Die Trauerbegleitung hat Annika E. in der schweren Zeit nach dem Tod ihrer Zwillingsschwester Svenja sehr geholfen.

Auch das ist Trauerarbeit: Annika E. hat aus einem T-Shirt ihrer gestorbenen Zwillingsschwester Svenja einen Teddy-Bären genäht.
Auch das ist Trauerarbeit: Annika E. hat aus einem T-Shirt ihrer gestorbenen Zwillingsschwester Svenja einen Teddy-Bären genäht.

Auch das ist Trauerarbeit: Annika E. hat aus einem T-Shirt ihrer gestorbenen Zwillingsschwester Svenja einen Teddy-Bären genäht.

Dirk Thomé

Auch das ist Trauerarbeit: Annika E. hat aus einem T-Shirt ihrer gestorbenen Zwillingsschwester Svenja einen Teddy-Bären genäht.

Hilden. Für Annika E. ist der 15.September 2005 ein ganz besonderes Datum: An diesem Tag ist ihre Zwillingsschwester Svenja an einem Krebsleiden gestorben. Obwohl sich die schwere Zeit danach kaum in Worte fassen lässt, hat Annika es dennoch versucht: "Während der ersten Monate war für mich nichts mehr wirklich real. Es zog alles irgendwie an mir vorbei." Schließlich war ein Stück von ihr selbst gestorben. "Wir sind gemeinsam groß geworden, haben gemeinsam Geburtstag, sehen gleich aus, waren Vertraute. Als eineiige Zwillinge hat man eine Bindung, die es so bei anderen Geschwistern nicht gibt."

Dass die heute 18-Jährige inzwischen über den tragischen Schicksalsschlag reden kann, hat sie auch Christa Cholewinski (52) zu verdanken. Sie ist ausgebildete Trauerbegleiterin beim Hildener Kinderschutzbund und hat Annika zwei Wochen vor dem Tod ihrer Schwester erstmals getroffen. Dabei haben sie beschlossen, ein Bild für Svenja zu malen, und "es war klar, dass wir uns beeilen mussten."

Mit der Trauerbegleiterin konnte die damalige Schülerin der Theresienschule reden. Etwa über ihre Ängste, selbst an Krebs zu erkranken. "Ich war mehr oder weniger traumatisiert", sagt Annika. Und das in der ohnehin schwierigen Zeit der Pubertät. Darunter litten auch die Leistungen in der Schule. "Da war ich nur körperlich anwesend."

Die Eltern haben selbst getrauert und konnten ihrer Tochter nicht helfen

"Plötzlich war ich ganz allein. Meine Eltern haben selbst getrauert. Sie haben mich gar nicht wahrgenommen", erinnert sich Annika. "Trauernde Kinder werden gerne übersehen", weiß die Trauerbegleiterin, die seit Sommer 2005 insgesamt 38 Kinder und Jugendliche nach dem Verlust einer nahe stehenden Person begleitet hat. Manchmal nur sechs Monate, meistens länger, Annika sogar 21Monate lang.

33 Treffen gab es in dieser Zeit. Zunächst wöchentlich, dann allmählich ausklingend. Mit ihrer Vertrauten hat sie ein Trauertagebuch geschrieben. Teile ihrer darin aufgeschriebenen Gefühlswelt hat sie sogar im Internet veröffentlicht. "Damit andere Kinder lesen können, wie wichtig die Trauerbegleitung ist", sagt Annika, denn "jetzt kann ich wieder klarer sehen und denken". Aber eines wird immer bleiben: "Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich nicht nur mich, sondern auch Svenja."

Christa Cholewinski ist Geschäftsführerin des Hildener Kinderschutzbundes und ausgebildete Trauerbegleiterin. Seit Sommer 2005 bietet der Kinderschutzbund die Trauerarbeit mit Kindern und Jugendlichen an.

Insgesamt 38 Kinder und Jugendliche zwischen vier und 19Jahren wurden seither betreut. Finanziert wird das Angebot über Jugendämter und den Kinderschutzbund, der dafür auf Spenden angewiesen ist.

Kinderschutzbund, Schulstraße 44, Telefon 54853

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