Mit mehr als 1000 Schülern ist Lehrer Gerd Rudolph (63) in 25 Jahren durch niederländische Grachten geschippert. Für seine legendären Hollandfahrten wurde er jetzt vom Bundespräsidenten ausgezeichnet.

Auf diesem Fender – ein Schutzkörper, der die Außenseite des Bootes vor Beschädigungen schützen soll – haben viele Schüler unterschrieben.
Auf diesem Fender – ein Schutzkörper, der die Außenseite des Bootes vor Beschädigungen schützen soll – haben viele Schüler unterschrieben.

Auf diesem Fender – ein Schutzkörper, der die Außenseite des Bootes vor Beschädigungen schützen soll – haben viele Schüler unterschrieben.

Schwartz

Auf diesem Fender – ein Schutzkörper, der die Außenseite des Bootes vor Beschädigungen schützen soll – haben viele Schüler unterschrieben.

Monheim/Langenfeld. Als Gerd Rudolph (63) im vergangenen Jahr zum letzten Mal mit einer Schülergruppe in See stach, da war er schon ein bisschen verärgert darüber, dass seine langjährigen Weggefährten anscheinend nicht vorhatten, eine Abschiedsparty oder ähnliches zu schmeißen.

"Das war schon ein bisschen komisch. Auch von der Stadt habe ich nichts gehört. Und dabei dachte ich, nach 25 Jahren würde mir wenigstens der Bürgermeister die Hand schütteln", sagt Rudolph, der seit mehr als drei Jahrezehnten an der Peter-Ustinov-Gesamtschule Technik und Mathematik unterrichtet, und in seiner Freizeit für Schüler der siebten Klassen eine jährliche Bootstour in Friesland organisiert.

Doch nichts geschah. Bis dann vor zwei Wochen - ein Jahr später - ein unscheinbarer Umschlag im Briefkasten von Gerd Rudolph lag. Als seine Lebensgefährtin das Schreiben öffnete, war sie mehr als überrascht. "Da stand, dass er bereits im August die Verdienstmedaille der Bundesrepublik von Bundespräsident Horst Köhler verliehen bekommen hat", erzählt die 60-Jährige.

Wann die Verdienstmedaille überreicht wird, steht noch nicht fest

Mit Sekt feierte das Paar an diesem Tag die freudige Nachricht. Wann Gerd Rudolph die Verdienstmedaille von Landrat Thomas Hendele überreicht bekommt, steht allerdings noch nicht fest. "Ich würde mir wünschen, dass die Verleihung in Monheim stattfindet", sagt Rudolph, der seit einigen Jahren in Langenfeld lebt. Vorgeschlagen für die Ehrung hatten ihn übrigens jene langjährigen Weggefährten bereits vor zwei Jahren. Aber eine so hohe Auszeichnung wird eben nicht mal einfach so verliehen.

Der Gesamtschullehrer freut sich über die späte Ehrung. Doch auch ohne die Auszeichnung seien die jährlichen Fahrten nach Friesland eine Bereicherung für sein Leben. "Diese Fahrten waren eine Konstante in meinen Leben", sagt er. "Nach meiner Scheidung, als ich am Boden zerstört war, hat mir der Gedanke an die anstehende Fahrt geholfen." Und auch die Schüler - mittlerweile sind es über 1000 - schwärmen von den legendären Hollandfahrten wie sie die Touren nennen.

"Noch heute bekomme ich Mails von Schülern, die vor zehn oder zwanzig Jahren bei einer Tour mitgemacht haben."

Gerd Rudolph über seinen Kontakt zu ehemaligen Schülern

Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland, umgangssprachlich Bundesverdienstkreuz genannt, wird verliehen für besondere Leistungen auf politischem, wirtschaftlichem, kulturellem, geistigem oder ehrenamtlichem Gebiet.

Die Auszeichnung wird in drei Klassen (Verdienstkreuz, Großes Verdienstkreuz, Großkreuz) und in acht Stufen verliehen. Die höchste Stufe, die Sonderstufe des Großkreuzes, ist Staatsoberhäuptern vorbehalten. Unterste Stufe ist die Verdienstmedaille.

Und auch viele Eltern haben Gerd Rudolph die Treue gehalten. "Einige Eltern haben die Bootsfahrten jahrelang weiter betreut, obwohl ihre Kinder längst erwachsen sind." Ohne die vielen freiwilligen Helfer - Eltern, Freunde und Lehrer - seien die Fahrten ohnehin nicht möglich gewesen, sagt Gerd Rudolph. Denn immerhin mussten bei den Touren jeweils rund 100 Siebtklässler betreut werden.

In Hochzeiten waren die Monheimer mit zwölf Schiffen auf den friesischen Kanälen und Seen unterwegs. "Für viele Schüler war es eine völlig neue Erfahrung. Sie haben Kochen und natürlich viel über das Bootsfahren gelernt", sagt Rudolph. Einige Ehemalige scheint diese Erfahrung wohl geprägt zu haben. "Ich weiß von einem Schüler, der heute aufgrund der Fahrten bei einer Werft in Kiel arbeitet", erzählt Rudolph.

Was ihn allerdings am meisten freut, ist dass sich mittlerweile ein Nachfolger gefunden hat, der die Fahrten in Zukunft betreuen wird. Und wie könnte es anders sein? Es ist ein ehemaliger Schüler, den das Abenteuer Hollandfahrt bis heute nicht losgelassen hat.

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