

Das Projekt von Caritas, Elternschule und DRK wurde ursprünglich aus einem EU-Sozialfonds finanziert, wird aber seit Sommer von der Stadt getragen. Zehn Euro bekommen die Lotsen pro Einsatz. Es sind bis auf einen italienischen Mann allesamt Frauen. Sie kommen aus Russland, Tunesien, Polen oder der Türkei.

In der Regel werden die Lotsen von Institutionen eingeschaltet, wenn es aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse mit der Kommunikation hapert. Auch Ärzte melden sich oft, wenn ihre Patienten Diagnosen nicht verstehen und Ratschläge nicht befolgen können. "Die Lotsen übernehmen dabei eine neutrale Position, sie sollen nicht Partei ergreifen. Und sie unterliegen der Schweigepflicht", erklärt Irina Kronenberger von der Caritas, die das Projekt leitet.

Elternsprechtage sind ein klassischer Fall

Die Integrations- und Familienlotsen sollen eine Brücke zu Institutionen schlagen und darüber aufklären, welche Angebote es im sozialen Bereich gibt.

Wer Familienlotse werden möchte, muss an einem insgesamt sechstägigen Seminar teilnehmen. Einmal im Monat treffen sich die Lotsen zum Austausch.

Das Projekt wurde von der Caritas im Kreis Mettmann in Zusammenarbeit mit der Langenfelder Elternschule sowie dem DRK-Familienbildungswerk Kreis Mettmann ins Leben gerufen.

Die Lotsen bekommen eine Aufwandsentschädigung von zehn Euro pro Einsatz. Die Stadt Langenfeld zahlt der Caritas 15 Euro. Mit dem Überschuss wird die Projektbetreuung finanziert. Die Lotsen sind etwa vier Mal pro Woche im Einsatz, auch über die Stadtgrenzen hinaus. Das Budget der Stadt beträgt 15.000 Euro. Ärzte oder andere Privatpersonen müssen die Einsätze selbst bezahlen.

Wer die Lotsen engagieren möchte, kann sich an Irina Kronberg wenden unter Telefon02173/10149213.

Kürzlich wurde ein russischer Mann betreut, der nach mehrjähriger Haft ins Leben zurückkehren soll, dabei aber kaum Deutsch spricht. Eine solche Situation ist aber eher die Ausnahme. Ein klassischer Fall für die Lotsen sind Elternsprechtage und Gespräche mit Lehrern.

"Das deutsche Schulsystem ist ganz anders. Allein die Wahl der Schule stellt viele vor ein Problem", sagt die gebürtige Polin Therese Kollus. Die türkischstämmige Perihan Akyel ergänzt: "Die Erwartungen sind ganz anders. In der Türkei ist es zum Beispiel nicht üblich, dass die Eltern dazu aufgefordert werden, sich in der Kita oder Schule zu engagieren."

Auch Ansätze in der Kindererziehung und die Rolle des Vaters würden sich in den unterschiedlichen Kulturen grundlegend unterscheiden. Häufig würde die Zurückhaltung ausländischer Eltern als Desinteresse missverstanden. "Lehrer sind oft nicht interkulturell geschult. Da besteht eindeutig Bedarf", sagt Angelika Ebert.

Die Deutsche hat fünf Jahre in Barcelona gelebt und weiß, was es bedeutet, in einer neuen Heimat anzukommen. Sie kümmert sich um Zuwanderer aus lateinamerikanischen Ländern. Sie sagt: "Wir möchten für diese Menschen eine Brücke sein. Aber die Deutschen müssen auch bereit sein, sich zu interessieren."

Frauen, die sich von einem gewalttätigen Mann trennen, werden ebenfalls von den Integrationslosten begleitet. "Türkische Frauen wissen oft nichts von ihren Rechten, kennen ihre Möglichkeiten hierzulande nicht", sagt Akyel.

Die Integrationslotsen fungieren als Übersetzer in allen Lebenslagen und sind gerade deshalb gefragt, weil sie aus Erfahrung sprechen. Kalthoum Feiler ist in Tunesien aufgewachsen, hat sechs Jahre in den USA gelebt und bezeichnet sich mittlerweile als "ziemlich eingedeutscht". Sie sagt mit einem Lächeln: "Es ist typisch deutsch, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen. Lieber sollte man sanft sagen: ’Ich helfe dir’."

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