Die Werkstätten für Behinderte weisen beeindruckende Zahlen auf. Mehr als 1000 Beschäftigte erwirtschaften dort einen Jahresumsatz von drei Millionen Euro.

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Jürgen Plume gibt dem Mitarbeiter Peter Bexkens Tipps für die richtige Bearbeitung.

Jürgen Plume gibt dem Mitarbeiter Peter Bexkens Tipps für die richtige Bearbeitung.

Jürgen Plume gibt dem Mitarbeiter Peter Bexkens Tipps für die richtige Bearbeitung.

Langenfeld. 1300 Beschäftigte, darunter 1060 mit Behinderung, drei Werkstätten allein in Langenfeld, drei weitere Standorte in Ratingen und Velbert (2) und ein Jahresumsatz von rund drei Millionen Euro: Es sind beeindruckende Zahlen, die der Geschäftsführer der Werkstätten für Behinderte (WFB) des Kreises Mettmann, Heinrich Feilhauer (62), präsentiert - und die bei vielen für Erstaunen sorgen.

"Die meisten, die sich nicht so oft mit den WFB beschäftigen, vergessen, dass wir ein richtiges Unternehmen sind", sagt der gebürtige Badenser, der in Wuppertal wohnt und sein Büro an der Kronprinzenstraße in Langenfeld hat. Denn dort ist der Hauptsitz der kreisweiten Werkstätten.

Seit 1976 sind die Werkstätten ein eingetragener Verein

Gegründet wurden die WFB in den 1960er-Jahren, seit 1976 sind sie als GmbH eingetragen. Zigtausend Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung haben in dieser Zeit ihre Aus- und Fortbildung gemacht oder überhaupt so etwas wie ein Berufsleben kennen gelernt.

"Das ist und bleibt unsere Aufgabe", erklärt Feilhauer. "Menschen Arbeit zu geben, die aufgrund einer wesentlichen Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vorübergehend oder langfristig nicht vermittelt werden können."

Dabei sei das bei Menschen mit Behinderung genauso wie bei gesunden: Wer keinen Job hat, bleibt auf der Strecke - von einer Eingliederung in die Gesellschaft ganz zu schweigen. "Nur", sagt Heinrich Feilhauer, "bei Behinderten ist das Ganze aufgrund ihres Handicaps noch schwieriger. Wir ermöglichen ihnen dadurch, dass wir ihnen Arbeit geben, außerdem eine persönliche Weiterentwicklung."

Das Leben in Gemeinschaften eigenständig meistern

Im Jahr 2009 montierten, konfektionierten und verpackten die Mitarbeiter in den WFB-Werkstätten 50 Millionen Einzelteile, acht Millionen Zubehörelemente für die Automobilbranche und 100 000 Kleinkinderfahrzeuge. Außerdem wurden 27 000 Platten-Quadratmeter Holz be- und verarbeitet, 50 000 Quadratmeter Grünfläche gepflegt und 14 000 Quadratmeter Wäsche gemangelt.

"Wir können natürlich nicht nach Tarif bezahlen", erklärt WFB-Geschäftsführer Heinrich Feilhauer. Die Behinderten stehen in einem "arbeitnehmerähnlichen Verhältnis" und sind zu 100 Prozent sozialversichert. Der durchschnittliche Lohn beträgt 160 Euro pro Monat. Das Essen für die Behinderten in den Werkstätten ist kostenlos, ebenso wie die Fahrten zur Arbeit und nach Feierabend nach Hause.

Kreisweit sind zurzeit 33 Zivildienstleistende in den WFB-Werkstätten beschäftigt. Angesichts der Verkürzung der Wehrzeit auf sechs Monate und damit einhergehend auch einer Verkürzung des Zivildienstes schlägt Heinrich Feilhauer "so etwas wie ein freiwilliges soziales Jahr, das automatisch an die Schulpflicht anschließt", vor. "Allein die Grundlagenvermittlung verschlingt bei uns rund einen Monat. Viele wollen daher schon von sich aus ein halbes Jahr verlängern."

Kronprinzenstraße 39 in Langenfeld, Telefon 9052-0

So leben die meisten der mehr als 1000 Beschäftigten zwar in Wohnheimen und -gemeinschaften, meistern dort aber ihr eigenständiges Leben. Das tröste ein wenig über die magere Quote von nur einem Prozent hinweg.

"Das ist der Anteil derjenigen, die von uns in den ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden", sagt Heinrich Feilhauer. "Dabei liegen wir noch weit über dem Bundesdurchschnitt mit etwa 0,2 Prozent."

Der Vorteil der WFB-Werkstätten ist ihre Flexibilität: Den Kunden wird alles aus einer Hand geboten - nach Bedarf können verschiedene Dienstleistungen sogar miteinander kombiniert werden. Feilhauer: "Bekommen wir von einem Kunden einen Auftrag zum Beispiel für den Messebau, können wir alles für ihn übernehmen: von der Feinplanung und dem Direkteinkauf von Komponenten, Arbeitsmitteln und Maschinen über die Einrichtung von Spezialarbeitsplätzen und die Funktionsprüfung bis hin zur Dokumentation, Lagerung und Logistik."

Für die Kunden sei man daher ein Produktionsort, "der Kosten spart und das eigene Management entlastet". Apropos Kunden: Unter ihnen sind so renommierte wie Velleuer, Ferroplast oder Puky.

Genauso vielfältig wie die Dienstleistungen sind die Materialien, mit denen in Langenfeld, Velbert und Ratingen gearbeitet wird: CNC-Holzbearbeitung?

Kein Problem. Bohren, Fräsen, Gewinde schneiden? Wird alles gemacht. Hinzu kommen Verpackungsspezialisten, die in Serie oder auf Abruf konfektionieren. Schließlich gibt es unter anderem noch Garten- und Landschaftspfleger.

"Seit kurzem haben wir sogar eine PC-Arbeitsgruppe", erklärt Heinrich Feilhauer. "Sie digitalisiert Dias, Schallplatten und Super-8-Filme. Wenn also jemand Bedarf und keine Zeit oder keine Möglichkeiten hat - unser Personal steht bereit", sagt Feilhauer und betont: "Unsere Personalkosten leistet der Steuerzahler. aber unsere laufenden Kosten erwirtschaften wir selbst. Hinzu kommt natürlich noch staatliche Unterstützung."

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