Mit 23 Veranstaltungen will das Langenfelder Netzwerk ab dem 2. September die Krankheit weiter aus der Tabu-Zone holen.

Langenfeld. Seit Januar 2006 arbeiten verschiedene Einrichtungen im "Langenfelder Netzwerk Demenz" zusammen, um die Erkrankung aus der Tabu-Zone zu holen. Viel zu oft stellen sich Betroffene und deren Angehörige immer noch aus falscher Scham dem voranschreitenden geistigen Verfall erst dann, wenn dringend ein Pflegeplatz benötigt wird.

Das Netzwerk will frühzeitig darauf aufmerksam machen, dass es auch anders geht. Jetzt wurde die Veranstaltungsreihe 2009 vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen Aufklärung und Hilfen für Angehörige.

Den Auftakt der Reihe bildet ein Laientheater am 2. September in der Awo-Begegnungsstätte "Café am Wald", Langfort 3. Das Stück "Ver-rückt - Wahrnehmung verschiedener Welten" soll die Gedankenwelt dementer Menschen verständlich machen. Sehenswert ist auch der Kurzfilm "Ach Luise" am 9. September um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek, Hauptstraße129.

 Erzählt wird die Geschichte einer allmählich dementer werdenden Frau. Trennungsschmerz und Hinausgleiten aus der Welt, der sie bis dahin angehörte, sind ebenso Thema wie die Suche nach einem menschenwürdigen Heim. Bei beiden Veranstaltungen ist der Eintritt frei.

Annette Schupp, die beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Hilfen koordiniert, die ein möglichst langes Wohnen in den eigenen vier Wänden auch mit einer Demenz ermöglichen sollen, meint: "Der Traum von der Großfamilie ist vorhanden, aber ausgeträumt." Angehörige kämmen bei der Betreuung sehr schnell an ihre physischen wie psychischen Grenzen. Umso wichtiger sei es, die Familie mit zu unterstützen.

Demenz ist eine Störung des Kurzzeitgedächtnisses. Die Alzheimer-Krankheit ist eine Form der Demenz. Ausreichend Bewegung kann die innere Unruhe mildern, vertraute Tätigkeiten funktionieren noch länger.

Derzeit leiden in Deutschland rund 1,2 Millionen Menschen an Demenz. Bei den über 80-Jährigen ist durchschnittlich jeder Vierte betroffen. Experten rechnen mit 2,5 Millionen Dementen bis 2030. Rund 150 Mal pro Jahr wird im Langenfelder Rathaus um Hilfen bei Demenz nachgefragt.

Erkrankte sollen über ihre intakten Sinne angesprochen werden. Der Blick müsse weniger auf das gerichtet werden, was nicht funktioniert. Beim Tanzen zu altbekannten Melodien werden positive Erinnerungen geweckt. Das Zusammenspiel von Bewegung und Emotion hat positiven Einfluss auf den Krankheitsverlauf.

Tanztee und Sinnesgarten wecken positive Erinnerungen

Der Tanztee im CBT-Wohnhaus St. Franziskus an der Eichenfeldstraße oder der Sinnesgarten des Awo-Seniorenzentrum Karl-Schröder-Haus an der Langforter Straße berücksichtigen bereits die neueren Erkenntnisse über die Erkrankung. "Demente sind nur noch über Gefühle erreichbar", weiß auch Erste Beigeordnete Marion Prell.

Prell zeigte sich enttäuscht über den letzten Langenfelder Demenztag 2007. "Der Aufwand war enorm, die Resonanz gering." Umso mehr hofft sie, dass die zweite Veranstaltungsreihe mehr Interessierte anzieht.

Das Info-Heft mit allen 23 Veranstaltungen liegt im Rathaus und Kulturzentrum aus.

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