Ernst Könnecke wird häufig von Studenten und Medien befragt. Der 92-Jährige ist einer der letzten noch lebenden Fallschirmjäger des Zweiten Weltkriegs.

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Ernst Könnecke als Soldat: Als junger Leutnant geriet er 1944 in Gefangenschaft. Repro: Anna Schwartz

Ernst Könnecke als Soldat: Als junger Leutnant geriet er 1944 in Gefangenschaft. Repro: Anna Schwartz

Der 92-Jährige erinnert sich an seine Zeit als Fallschirmjäger.

Anna Schwartz, Bild 1 von 2

Ernst Könnecke als Soldat: Als junger Leutnant geriet er 1944 in Gefangenschaft. Repro: Anna Schwartz

Monheim. „Mensch. Wieso fällt mir das jetzt nicht ein?“ Ernst Könnecke fasst sich verärgert an die Stirn. Dann konzentriert er sich noch mehr. Die Erinnerung kommt wieder. „Ja. Das war am 12. September 1943. Italien: Wir sollten Mussolini befreien.“ Der 92-Jährige Monheimer war wie die meisten seiner Generation Soldat. Doch seine Erlebnisse sind heute noch begehrt. Ernst Könnecke war nämlich Fallschirmjäger. Und immer wieder wird er von Studenten angeschrieben. Vor einiger Zeit kam gar ein italienischer Fernsehsender zu ihm in die Robert-Koch-Straße.

Ernst Könnecke ist einer der letzten Zeitzeugen dieser einstigen Eliteeinheit. Und er sieht es als Verpflichtung an, ein Teil der Versöhnung zu sein. Beispielsweise fährt er einmal im Jahr auf die griechische Insel Kreta. Sie wurde im Krieg von deutschen Fallschirmjägern eingenommen. Es gab hohe Verluste auf beiden Seiten. Ernst Könnecke selbst war bei dem Einsatz nicht dabei. „Aber ich fahre wegen der vielen Gefallenen hin. Die letzte Ehre. Und es ist gut, dass die einstigen Feinde jetzt Freunde sind.“

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Ernst Könnecke als Soldat: Als junger Leutnant geriet er 1944 in Gefangenschaft. Repro: Anna Schwartz

Ernst Könnecke als Soldat: Als junger Leutnant geriet er 1944 in Gefangenschaft. Repro: Anna Schwartz

Der 92-Jährige erinnert sich an seine Zeit als Fallschirmjäger.

Anna Schwartz, Bild 1 von 2

Der 92-Jährige erinnert sich an seine Zeit als Fallschirmjäger.

Viele Jahre sei es ein Tabuthema gewesen – die Einsätze der deutschen Fallschirmjäger. „Doch die jüngere Generation will wissen, was da damals war“, sagt der 92-Jährige. Vor allem aus Frankreich und Holland kommen regelmäßige Anfragen. Häufig hinge es mit Abschlussarbeiten an der Universität, meist in Geschichte, zusammen. Dann dienst Ernst Könnecke als historische Quelle. „Manchmal ist das schon ein komisches Gefühl“, erzählt er und lacht.

„In der Gefangenschaft wurden uns Gräueltaten deutscher Soldaten gezeigt. Ich dachte: Das ist gelogen. Ein deutscher Soldat erschießt keine Kinder.“

Ernst Könnecke

Tatsächlich hat er viel erlebt. Im Oktober 1939 wurde der gebürtige Harzer eingezogen. Er war damals Student mit Fachrichtung Flugzeugbau in Braunschweig. Er kam in ein Fliegerausbildungsregiment. Dann meldete er sich freiwillig zu den Fallschirmjägern. „Es war der Reiz der Elite“, sagt er.

Dieser Reiz bescherte ihm unter anderem eine schwere Verwundung im Februar 1944. Amerikanische Schiffsartillerie in Richtung italienischer Küste war es. Splitter trafen beide Beine. Dreieinhalb Monate lag Ernst Könnecke in Lazaretten.

Am 29. Januar 1936 wurde der Befehl erlassen, eine Anzahl von Soldaten als Lehrpersonal im Fallschirmspringen und Fallschirmpacken aufgrund freiwilliger Meldungen auszubilden. Im Laufe des Jahres 1936 entstand in dem Fliegerhorst Stendal die erste deutsche Fallschirmschule. Die Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften betraten, mit Ausnahme der UdSSR, die bereits im Jahr 1928 eine Fallschirmtruppe aufstellte, militärisches Neuland. Die Aufgabe der Fallschirmjäger sollte Sabotage hinter den feindlichen Linien sowie die Erprobung geeigneten Gerätes sein. Zum 1. September 1938 wurde die 7. Fliegerdivision, der Fallschirmjägerverbände unterstellt wurden, aufgestellt, ihr erster Kommandeur wurde Generalmajor Kurt Student.

Auch die Bundeswehr verfügt über mehrere Fallschirmjägerbataillone. Gegründet wurden sie 1956.

Es sollte nicht die letzte Begegnung mit dem US-Militär sein. Noch im selben Jahr geriet Ernst Könnecke nahe Paris in amerikanische Gefangenschaft. „Man hatte vergessen, uns den Befehl zum Absetzen zu geben. Dann waren überall die Amis“, erinnert er sich. Ernst Könnecke, zu der Zeit Leutnant und unter anderem Träger des Eisernen Kreuzes, wurde in Colorado interniert. 1946 kam er wieder nach Deutschland.

Das Leben ging weiter. Ernst Könnecke studierte Maschinenbau und bewarb sich bei zahlreichen Firmen. Das beste Angebot kam von Henkel. Also zögerte er nicht lange und zog mit seiner Frau nach Düsseldorf. Später kaufte er dann einen Bungalow in Monheim. Der Krieg wird für immer ein zentrales Thema in seinem Leben sein. Denn seit Jahren engagiert er sich für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. „Frieden über den Gräbern. Das ist wichtig“, sagt Ernst Könnecke.

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