Hilden. Umständlich zieht der 18-Jährige seinen Arm aus der dunklen Trainingsjacke, das graue T-Shirt darunter ist verschwitzt. Er hält den Ellbogen dicht am Körper, der leere Ärmel der Jacke baumelt herunter. "So mache ich es immer", sagt er und blickt an seinen Körper herunter. "Dann denken die Leute, mein Arm ist in der Jacke. Und ich kann zugreifen, ohne dass es jemand merkt", erklärt er dem Richter. Er sei Trickdieb und das seit vielen Jahren. Er habe es nicht nötig, Gewalt anzuwenden.

Seit gestern muss er sich jedoch wegen Raubes mit Todesfolge verantworten. Er soll am 6. Juni 2009 eine 97-jährige Frau im Eingangsbereich der Seniorenwohnanlage an der St.-Jacobus-Kirche ausgeraubt haben. Dabei soll er sie laut Anklage grob zu Boden gestoßen haben. Sie erlitt durch den Sturz einen lebensgefährlichen Oberschenkelhalsbruch und starb am nächsten Tag an den Folgen der notwendigen Operation.

Am 6. Juni 2009 war der damals 17-Jährige mit seinem Cousin und dessen Freundin losgezogen, "um Geld zu machen". "Wir wollten raus aus der Großstadt und dort hingehen, wo Leute nicht daran denken, beklaut zu werden", sagte der junge Mann gestern. Er und seine Helferin seien dann in einen Supermarkt gegangen, der Cousin sei der Fahrer gewesen, der später zum Abholen benachrichtigt werden sollte. 30 Minuten seien sie einer Frau, die einen Rollator vor sich herschob, durch die Gänge gefolgt. Doch der Diebstahl sei nicht geglückt.

Der Angeklagte beteuerte, die Frau nicht nach ihrem Alter und ihrer Gebrechlichkeit als Opfer ausgewählt zu haben. "Wir suchen die alten Leute aus, weil die meist ihre PIN-Nummer mit sich herumtragen." Als die Frau den Laden verließ sei er ihr allein die wenigen Meter zur Seniorenwohnanlage gefolgt, im Hausflur kam es zum Überfall. "Ich habe ihr dann die Geldbörse aus der Jacke genommen. Sie hielt mich an dem leeren Jackenärmel fest.

Ich drehte mich um und ging", sagte der Angeklagte. Geschubst habe er sie nicht. Die zu Boden gefallene Frau schrie um Hilfe, Menschen aus der nahegelegenen Drogerie rannten hinüber, der Rettungswagen wurde verständigt. "Ich wollte weg, ich hatte Angst, dass mich jemand sieht", rechtfertigte sich der 18-Jährige.

Dass die Frau an den Folgen des Sturzes starb, erfuhr er Tage später aus der Zeitung. "Ich hätte nie gedacht, dass das passieren könnte", sagte er. Er leide seit dem Vorfall unter Schlafstörungen. "Ich komme nicht damit klar." Bei der Familie des Opfers habe er sich schriftlich entschuldigt.

Der junge Mann  ist mehrfach wegen Diebstahls vorbestraft, ist auch vor seiner Strafmündigkeit durch Trickdiebstähle aufgefallen. Die Tricks habe er sich selbst beigebracht. "Meine Mutter wollte immer, dass ich keinen Mist mache. Ich sollte zur Schule gehen und später eine Ausbildung machen", sagte der 18-Jährige.

 

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