Die Brandserie der vergangenen Monate ist noch immer nicht aufgeklärt. Die Polizei geht von einem krankhaften Täter aus.

In der Nacht zum 6. Februar wurde im neuen Awo-Familienzentrum an der Linzer Straße ein Feuer gelegt.
In der Nacht zum 6. Februar wurde im neuen Awo-Familienzentrum an der Linzer Straße ein Feuer gelegt.

In der Nacht zum 6. Februar wurde im neuen Awo-Familienzentrum an der Linzer Straße ein Feuer gelegt.

Archiv Anna Schwartz

In der Nacht zum 6. Februar wurde im neuen Awo-Familienzentrum an der Linzer Straße ein Feuer gelegt.

Baumberg. Frank Sobotta kann sich an keine Brandserie erinnern, bei der der Täter nicht doch irgendwann geschnappt wurde. So wird es wahrscheinlich auch in Baumberg eines Tages sein, glaubt der Sprecher der Kreispolizei.

Denn: Die Polizei geht bei der Brandserie, die in den vergangenen Monaten die Monheimer Feuerwehr in Atem hielt, von Tätern mit einem krankhaften Zwang aus.

Sobotta sagt: "Wir sprechen von keinem Jugendstreich. Wir suchen Personen, die etwas ausleben." Daher schätzt der Beamte: Auch wenn zurzeit seit mehreren Wochen Ruhe herrscht - die Täter werden wieder zuschlagen. "Bis wir die Verantwortlichen fassen, wird es wohl nur eine Frage der Zeit sein", so Sobotta.

Angerichtet haben die Brandstifter bereits genug. Die Polizei geht von bis zu 35 Einzeltaten aus, die auf das Konto der einen Tätergruppe gehen. Es müsse sich, so glauben die Ermittler, um mehrere Personen handeln, da oftmals in einer Nacht parallel Brände gelegt wurden. Allein am frühen Ostersonntag kämpfte die Wehr in Baumberg gegen sieben gelegte Feuer.

Auslöser der Brände war oft ein angezündeter Papiercontainer

Der verheerendste Sachschaden entstand in der Nacht zum 6. Februar, als das neue Awo-Familienzentrum an der angezündet wurde. Das Gebäude musste kurz vor der geplanten Eröffnung abgerissen werden und wird zurzeit wieder neu aufgebaut. Versicherungsschaden: 1,3 Millionen Euro. Sobald auf der Baustelle das erste Holz verbaut wird, sollen Kameras den Bau vor einem neuen Anschlag schützen.

Pyromanie ist eine psychische Krankheit. Betroffene sind süchtig danach, Brände zu legen. Die Lust oder der Genuss am Feuer muss sich dabei nicht nur auf das Zündeln beziehen, sondern kann auch mit dem Löschen zusammenhängen.

Brandstifter erfüllen statistisch gesehen häufig folgende Merkmale: sie leiden unter Minderwertigkeitsgefühlen, sie kommen aus schwierigen Familienverhältnissen, sie sind vorbestraft und in der Regel männlich und jünger als 25 Jahre.

In den meisten Fällen war das Schema der Täter kleines Zündeln mit großer Wirkung. Oftmals wurde lediglich ein Papiercontainer in Brand gesteckt. Durch die Nähe zu Wohnhäusern jedoch, hätten auch diese vermeintlich harmlosen Fälle ohne das schnelle Einschreiten der Feuerwehr ein schlimmes Ende nehmen können. Mehrere kleinere Brände sorgten in der besagten Osternacht letztendlich für ein Großaufgebot der Feuerwehr.

Laut Polizeisprecher gibt es bislang keine brauchbaren Hinweise

Zeitweise arbeitete eine Ermittlungskommission mit bis zu fünf Polizisten an den Fall, Beamte in zivil patrouillierten nachts in Baumberg, öffentlichkeitswirksam wurde eine Belohnung von 6000 Euro für Hinweise zur Ergreifung des Täters ausgesetzt. Alles ohne Erfolg. "Leider", so Frank Sobotta, "gab es bislang überhaupt keine brauchbaren Hinweise."

Verwunderlich sei das nicht. Brandstiftungen geschehen in den meisten Fällen still und heimlich, die Auswirkungen sind erst zu sehen, wenn der Täter bereits geflohen ist.

Wie Anfang Juni, als auf der Sandstraße ein parkender Audi A3 in Flammen stand. Nur wurde diese Tat aufgeklärt. Es handelte sich um keinen Vorfall, der sich in die Chronologie der Brandserie einreihen lässt. Sobotta: "Die Spuren führten nach Düsseldorf. Die Tat hatte einen persönlichen Hintergrund."

Die Baumberger Feuerteufel traten also lange nicht mehr in Erscheinung. Sollte es, entgegen der Erwartungen, jetzt doch Ruhe geben, liefert der Polizeisprecher mögliche Erklärungen: "Vielleicht sind die Täter auch verzogen." Oder sie seien im Gefängnis. Das sei nichts Ungewöhnliches: Brandstifter haben meist mehrere Baustellen.

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