Fabry-Ratgeber ins Hochdeutsche übersetzt.

Hilden. Ein "Schatzkämmerlein der Gesundheit inhaltend Fünff und Zwanzig außerlesene nützliche Regulen und Lehrstück, die Gesundheit lang zu erhalten" hat Wilhelm Fabry im Jahre 1628 veröffentlicht.

Schon der Titel lässt erahnen, dass die Lektüre der 25 vom Hildener Wundarzt aufgeführten und erläuterten Lebens- und Verhaltensweisen in heutiger Zeit nicht leicht fällt.

Deshalb hat sich der Museums- und Heimatverein entschieden, zu seinem 25-jährigen Bestehen eine Übersetzung der mittelalterlichen Aussprache und Schrift in eine lesbare Fassung zu veröffentlichen.

Ernst Huckenbeck hat sich das im Original 142 Seiten umfassende Buch vorgenommen und alle 25 Regeln sowie die wichtigsten Erläuterungen ins Hochdeutsche übersetzt. Herausgekommen ist dabei eine einerseits ernste, manchmal aber auch recht amüsante Lektüre.

Regeln wie "Beweg’ dich wohl, doch ohne schwitzen, bevor du kommst zu Tisch zu sitzen" oder "Im Bett leg hoch das Haupte dein" sind auch heute noch aktuell, Fabrys Erläuterungen hingegen weniger.

Regel 1: Beweg’ dich wohl, doch ohne schwitzen, bevor du kommst zu Tisch zu sitzen.

Regel 2: Iss nicht, trink nicht ohn’ Appetit, du wirst sonst bald des Lebens quitt.

Regel 3: Brauch’ allzeit gute Speis’ und Trank, dass du davon nicht werdest krank.

Regel 4: Iss warme Speis’ an Wintertagen.

Regel 5: Der Völlerei tu dich entschlagen.

Regel 6: Doch wenn du dich hast übernommen, so lass es wieder aus dir kommen. Obwohl mir ist sehr wohl bekannt, dass solches ist ein große Schand’, so muss ich’s doch hier zeigen an, dieweil sehr viel gelegen dran. Es haben auch die weisen Alten für gut und recht gesund gehalten, dass man sich jeden Monat mal Erbrechen soll; doch in dem Fall, sauf’ man sich vorher nicht erst voll, denn es gibt andre Mittel wohl.

Regel 7: Im Winter brauch’ stark’ Trank und Speise, die Regel halt auf jede Weise.

Regel 8: Geh oder steh bald nach dem Essen, bis dir die Speis’ ist niederg’sessen.

Regel 9: Im Bett leg’ hoch das Haupte dein.

Regel 10: Am Leib tu dich bedecken fein, und zwar je nach den Jahreszeiten.

Regel 11: Zuerst schlaf’ auf der rechten Seiten.

Regel 12: Schlaf sieben Stunden in der Nacht, mehr Schlaf das Hirn dir krank wohl macht: Macht faul und rotzig obendrein, drum halte diese Regel ein.

Regel 13: Ein Mensch mit einem schwachen Magen kann viel auf einmal nicht vertragen. Drum soll er oft, doch wenig essen, so wie’s für Kranke angemessen.

Regel 14: Die Suppe und die leichte Speis’, die iss zuerst, das merk’ mit Fleiß.

Regel 15: Kein Vielerei bring’ auf den Tisch.

Regel 16: Iss nicht auf einmal Fleisch und Fisch. Wiewohl das häufig ist der Brauch, bekommt es trotzdem nicht dem Bauch.

Regel 17: Viel Fleisch heißt auch: schröpf’ öfter Blut.

Regel 18: Nach Mahlzeit trinken ist nicht gut.

Regel 19: Im Sommer viel Salat und Früchte, im Winter andere Gerichte. Mit Rohkost fang’ die Mahlzeit an, jedoch sei klug und denk daran, dass du davon nicht nimmst zuviel, denn Bauchweh ist ja nicht dein Ziel. Salat und Obst ist gut für alle, sofern sie leiden an der Galle. Auch wer zu hitz’gem Wesen neigt, bei dem ist dieses angezeigt.

Regel 20: Dein Brot, das sei gebacken wohl.

Regel 21: An trock’ner Speis’ iss dich nicht voll. Mach’ feucht die Speise, weich’ sie ein, dein Magen wird dir dankbar sein.

Regel 22: Hab’ mit Frau Venus nichts zu schaffen, du habest denn zuvor geschlafen. Und wohl verdauet Trank und Speise. Wer anders tut, der ist nicht weise.

Regel 23: Wenn du willst reisen über Feld, so kannst du sparen manches Geld: Am Tag nimm wenig Speise ein, dann wird die Reis’ dir leichter sein. Wenn man sich stark bewegen tut, verdaut der Magen gar nicht gut. Drum ist ein schändlich Ding fürwahr, wenn man sich vollgefressen gar. Und geht dann auf die Reise bald, wie üblich jetzt bei jung und alt, daraus Gebrechen folgen viel, wovon ich nur erwähnen will den Schwindel, Schlag und lahme Glieder, drum sei davor gewarnt ein jeder. Doch wenn du abends kommst zur Ruh’, dann lange umso besser zu.

Regel 24: Wenn Auge oder Kopf weh tut, ess’ abends wenig, aber gut. Die Regel sei auch dann gegeben, wenn du führst ein bequemes Leben, und selten schuftest körperlich.

Regel 25: Noch eins muss ich ermahnen dich: Gewohnheit geht vor alle Ding’, drum halte sie nicht für gering. Nur, wenn sie dir fügt Schaden zu, dann gib sie auf, jedoch mit Ruh’. Auf keinen Fall in großer Eile, vielmehr besonnen und mit Weile. Sonst machst du die Natur dir schwach, sei also klug und denke nach.

Das Büchlein ist für 9,90 Euro im Buchhandel erhältlich.

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