Der einst berühmte Maler könnte eine Dauerausstellung in Langenfeld erhalten. Im Gespräch ist dafür das Haus Graven.

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Der Expressionist Ewald Platte im Selbstportrait. (Repro: Michael Sieber)

Der Expressionist Ewald Platte im Selbstportrait. (Repro: Michael Sieber)

Der Expressionist Ewald Platte im Selbstportrait. (Repro: Michael Sieber)

Langenfeld. Ingo Henckels, Geschäftsmann aus Langenfeld, hat einen Traum: Er möchte ein "Ewald-Platte-Museum" schaffen - und zwar in der Wasserburg Haus Graven. Die Idee ist nicht ganz abwegig. Henckels ist Vorsitzender des Bergischen Geschichtsvereins Leverkusen-Niederwupper, kannte den Maler noch persönlich - und weiß, wovon er spricht.

Ewald Platte zählte in den 1920er-Jahren zu den ganz Großen der deutschen Kunstszene. Seine expressionistischen Werke wurden zusammen mit Kandinsky, Klee, Nolde und Picasso ausgestellt, sein Name mit den anderen in einem Atemzug genannt. Doch die Anerkennung währte nicht lange. Denn bei den Nationalsozialisten galten die Werke Plattes als "entartete Kunst". 1938 wurden zahlreiche seiner Gemälde aus den Museen entfernt. Die meisten der in Wuppertal gelagerten Werke verbrannten bei Bombenangriffen. "Das Lebenswerk von Ewald Platte war zerstört", sagt Henckels, der sich zum Ziel gesetzt hat, dem 1985 verstorbenen Künstler zu verdienten Ehren zu verhelfen.

Regierungen und Sammler aus Fernost haben Interesse bekundet

Ein erster Schritt war ein Vortrag des Geschichtsvereins im Rathaus, bei dem Dr. Rolf Jessewitsch, Direktor des Solinger Kunstmuseums Baden, über Platte referierte: "Er hatte in seiner bescheidenen Art mehr Interesse an seiner Arbeit als an Öffentlichkeitsarbeit", ist Jessewitschs Erklärung für die geschwundene Bedeutung von Ewald Platte. Der Künstler arbeitete in seinen letzten 22 Lebensjahren in seinem Atelier in Opladen.

Seinen künstlerischen Nachlass pflegt und verwaltet die Wermelskirchener Galerie Nicole Netuschil. Die Galeristin hält einige hundert Werke des Künstlers in ihren Räumen bereit und verfolgt inzwischen internationale Pläne. Denn das Interesse an Platte scheint auch andernorts zu wachsen. Zu dem Vortrag im Rathaus war auch der Galerist und Kunstsammler Nicolai Baron von Uexküll aus Singapur angereist. Am Rande sagte er, dass er von einigen Regierungen in Ostasien und der arabischen Welt wisse, die ein Auge auf Ewald Platte geworfen hätten und am Kauf der Sammlung interessiert seien.

Müssen die Menschen aus dem Bergischen also demnächst nach Singapur oder Katar reisen, um ihren berühmten Expressionisten zu sehen? Ingo Henckels versucht, das zu verhindern. Erstes Interesse beim Förderverein Wasserburg Haus Graven hat er jedenfalls geweckt. "Die Idee ist interessant", sagte gestern dessen Vorsitzender, Lothar Marienhagen. Er war bisher zwar von einer Wechselausstellung ausgegangen, doch auch eine dauerhafte Ewald Platte-Schau will er nicht ausschließen.

In Remscheid-Lüttringhausen wurde Ewald Platte 1894 geboren, schon mit 15 Jahren besuchte er eine Kunstakademie in Barmen, bis 1943 arbeitete er in Wuppertal. In den 1920er Jahren zählte er zu den namhaftesten deutschen Künstlern. 1927 war er einer der Künstler, der in der legendären Ausstellung "European Modernists" in den USA gezeigt wurde. Der 2. Weltkrieg war ein herber Rückschlag: Seine Kunst wurde verfemt, sein 19-jähriger Sohn fiel an der Front.

Platte arbeitete später in Wermelskirchen und zuletzt in Opladen weiter. Er arbeitete mit Wachsfarben, nutzte Zeitungspapier statt Leinwand und schuf Skulpturen aus Papier, Stoff und Pappe. Er starb weitgehend unbeachtet 1985.

Allerdings ist zunächst die Politik in der Pflicht. Denn der Kulturausschuss hat die Entscheidung, wie mit Haus Grave zu verfahren ist, in diese Legislaturperiode vertagt. Anfang 2010 dürfte dazu wieder beraten werden. Das Angebot von den Besitzern der Wasserburg steht jedenfalls noch: Zehn Jahre dürfe das Haus mietfrei übernommen werden, nur die laufenden Kosten wären zu tragen. Marienhagen: "Nach ersten Berechnungen sind das etwa 36.000 Euro jährlich." Ingo Henckels wird das freuen. Bisher war er nämlich von 150.000Euro ausgegangen.

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