Nach aktuellen Funden muss die Entstehungszeit der ehemaligen Römerkastells korrigiert werden. Wenn der Ausbau des Museums beendet ist, sollen dort die neuen Erkenntnisse aufgearbeitet werden.

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Die Ehrenamtler Michael Hohmeier (l.) und Dieter Hüttenrauch am Eingang zum Museum: Am vergangenen Sonntag haben sie das Museum geöffnet – eine typische „Arbeit“ der Ehrenamtler des Vereins.

Die Ehrenamtler Michael Hohmeier (l.) und Dieter Hüttenrauch am Eingang zum Museum: Am vergangenen Sonntag haben sie das Museum geöffnet – eine typische „Arbeit“ der Ehrenamtler des Vereins.

Die Ehrenamtler Michael Hohmeier (l.) und Dieter Hüttenrauch am Eingang zum Museum: Am vergangenen Sonntag haben sie das Museum geöffnet – eine typische „Arbeit“ der Ehrenamtler des Vereins.

Baumberg. In diesen schnelllebigen Zeiten wirkt das alte Römerkastell Haus Bürgel fast schon wie ein beruhigender Fels in der Brandung. Und wer einmal im dortigen Museum war, der weiß, dass der Bau in der Regierungszeit von Kaiser Constantin, 306 bis 337, entstanden ist.

Allerdings bietet sich demnächst ein weiterer Besuch im Museum an. Das wird nämlich derzeit nicht nur ausgeweitet, sondern aktuelle Grabungen von Archäologen belegen: Haus Bürgel ist deutlich später gebaut worden.

"Um 450 war die Zeit der Römer am Rhein endgültig vorbei. Damit haben wir eine klare Grenze nach oben. Nun müssen neue Grabungsfunde Klarheit bringen", erläutert Michael Hohmeier.

Der Sprecher und Archivar der Stadtverwaltung ist nicht nur beruflich voll in der Thematik. Als Geschäftsführer und Ehrenamtler der Interessengemeinschaft Haus Bürgel verbringt er auch viel Freizeit rund um die alten Gemäuer.

Und deren Geheimnisse sollen nicht nur Stück für Stück gelüftet werden. Im neuen Museumsraum werden die Erkenntnisse dann auch präsentiert. Hohmeier hofft, dass Eröffnung spätestens zum Tag des Denkmals am 13. September ist.

Das Kastell hatte einen militärischen Zweck: Es handelte sich um eine Grenzbefestigung auf der linken Rheinseite gegen die immer gefährlicher werdenden Germanen. Rechtsrheinisch hatten die Römer sich längst zurückgezogen. Um 450 nach Christus wurde das komplette Rheinland aufgegeben. Die Römer hatten der Wucht der Völkerwanderung nicht mehr viel entgegenzusetzen. Die Römer hatten Standardmaße für ihre Kastelle. Bei Haus Bürgel handelt es sich mit 64 mal 64 Metern um eine kleinere Form. Der Name Bürgel bedeutet so viel wie kleine Burg.

"Interessengemeinschaft Urdenbacher Kämpe - Haus Bürgel" ist der Name des Vereins, der 1989 gegründet wurde. Er hat 54 Mitglieder. Pro Jahr kostet die Mitgliedschaft 30 Euro, Schüler und Studenten bezahlen 12,50 Euro. Wer mehr über den Verein und dessen ehrenamtliche Aktivitäten wissen möchte, kann sich unter Telefon 951472 an Geschäftsführer Michael Hohmeier wenden.

Das Museum auf Haus Bürgel am Urdenbacher Weg ist jeden Sonntag von 14.30 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt zwei Euro, Schüler/Studenten bezahlen einen Euro.

65 000 Euro stehen für die Erweiterung - es handelt sich um einen bisher nicht genutzten Raum - zur Verfügung. 40 000 Euro davon fließen aus der NRW-Landesstiftung, der Haus Bürgel gehört. Die übrigen 25 000 Euro bezahlt der Verein.

Das Puzzle der genauen Bauzeit des Kastells ist beileibe nicht der einzige historische Krimi am Urdenbacher Weg. Was geschah nach dem Rückzug der Römer? Wurde Haus Bürgel direkt von Franken bewohnt, oder musste es erst wieder aufgebaut werden? "Die Archäologen haben Brandschichten gefunden. Erste urkundliche Erwähnungen finden sich erst im elften Jahrhundert", weiß Hohmeier zu erzählen.

Fundament der ältesten Kirche der Gemeinde Zons

Danach wird das Bild klarer. Der Stadtarchivar kann sogar genau terminieren, wann Haus Bürgel rechtsrheinisch wurde, weil der Rhein bei einem starken Hochwasser sein Flussbett verlegt hatte: Das war 1374. Und bis Ende der 1980er Jahre gehörte der Bau den Grafen von Nesselrode. Die verkauften an die NRW-Stiftung. Museum, Biologische Station und Familie Reuter mit ihrer Kaltblutzucht haben dort ihr Domizil.

An weiteren Ausgrabungen dürften übrigens auch Zonser interessiert sein. Denn Bürgel gehöre einst zur Gemeinde auf der anderen Rheinseite. Und die erste Kirche dort wurde im Mittelalter innerhalb der Gemäuer des Kastells gebaut. "Die Fundamente sind noch da. Derzeit fehlt dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege aber das Geld zur Rekonstruktion", so Hohmeier.

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