In Zeiten knapper Kassen setzt die Evangelische Kirchengemeinde auf die langfristigen Erlöse der Spendensammlung.

Hilden. Das Geld reicht vorne und hinten nicht. Deshalb müssen auch die Kirchen sehen, wie sie ihre Schäfchen ins Trockene bringen. Der Verkauf von Grundstücken und Immobilien bringt erst einmal Geld in die Kassen, aber ist das Tafelsilber erst einmal verkauft, ist es weg. Für immer.

Eine Wiederholung ist nicht möglich. Um aber auch langfristig noch ihren verschiedenen Aufgaben nachzukommen, setzt die Evangelische Kirchengemeinde Hilden auf eine neue Form der Spendensammlung: Stiftungen.

Vereinzelt gibt es das auch in anderen Gemeinden. Auch der Kirchenkreis Düsseldorf-Mettmann hat eine Stiftung für seine Notfallseelsorge. In Hilden gibt es aber gleich drei davon: eine für den "Dienst am Menschen" (daraus wird das Erzählcafé finanziert), eine für die Kirchenmusik und - seit vergangenem Herbst - eine für die Bildungsarbeit.

"Dadurch können die Spender selbst entscheiden, welchen Bereich der kirchlichen Arbeit sie unterstützen möchten", sagt Pfarrer Joachim Rönsch. Aber auch die Gemeinde zieht Vorteile daraus: "Die Stiftungen retten das Geld, das jetzt da ist, vor einem voreiligen Zugriff."

Im Gegensatz zu Fördervereinen, die Spenden für kurzfristige Investitionen sammeln, seien die Stiftungen auf die mittel- bis langfristige Finanzierung von kirchlichen Aufgaben ausgerichtet. "Ein Erfolg von Jetzt auf Gleich kann damit nicht erreicht werden", sagt Pfarrer Rönsch.

Orgelverkauf war der Grundstock für die Kirchenmusik-Stiftung

Nachdem die Evangelische Kirchengemeinde Hilden vor rund fünf Jahren die Stiftung "Dienst am Menschen" gegründet hat, sind im vergangenen Jahr zwei weitere Stiftungen hinzugekommen: für die Kirchenmusik mit einem Grundstock von 30.000 Euro sowie für die Bildungsarbeit mit einem Grundstock von 40.000 Euro.

Mittel- bis langfristig soll das dauerhaft angelegte Stiftungskapital durch Spenden so weit anwachsen, dass aus dem dann planbaren Erlös auch Arbeitsstellen finanziert werden können. Das würde wiederum den kirchlichen Haushalt entlasten. Die Kollekten im und nach dem Gottesdienst sind dazu nicht verlässlich genug.

Noch reichen die Einnahmen nicht aus, um damit beispielsweise eine Arbeitsstelle zu finanzieren. Dafür ist der Grundstock zu gering. Die Stiftung für die Kirchenmusik wurde beispielsweise mit den 30000 Euro aus dem Verkauf der Kirchenorgel der alten Jesus-Christus-Kirche gegründet. Und die neue Stiftung für die Bildungsarbeit wurde mit 40000 Euro aus Rücklagen der Gemeinde ausgestattet.

Mittlerweile ist durch erste kleinere Spenden der Grundstock der Bildungsstiftung bereits an gewachsen. Nach jeder Ausschüttung der Zinserträge kommt ein Inflationsausgleich hinzu. Über die Verteilung dessen, was danach übrig bleibt, entscheidet der Stiftungsrat.

Anfangs ist das noch wenig Geld, später, so hofft die Gemeinde, können die Empfänger dann längerfristig mit festen Einnahmen planen - und der kirchliche Haushalt wird von den damit finanzierten Personalkosten entlastet.

Um Personal über Spenden finanzieren zu können, bedarf es einer großen Verlässlichkeit. Die können die normalen Sammlungen mit dem Klingelbeutel oder die Ausgangskollekte nicht bieten.

Einerseits schwanken die Einnahmen auf dem hart umkämpften Spendenmarkt, und andererseits sind beispielsweise die jährlich rund 20.000 Euro aus dem Klingelbeutel bereits für die diakonische Arbeit der Kirchengemeinde verplant.

Und aus der Ausgangskollekte nach dem Gottesdienst, die ebenfalls jährlich rund 20.000 Euro einbringt, fließen nur etwa zehn Prozent in die Gemeinde. Den Großteil erhält die Landeskirche (etwa 80 Prozent), und auch der Kirchenkreis wird daraus bedient.

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