Die Hildenerin Eva Graul (77) restauriert alte und baut neue Puppenhäuser.

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In zwölf Jahren hat die Hildenerin Eva Graul ihr Schlafzimmer mit selbst gebauten Puppenhäusern in eine Wohnsiedlung im Taschenformat verwandelt.

In zwölf Jahren hat die Hildenerin Eva Graul ihr Schlafzimmer mit selbst gebauten Puppenhäusern in eine Wohnsiedlung im Taschenformat verwandelt.

Dirk Thomé

In zwölf Jahren hat die Hildenerin Eva Graul ihr Schlafzimmer mit selbst gebauten Puppenhäusern in eine Wohnsiedlung im Taschenformat verwandelt.

Hilden. Wer das erste Mal die geräumige, lichtdurchflutete Wohnung mit den alten Möbeln betritt, ahnt nicht, dass es dort noch eine Welt "en miniature" gibt. Hinter einem Vorhang, der den hinteren Teil vom Rest des Raumes abtrennt, verbirgt sich das Hobby der Eva Graul (77). Zieht sie den Vorhang beiseite, kommt ihre Sammlung von Puppenhäusern zum Vorschein. Und ihre Puppenhäuser sind etwas Besonderes. Abgesehen von ihren gänzlich unbescheidenen Dimensionen (die Anlage nimmt das halbe Schlafzimmer in Beschlag), sind sie allesamt Unikate.

Würde man sie fertig kaufen wollen, wären sie unbezahlbar. Aber das kommt für die Hildener Seniorin im Unruhestand nicht in Frage. Sie ist ihr eigener Bauherr und Architekt, entwirft und baut fast alles selbst. Oder lässt sich, wie bei der Elektrik der Häuser (alle Zimmer sind beleuchtet), von Freunden helfen. Seit über zwölf Jahren schon sägt, schraubt und bohrt sie, verlegt Böden, kachelt und tapeziert.

Kurzgeschichten und Gedichte - ihr eigentliches Hobby ist das Schreiben

Dabei war ihr Hobby eigentlich immer das Schreiben. Kurzgeschichten und Gedichte. "Ich habe aber nur unter meinem Mädchennamen Gerresheim veröffentlicht. Mein Mann war selbstständig. Er hat gesagt, das wäre sonst geschäftsschädigend." Als dann vor zwölf Jahren ihre Mutter pflegebedürftig wurde, ließen Kummer und Sorgen ihren Ideenreichtum versiegen. Ihr fiel nichts mehr ein, über das sie schreiben wollte.

Von einer Freundin bekam sie damals ihr erstes Puppenhaus geschenkt. Die Arbeit daran beruhigte Eva Graul und lenkte sie ab. Also "entkernte" sie das Häuschen und baute es anschließend komplett neu und "kernsaniert" wieder auf. Und ohne danach gesucht zu haben, fand sie eines Tages auf einem Trödelmarkt ein anderes altes Puppenhaus. Das hatte zufällig den gleichen Grundriss und die gleichen Ausmaße. In diesem Moment wurde eine Idee geboren, die bis heute nachwirkt: Eva Graul kaufte das Häuschen und stockte damit ihr erstes Puppenhaus auf.

Als sie fertig war, hatte sie zwar ein großes Puppenhaus, aber auch ein Dach zuviel. Also baute sie noch ein Puppenhaus. Und hörte fortan nicht mehr damit auf. Das kreative Verlangen der äußerst lebhaften Seniorin - rüstig wäre eine maßlose Untertreibung - muss von je her außergewöhnlich groß gewesen sein.

3,20 Meter Länge, 46 Zimmer, dazu eine Kapelle, Schule, Spielplatz, Leuchtturm, Forsthaus, freistehende Villa und ein unterkellertes Wohn- und Geschäftshaus. Für elektrisches Licht sorgen drei Trafos. Alle "Appartements" sind mit Bad/WC und Öfen ausgestattet.

Das größte Puppenhausmuseum Europas befindet sich in Basel in der Schweiz. In Deutschland gibt es beispielsweise das Puppenmuseum Falkenstein in Hamburg, Grotiusweg 79, oder das Museum für Puppengeschichte in Köln, Ehrenstraße 48.

Eva Graul hat den Ort gefunden, an dem sie ihre Kreativität ausleben kann. Mit funkelnden Augen erzählt sie von ihrer Leidenschaft zum kleinen Haus. Von alten Kachel- und Kanonenöfen, die die Freundin so meisterhaft nachbaut. Oder der kleinen Boutique "Evas Moden", dritte Etage rechts, in der handgenähte Korsetts und Bustiers, mit echten Spitzen besetzt, ausgestellt sind. Winzige Perserteppiche aus echtem Stoff liegen aus. Die wenigsten Exponate sind fertig gekauft, wie etwa die Delfter Kacheln im Miniaturformat, die die urige Küche schmücken. Das meiste wird aus Alltagsgegenständen recycelt, wie der Bilderrahmen, aus alten Ohrringen gemacht, in dem ein schwarz-weiß Foto ihrer Ur-Großeltern hängt. "Ich kann alles gebrauchen", sagt sie.

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