Immer mehr Senioren sind auf eine Grundsicherung im Alter angewiesen – so wie Ingrid D.

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Wieder einmal kein Geld im Portmonee – für Ingrid D. ein Anblick, mit dem sie schon lange leben muss.

Wieder einmal kein Geld im Portmonee – für Ingrid D. ein Anblick, mit dem sie schon lange leben muss.

Dirk Thomé

Wieder einmal kein Geld im Portmonee – für Ingrid D. ein Anblick, mit dem sie schon lange leben muss.

Hilden. Mit 14 Jahren hat Ingrid D. (Name von der Redaktion geändert) ihre erste Arbeitsstelle angenommen. 22 Jahre lang hat sie mit Unterbrechungen in die Rentenkasse eingezahlt, zwei Kinder groß gezogen. 1982 die Trennung vom Ehemann. Heute ist sie 67 Jahre alt. Die Kinder sind aus dem Haus, "und das Geld reicht vorne und hinten nicht".

Ingrid D. stehen monatlich weniger als 600 Euro zur Verfügung. Sie ist damit ein Fall für die im Sozialgesetzbuch geregelte "Grundsicherung im Alter".

447 Hildener haben im vergangenen Jahr diese Leistungen bezogen. Tendenz steigend. Zwei Jahre zuvor waren es 100 weniger. "Und die Altersarmut wird weiter steigen", sagt Hildens Sozialdezernent Reinhard Gatzke.

In den kommenden 15 Jahren werden immer mehr Ruheständler mit ihrem Geld nicht mehr auskommen, sagen die Sozialverbände voraus. Schätzungen gehen davon aus, dass mittelfristig jeder dritte Rentner auf finanzielle Unterstützung angewiesen ist.

"Für ein Paar Schuhe muss ich monatelang sparen."

Ingrid D., Rentnerin

Rund 200 Euro bleiben Ingrid D. nach Abzug aller Kosten wie Miete und Strom. Davon bezahlt sie den Bus für die Fahrt zur Massage. Essen und trinken muss sie auch.

Im Zuge der Rentenreform 2001 wurde das Gesetz über eine bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung geschaffen, das am 1. Januar 2003 in Kraft trat. Es wurde dann im Zuge der Sozialhilfereform als viertes Kapitel in das Sozialgesetzbuch XIII übernommen. Antragsberechtigt sind Personen, die das 65. Lebensjahr vollendet haben sowie voll erwerbsgeminderte Personen.

Der Leistungsumfang bei der Grundsicherung im Alter ist identisch mit der im dritten Kapitel des Sozialgesetzbuches geregelten Hilfe zum Lebensunterhalt und umfasst den maßgeblichen Regelsatz sowie die Kosten der Unterkunft. Im Gegensatz zu anderen Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch XIII sind die Angehörigen nur dann zum Unterhalt verpflichtet, wenn das Jahreseinkommen über 100.000 Euro liegt.

"Ich bin zum Glück keine große Fleisch-Esserin", sagt die Seniorin. Aber beklagen will sie sich nicht: "Es gibt andere, denen geht es noch schlechter." Außerdem habe sie das Sparen gelernt, schon damals, im Ruhrgebiet, wo sie aufgewachsen ist.

Seit 1976 lebt Ingrid D. in Hilden. In einer Stadt, die nach den Worten des Sozialdezernenten "schon immer eine geringere Sozialhilfequote als vergleichbare Städte hatte". Und dennoch sei die finanzielle Belastung "nicht unerheblich".

Mehr als 2,2 Millionen Euro wurden im vergangenen Jahr für die Grundsicherung ausgegeben. 20 Prozent zahlt davon der Bund, der Rest kommt vom Kreis Mettmann. Der finanziert das aus der Kreisumlage der Städte. Vor vier Jahren lagen die Ausgaben noch bei rund 1,6 Millionen Euro. Das ist ein Anstieg um 46 Prozent.

Aber nicht Ingrid D. und die anderen Leistungsempfänger haben mehr Geld bekommen, vor allem die steigenden Energiekosten sind für den Anstieg verantwortlich.

Die 67-Jährige kann sich weiterhin "so gut wie gar nichts leisten". Urlaub? "Den habe ich seit 25 Jahren nicht mehr gehabt." Lebensmittel? "Ich kaufe nur das ein, worauf ich gerade Hunger habe." Kleidung? "Für ein Paar Schuhe muss ich monatelang sparen."

Geburtstagsgeschenke für die Enkelkinder? "Bei größeren Wünschen werfen wir in der Familie zusammen."

Die Familie gibt Ingrid D. den Rückhalt in diesen schweren Zeiten. Und da bezieht sie ihren geschiedenen Ehemann mit ein: "Ohne ihn hätte ich gar nichts gehabt." Er hat sie beim Lebensunterhalt unterstützt, hat regelmäßig den Unterhalt gezahlt.

Der wurde dann auf das Arbeitslosengeld angerechnet, als sie 1996 nicht mehr arbeiten konnte. Dann kam die Arge: unregelmäßige Überweisungen, Rentenbescheide nicht verschickt, "und der Gipfel war, als mir eine Sachbearbeiterin riet, doch besser in eine andere Stadt zu ziehen".

Der Gedanke daran ärgert die 67-Jährige noch heute. Der Ärger verfliegt aber schnell wieder. Das ist Vergangenheit. Und die Zukunft? "Ich würde gerne einmal wegfahren, egal wohin." Manchmal besucht Ingrid D. die Geschwister im Ruhrgebiet. Ihren Lebensabend hatte sie sich anders vorgestellt.

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