Rathaus-Sturm: Bürgermeister Frank Schneider als Vampir und seine Helfer können den Narren ganze drei Minuten Widerstand leisten.

Langenfeld. "Da sin se!", tönt es durchs Foyer. "Fertigmachen! Fenster auf!" Wie auf Kommando sind die Glasfronten über dem Rathaus-Nebeneingang besetzt. Dicht an dicht haben sich Teufel, Engel, Vampire und Klosterbrüder aufgereiht, die Konfetti-Bomben im Anschlag. Die Verteidiger der Burg von Graf Dracula (Bürgermeister Frank Schneider) sind zu allem entschlossen. Sie wollen es dem anrückenden Gegner, den jecken Heerscharen um Prinzessin Karin III. und Prinz Fritz III., nicht leicht machen.

Während die Narren ihre Kanone in Stellung bringen, prasselt von oben ein bunter Regen herab. Am Ende hilft aber alle Gegenwehr nichts. Dem Trommelfeuer der Narren, die die Trutzburg mit Berliner Ballen unter Beschuss nehmen, hält selbst der Graf an vorderster Front nicht stand. Um 12.14 Uhr, nur drei Minuten nach Beginn des Belagerungszustands, ist das Rathaus gefallen.

"Ich hab Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt - vergeblich", gesteht der Burgherr reumütig ein. Er sei zwar ein furchterregender, aber gerechter Herrscher. Wobei: So wirklich ernsthaft war der Widerstand nicht. Vielmehr gibt es sogar ratzfatz Verbrüderungsszenen, Bützchen und Orden für die Unterlegenen. Und schon hat der Rathausschlüssel seinen Besitzer zumindest bis Aschermittwoch gewechselt. Prinzessin Karin freut sich jedenfalls wie eine Schneekönigin.

Die eisigen Temperaturen schrecken echte Narren nicht ab

"Himmlisch jeck und höllisch jot" lautet in diesem Jahr das Motto beim Rathaussturm. Das mit Girlanden und Luftschlangen geschmückte Foyer ist rauchgeschwängert und im diffusen Licht nicht mehr wiederzuerkennen. Überall tummeln sich Kreaturen und Gestalten, die aus Bram Stokers Roman entfleucht zu sein scheinen. Da turteln Engelchen mit Rittern, Teufelinnen mit Mönchen. Frank Schneiders Stellvertreter Dieter Braschoss kommt als Bischof daher, Beigeordnete Marion Prell als Hexe und Bürgerbüro-Chefin Nina Oberfranc als trauernde Witwe.

Los geht der Altweiber-Donnerstag um 11.11 Uhr auf dem Marktplatz. Trotz eisiger Temperaturen bereiten mehrere hundert zumeist schrill kostümierte Jecken den Karnevalisten einen feucht-fröhlichen Empfang. Zu "Viva Colonia", "Oh, wie ist das schön", "Schöne Maid" und "Rut sin de Ruse" wird die Kälte aus den Gliedern geschunkelt. Angeführt vom 1. Showfanfaren-Corps marschieren der HV Postalia mit dem Traditionspaar Susanne und Jürgen Rewald, die Immigrather Clowns "Los jöcke", Langenfelds älteste Karnevalsgesellschaft, die Spieß-Ratze von 1952, der RKV Schwarz-Weiß Richrath, die KG Prinzengarde und das Festkomitee Langenfelder Karneval samt Kinderprinzenpaar Alicia I. und Patrick I. und den "großen" Majestäten auf die Bühne.

Moderiert wird das Schaulaufen von Ex-Prinzessin Katja Liever. Sie hat den Job von Werner Zwank übernommen und unterhält das jecke Volk auch noch, als die Abordnungen längst gen Rathaus gezogen sind. Denn während die Stadtburg gestürmt wird, geht es auf dem Markt mit der Band "Déjà-Vu, den Rheinsternchen und dem Tanzcorps Echte Fründe stimmungsvoll weiter.

Anzeige

 

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer