Interview: Der Hildener Jürgen Franzen ist für alle Evangelischen Schulen im Rheinland zuständig.

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Kirchenrat Jürgen Franzen lebt seit einem Jahr in Hilden. Dort steht das größte Schulzentrum der Evangelischen Kirche im Rheinland, für die er als pädagogischer Dezernent zuständig ist.

Kirchenrat Jürgen Franzen lebt seit einem Jahr in Hilden. Dort steht das größte Schulzentrum der Evangelischen Kirche im Rheinland, für die er als pädagogischer Dezernent zuständig ist.

Dirk Thomé

Kirchenrat Jürgen Franzen lebt seit einem Jahr in Hilden. Dort steht das größte Schulzentrum der Evangelischen Kirche im Rheinland, für die er als pädagogischer Dezernent zuständig ist.

Hilden. Rund 1800 Schüler besuchen das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium, die Wilhelmine-Fliedner-Realschule und die Zirkusschule an der Gerresheimer Straße 74. Es ist damit das größte Schulzentrum der Evangelischen Kirche im Rheinland. Deren pädagogischer Dezernent ist ebenfalls Hildener. Jürgen Franzen ist damit für alle zehn Schulen seines Arbeitgebers zuständig. Die WZ sprach mit dem 48-Jährigen über die Situation der Schulen und die pädagogische Entwicklung.

Herr Franzen, was macht eigentlich ein pädagogischer Dezernent?

Jürgen Franzen: Er kümmert sich um die Pädagogik im weitesten Sinne. Zum Beispiel auch um das Leitungspersonal. Der Schwerpunkt ist aber letztendlich die Schulentwicklung.

"Das Schulzentrum hat sich entschieden, nicht Ganztagsschule zu werden."

Jürgen Franzen, Kirchenrat

Und was bedeutet das genau?

Franzen: Es gibt zum Beispiel die Idee, dass Ganztagsschulen wichtig sind. Dann stellt sich uns die Frage, wie wir das machen? Oder auch, wie wir dann unser Internat lebensfähig machen? Das Wichtigste ist aber, den Schulen ihre Selbstständigkeit zu überlassen.

Selbstständige Schulen brauchen aber keinen pädagogischen Dezernenten. Machen Sie dann nicht Ihren eigenen Arbeitsplatz überflüssig?

Franzen: Nein, so kann man das nicht sehen. Es geht weg vom Vorgesetzten und hin zum Berater. Das macht Gott sei Dank auch der Staat in letzter Zeit. Eltern und Lehrern werden immer mehr Entscheidungen überlassen. Ich rücke dann in die Rolle des Beraters. Das ist die moderne Schulentwicklung.

Können Sie dafür ein Beispiel am Evangelischen Schulzentrum in Hilden nennen?

Jürgen Franzen ist 48 Jahre alt, verheiratet, und hat drei Kinder. Der studierte Biologe lebt seit einem Jahr in Hilden und ist seit dem 1. Januar 2007 als pädagogischer Dezernent für die kirchlichen Schulen und Internate der Evangelischen Kirche im Rheinland zuständig.

Franzen: Das beste Beispiel ist die Ganztagsoffensive der Landesregierung. Das Schulzentrum in Hilden hat sich entschieden, sein Tagesinternat zu stärken und nicht Ganztagsschule zu werden.

Das Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium und die Wilhelmine-Fliedner-Realschule werden also keine Ganztagsschulen?

Franzen: Im Moment nicht. Wenn sich die Zeiten ändern, kann die Entscheidung auch geändert werden. Aber dafür sind die Schulleiter verantwortlich. Entscheidend ist, dass wir hören und sehen, was die Menschen brauchen.

Wie wird denn dann die pädagogische Entwicklung der Schulen aussehen?

Franzen: Zurzeit ist es meine wichtigste Aufgabe, genügend Lehrer für die Zukunft zu bekommen. Niemand studiert mehr auf Lehramt. Also müssen wir Möglichkeiten finden, wie wir Nicht-Lehrer für diese Arbeit begeistern können.

Es gibt keine Lehrer mehr?

Franzen: Für bestimmte Fächer gibt es schon jetzt keine Lehrer mehr. Und in Zukunft wird sich das ausweiten. Es ist schon vorgekommen, dass wir auf Stellenausschreibungen etwa für Französisch- und Physiklehrer nicht eine Bewerbung bekommen haben. Darum müssen wir uns bemühen, Persönlichkeiten zu bekommen, die wir zum Lehramt befähigen können.

Mit welchen Angeboten können Sie diese Personen denn locken?

Franzen: Zunächst einmal mit richtig wunderbaren Schulen. Außerdem haben wir die Freiheit der freien Schulen mit erheblich mehr Gestaltungsmöglichkeiten - auch für den einzelnen Lehrer. Nicht zuletzt können wir einen christlichen und werteorientierten Arbeitsplatz bieten.

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