Der Hildener Chefarzt Dr.Hans Bayer-Helms wagt eine Zeitreise zu Wilhelm Fabry.

Zwei Hildener Chirurgen: Chefarzt Dr. Hans Bayer-Helms begibt sich auf eine Zeitreise und wagt den Meinungsaustausch mit seinem berühmten Vorgänger Wilhelm Fabry.
Zwei Hildener Chirurgen: Chefarzt Dr. Hans Bayer-Helms begibt sich auf eine Zeitreise und wagt den Meinungsaustausch mit seinem berühmten Vorgänger Wilhelm Fabry.

Zwei Hildener Chirurgen: Chefarzt Dr. Hans Bayer-Helms begibt sich auf eine Zeitreise und wagt den Meinungsaustausch mit seinem berühmten Vorgänger Wilhelm Fabry.

Dirk Thomé

Zwei Hildener Chirurgen: Chefarzt Dr. Hans Bayer-Helms begibt sich auf eine Zeitreise und wagt den Meinungsaustausch mit seinem berühmten Vorgänger Wilhelm Fabry.

Hilden. Zeitreisen wird es nie geben. Würden spätere Generationen eine Möglichkeit finden, zwischen Vergangenheit und Zukunft zu pendeln, hätten sie uns längst besucht. Trotzdem ließ sich Dr. Hans Bayer-Helms, Chefarzt am St. Josefs Krankenhaus, auf das Experiment einer Zeitreise ein.

Zum runden Geburtstag des Wilhelm-Fabry-Museums, das am Mittwoch vor 20 Jahren eröffnet wurde, wagte der Chirurg das Experiment, sich auf ein Treffen mit Hildens berühmtesten Sohn einzulassen: Wilhelm Fabry, Begründer der modernen Chirurgie.

Die Mediziner verbindet nicht nur der Beruf, beide feiern nächstes Jahr einen runden Geburtstag: Dr. Bayer-Helms wird 50 Jahre, Fabry wurde vor 450 Jahren geboren. Was hätten sich die beiden Ärzte wohl zu sagen gehabt? Mit Hilfe von Museumsleiter Wolfgang Antweiler zeichnete unsere Redaktion das folgende fiktive Gespräch auf:

"Wie steht es um die ärztliche Kunst in Eurer Zeit?"

Fabry: Salve medici.

Dr. Bayer-Helms: Auch ich grüße Sie, Herr Kollege. Aber wir müssen das Gespräch auf Deutsch fortführen. Ich habe nie Latein gelernt.

Dr. Hansbayer-Helms wurde am 4. Mai 1960 in Braunschweig geboren. Er ist verheiratet mit Kristina Bayer-Helms und hat drei Kinder. Nach dem Medizin-Studium in Bochum und Göttingen (1981 bis 1987) praktizierte er unter anderem in Tübingen, Bochum, Essen und Hilden (seit 1. Oktober 1999).

Wilhelmfabry wurde am 25. Juni1560 in Hilden geboren. er war verheiratet mit Marie Colinet und hatte acht Kinder. Nach der Lehre bei einem Badermeister und als Schüler verschiedener Wundärzte (1576 bis 1588) praktizierte er unter anderem in Hilden, Lausanne, Genf und Peterlingen/Payerne.

Fabry: Ein Mediziner, der des Lateinischen nicht mächtig ist? Saget mir, wie führet Ihr denn Konversation mit auswärtigen Kollegen?

Dr. Bayer-Helms: Wir benutzen in meiner Zeit zwar noch lateinische Fachbegriffe. Bei internationalen Kongressen ist aber Englisch die gebräuchliche Sprache.

Fabry: Nun denn. So berichtet mir doch, wie steht es um die ärztliche Kunst in Eurer Zeit?

Dr. Bayer-Helms: Sie würden sich wundern, welche Möglichkeiten wir haben. Wir haben schon lange Pest und Pocken besiegt, können am Herzen operieren, Organe verpflanzen, und Bluttransfusionen sind ein tägliches Geschäft.

Fabry: Dann ist meine Forderung nach besseren anatomischen Kenntnissen für Wundärzte doch noch erfüllt worden.

Dr. Bayer-Helms: Nicht nur das. Die von Ihnen entwickelten medizinischen Instrumente werden vom Prinzip her auch heute noch eingesetzt. Eine Säge bleibt schließlich eine Säge. Wir brauchen sie nur seltener, weil nicht so häufig amputiert wird.

Fabry: Häufig amputiert? Auch ich habe nur zur Säge gegriffen, wenn es auf Leben und Tod ging.

Dr. Bayer-Helms: Das will ich gar nicht bestreiten. Nur haben Chirurgen in meiner Zeit ein viel größeres Wissen. Wir kennen die Infektionswege der meisten Krankheiten und können sie dadurch verhindern oder frühzeitig bekämpfen.

Fabry: Sie scheinen in einer Zeit zu leben, die alle Geheimnisse des menschlichen Körpers kennt.

Dr. Bayer-Helms: Nein, so weit sind wir noch lange nicht. Auch in meiner Zeit gibt es für Chirurgen noch Rätsel. Bei einigen Tumoren, die wir Krebs nennen, kennen wir zwar viele mögliche Auslöser. Wir wissen aber nicht, warum sie bei dem Einen zum Ausbruch führen und beim Anderen nicht.

Fabry: Dann scheint ihr Mediziner wohl doch nicht viel gelehrter zu sein.

Dr. Bayer-Helms: Unser Wissen über die Funktionen im Körper ist größer geworden. Aber Sie würden bei einer Operation in meiner Zeit verstehen, was wir da machen - und auch die Gründe, warum wir es machen.

Fabry: Gemach, gemach, mir dünkt, Ihr wollt mir schmeicheln.

Dr. Bayer-Helms: Bestimmt nicht. Ehre wem Ehre gebührt. Einen Arzt wie Sie, den gibt es in meiner Zeit nicht mehr.

Fabry: Wie meint Ihr das?

Dr. Bayer-Helms: Sie haben fast alles behandelt und operiert. In meiner Zeit gibt es viele Spezialisten, die sich in ihren Fachbereichen bestens auskennen, aber keinen Allgemein-Chirurgen wie Sie. Ihr Wissensvorsprung gegenüber Ihren Zeitgenossen ist in meiner Zeit unvorstellbar. Sie waren Ihren Kollegen zu Ihrer Zeit weit voraus.

Fabry: Dank für das Lob. Aber mit meinem ganzen Wissen konnte ich auch nicht alle Menschen retten.

Dr. Bayer-Helms: Auch in meiner Zeit ist manchmal selbst der beste Chirurg machtlos. Für mich ist schon unverständlich, dass zu Ihrer Zeit überhaupt eine Operation gelingen konnte. Es ist faszinierend, was Sie damals mit den eingeschränkten Möglichkeiten behandeln konnten.

Fabry: Verzeiht mir eine Indiskretion zum Schluss: Als Stadtwundarzt von Peterlingen ward mir eine jährliche Besoldung von 200 Gulden, 16 Sack Weizen, zwölf Sack Hafer, Wohnung und Garten sowie Steuerfreiheit gewährt. Wie steht es um den Lohn der ärztlichen Arbeit in Ihrer Zeit.

Dr. Bayer-Helms: Nun, um die Steuerfreiheit beneide ich Sie.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer