Der Zusammenschluss von Jägern kümmert sich um den Erhalt der alten Bäume.

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Ein Helfer des Hegerings schneidet die Sprösslinge einer Kopfweide ab. So wird der Baum vor dem Auseinanderbrechen bewahrt.

Ein Helfer des Hegerings schneidet die Sprösslinge einer Kopfweide ab. So wird der Baum vor dem Auseinanderbrechen bewahrt.

Anna Schwartz

Ein Helfer des Hegerings schneidet die Sprösslinge einer Kopfweide ab. So wird der Baum vor dem Auseinanderbrechen bewahrt.

Baumberg. Vorsichtig fährt der große Traktor an den Baum heran, die Kettensäge wird angeschmissen und schon fallen die ersten Äste. Wie in jedem Jahr ist der Hegering im Naturschutzgebiet "Im Hamm" aktiv. "Die Kopfweiden müssen geschnitten werden, da die Äste mit der Zeit zu schwer werden und die Bäume auseinanderbrechen können", erklärt die Vorsitzende des Hegerings Sabine Hallmich-Kober.

Der Hegering ist ein Zusammenschluss von etwa 60 Jägern, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur zu erhalten und zu pflegen. "Wir sind ja nicht nur Jäger, sondern auch Heger. Wir möchten etwas für das Wild tun und die Nistplätze erhalten", sagt Willi Kirspe (69). Deshalb gilt auch nach dem 1. März ein Schnittverbot, damit die nistenden Vögel nicht gestört werden.

An diesem Samstag haben sich etwa 25 Freiwillige eingefunden, um die Kopfweiden zu pflegen. "Diese Bäume sind ein Symbol für die Rheinauen und prägen das Bild, deshalb liegen sie uns besonders am Herzen", sagt Sabine Hallmich-Kober. "Früher wurden die Kopfweiden zur Böschungsbefestigung benutzt", sagt der ehemalige Vorsitzende Heinz-Josef Muhr (76).

Die Ruten der Kopfweiden wurden zum Flechten von Körben verwendet. Mit den kleineren Stöcken wurden die Backöfen angeheizt, die längeren dienten dem Anbau von Stangenbohnen im Garten. "Und mit den Gabelstielen konnte man Heu auf die Erntewagen hieven", erinnert sich Muhr.

Die abgeschnittenen Sprösslinge bieten Wildtieren Deckung

Damals wurden die Kopfweiden von den Menschen stetig genutzt und regelmäßig geschnitten. "Heute freuen sich Kindergärten über die Äste, mit denen man tolle Buden bauen kann", lacht der 76-Jährige.

Aber auch die Natur selbst zieht einen Nutzen aus den Weidenruten. Hegering und Mitarbeiter der Biologischen Station Haus Bürgel schichten die abgeschnittenen Sprösslinge, damit Wildtiere dort Deckung und Nahrung finden.

In den Bäumen sind Steinkäuze und Insekten zu Hause. Heinz-Josef Muhr hat aber auch schon einen Fuchs auf den Bäumen gesehen: "Bei einem großen Hochwasser flüchteten die Tiere auf die Bäume, die aus den Fluten herausragten. Da saßen Kaninchen und Hasen auf den Ästen und wir sind dann mit einem Boot entlanggefahren und haben sie gerettet."

Als ehemaliger Landwirt ist Muhr mit den Kopfweiden groß geworden, hat vor etwa 15 Jahren selbst einige gepflanzt. "Ich kenne quasi jeden Baum mit Vornamen", sagt er lachend.

Seit 30 Jahren sorgt der Hegering nun schon dafür, dass die Kopfweiden in den Auen erhalten bleiben. Aber: "Wie in jedem Verein haben wir Nachwuchsprobleme", sagt die Vorsitzende. Doch 2010 sind fünf Jugendliche eingetreten, das jüngste Mitglied ist gerade 17 Jahre alt.

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