Der Kplus-Verbund beginnt in drei angeschlossenen Häusern mit dem Aufbau eines gynäkologischen Krebszentrums.

Hilden. Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung. Deshalb hat der Gesetzgeber für diesen Bereich die Einrichtung von Brustkrebszentren vorgeschrieben, in denen die Erkrankung von der Diagnose über die Therapie bis hin zur Nachsorge nach vorgegebenen Qualitätsrichtlinien behandelt wird. Das Hildener St. Josefs Krankenhaus erfüllt diese Richtlinien und wurde dafür im Frühjahr 2008 zum Brustkrebszentrum zertifiziert.

Was beim Brustkrebs vorgeschrieben ist, kann bei gynäkologischen Krebserkrankungen nicht schlecht sein. Nach diesem Motto handelten die Chefärzte Dr. Klaus Meinen (St. Josefs Krankenhaus und St. Lukas Klinik in Ohligs) sowie Dr. Anton Humrich (St. Remigius Krankenhaus Opladen), die gestern den Startschuss zur Zertifizierung ihrer Häuser zum Gynäkologischen Krebszentrum Kplus gaben.

"Wir wollen dem Gesetzgeber einen Schritt voraus sein", sagt Dr. Meinen. Noch läuft das von ihm und seinem Kollegen initiierte Vorhaben auf freiwilliger Basis, doch der Chefarzt der gynäkologischen und geburtshilflichen Abteilungen der Krankenhäuser in Hilden und Ohligs ist überzeugt, dass über kurz oder lang auch gynäkologische Krebszentren verpflichtend werden.

Denn die Zahl der Frauen mit bösartigen Tumorerkrankungen an Gebärmutter, Gebärmutterhals und Eierstöcken nimmt zu. Laut Robert-Koch-Institut gab es beispielsweise im vergangenen Jahr bundesweit allein rund 17.900 Neuerkrankungen mit Gebärmutter- und Gebärmutterhalskrebs.

Auf die gesetzlich Vorgabe zur Einrichtung von gynäkologischen Krebszentren will der katholisch ausgerichtete Kplus-Verbund, in dem mehrere Krankenhäuser und Alteneinrichtungen zusammengeschlossen sind, vorbereitet sein. Analog zum Brustkrebszentrum sollen jetzt auch die Gynäkologen mit anderen Fachärzten bei jeder Tumorpatientin in einer Konferenz über das weitere Vorgehen beraten.

Ein "relativ exklusives" Verfahren spürt mögliche Metastasen auf

Dr. Humbrich nennt dies ein "Multi-Experten-Gespräch", an dem beispielsweise auch Radiologen teilnehmen. Die sind wichtig, weil der Kplus-Verbund laut Dr.Meinen "relativ exklusiv" eine Neuheit einführen möchte, die "deutlich geringere Belastungen für die Patientinnen" (Dr. Humrich) mit sich bringen soll:

Ein bei verschiedenen Krebsarten schon etabliertes Verfahren zum Aufspüren von Metastasen (die Streuung der Krebszellen) soll auf gynäkologische Krebserkrankungen übertragen werden.

Bei diesem Verfahren wird ein schwach radioaktives Kontrastmittel in das befallene Organ gespritzt. Das Kontrastmittel folgt dem Verbreitungsweg vieler Tumorzellen über die Lymphwege. Mit einer Sonde können dann die oftmals nur wenige Millimeter großen "Wächterlymphknoten", die dem befallenen Körperteil an nächsten liegen, aufgespürt und entfernt werden. Dort sind in der Regel die ersten Metastasen zu finden.

Ein ebenfalls an der Experten-Konferenz beteiligter Pathologe kann dann binnen 20 Minuten, also noch während der laufenden Operation, feststellen, ob der Lymphknoten bereits befallen ist. Im optimalen Fall (ohne Befund) reicht die Entfernung des befallenen Gewebes sowie der benachbarten Lymphknoten aus, um mit großer Wahrscheinlichkeit die weitere Ausbreitung der Tumorzellen zu verhindern. Ist der Wächterlymphknoten bereits befallen, geht es nach dem gleichen Prinzip mit den folgenden Lymphknoten weiter.

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