An der Mittelstraße wird ein städtebauliches Konzept für die Stadt Kafu erstellt.

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Jean-Marc Stuhm (3. von rechts), Geschäftsführer des Planungsbüros „StadtVerkehr“, und seine im Irak aufgewachsene Mitarbeiterin Niran Banna stellten den Mitgliedern der Delegation aus Bagdad am Donnerstag ihre Pläne für ein städtebauliches Konzept für Kafu vor.

Jean-Marc Stuhm (3. von rechts), Geschäftsführer des Planungsbüros „StadtVerkehr“, und seine im Irak aufgewachsene Mitarbeiterin Niran Banna stellten den Mitgliedern der Delegation aus Bagdad am Donnerstag ihre Pläne für ein städtebauliches Konzept für Kafu vor.

Dirk Thomé

Jean-Marc Stuhm (3. von rechts), Geschäftsführer des Planungsbüros „StadtVerkehr“, und seine im Irak aufgewachsene Mitarbeiterin Niran Banna stellten den Mitgliedern der Delegation aus Bagdad am Donnerstag ihre Pläne für ein städtebauliches Konzept für Kafu vor.

Hilden. Ein illustrer Gästekreis traf sich am Donnerstag im Planungsbüro "StadtVerkehr" von Jean-Marc Stuhm (43) an der Mittelstraße. Die Herren in dunklen Anzügen lauschten den Worten von Büro-Mitarbeiterin Niran Banna (37), stellten Zwischenfragen und begutachteten die auf dem Tisch ausliegenden Plänen. Darauf war zu sehen, wie Kufa einmal aussehen könnte. Das ist eine Stadt mit 130.000 Einwohnern, die am Euphrat südlich von Bagdad liegt.

Aus der irakischen Hauptstadt kamen auch die Gäste im Hildener Planungsbüro. Sie sind hochrangige Ministeriumsmitarbeiter und wollten sich vom Fortschritt der Arbeiten am städtebaulichen Konzept erkundigen, das in Hilden für Kufa erstellt wird.

Bei diesem Auftrag arbeitet das Büro für ein "auskömmliches Honorar" mit einem irakischen Büro zusammen, denn als Bedingung für die Annahme des Auftrags hatte sich Stuhm ausgebeten, dass wegen der dortigen Sicherheitslage weder er noch einer seiner fünf Mitarbeiter dafür in den Irak reisen müssen.

Die demokratische Entwicklung des Landes ist weit fortgeschritten

Dieser Bitte kamen die Auftraggeber nach - obwohl sich aus ihrer Sicht die Lage in ihrer Heimat anders darstellt, als es die ständigen Nachrichten von Bombenanschlägen erscheinen lassen. Die demokratische Entwicklung sei weit fortgeschritten, so dass sich die irakische Regierung jetzt mehr und mehr der zukünftigen Gestaltung des Landes widmen könne. Und dazu gehöre eben auch der Städtebau.

Dabei will das Hildener Planungsbüro nicht nur im für schiitische Moslems sehr wichtigen religiösen Zentrum Kufa helfen, sondern auch in weiteren Städten der Provinz An-Najaf. In deren Infrastruktur gibt es einen großen Nachholbedarf. Ganz oben auf der Prioritätenliste steht dabei die Trinkwasser- und Stromversorgung der Bevölkerung.

Das Hildener Planungsbüro "StadtVerkehr" arbeitet seit gut einem Jahr an einem städtebaulichen Zukunftskonzept für die irakische Stadt Kafu.

Die Stadt liegt am Euphrat südlich der irakischen Hauptstadt Bagdad. Kafu ist eines der bedeutendsten religiösen Zentren für schiitische Moslems und hat derzeit 130.000 Einwohner. Prognosen sagen ihr einen Bevölkerungszuwachs in den kommenden 20 Jahren auf 200.000 Bewohner voraus.

Eine Woche lang reist derzeit eine irakische Delegation mit hochrangigen Ministeriumsmitarbeitern durch Deutschland, um sich über die Arbeitsweise einer demokratischen Verwaltung sowie den Fortschritt der Planungsarbeit des Hildener Büros zu informieren.

Im Gepäck hat die Delegation besondere Gastgeschenke: Ausschreibungen für städtebauliche Großprojekte im Irak sowie den Wunsch nach Städtepartnerschaften zwischen Deutschland und dem Irak.

Auf dem Weg in die von den irakischen Gästen erwartete "brillanten Zukunft" ihres Landes brauchen die Iraker allerdings Unterstützung aus dem Ausland. Und deutsche Firmen stehen dabei ganz hoch im Kurs. Nicht umsonst haben die Delegationsmitglieder bei ihrem ersten Besuch in Deutschland deshalb auch Ausschreibungen für mehrere Großprojekte in ihrer Heimat mitgebracht.

Und noch etwas haben sie mitgebracht, was zukünftig die deutsch-irakischen Beziehungen deutlich verbessern könnte: den Wunsch nach Städtepartnerschaften. Dabei ist zwar vor allem an eine Unterstützung beim Aufbau einer funktionierenden Verwaltung gedacht, aber dabei muss es nicht bleiben.

Langfristig könnte sich die Partnerschaft dann auch für die Helfer auszahlen, denn "der Irak ist reich", wie ein Delegationsteilnehmer am Donnerstag betonte. Und noch etwas war zu erfahren: Hilden ist dabei eine denkbare Alternative.

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