Seit mehr als 20 Jahren betreuen Eva und Horst Preuß die Angerapper Heimatstube.

Eva und Horst Preuß halten seit vielen Jahren die Angerapper Heimatgeschichte im Stadtgeschichtshaus wach.
Eva und Horst Preuß halten seit vielen Jahren die Angerapper Heimatgeschichte im Stadtgeschichtshaus wach.

Eva und Horst Preuß halten seit vielen Jahren die Angerapper Heimatgeschichte im Stadtgeschichtshaus wach.

Simone Bahrmann

Eva und Horst Preuß halten seit vielen Jahren die Angerapper Heimatgeschichte im Stadtgeschichtshaus wach.

Mettmann. "So lange die Füße tragen, werden wir es weitermachen", sagt Eva Preuß (77). Mit ihrem Mann Horst (81) betreut sie die Angerapper Heimatstube im Stadtgeschichtshaus an der Mittelstraße - seit mehr als 20 Jahren. So lange gibt es die Heimatstube, die von der Kreisgemeinschaft der Angerapper Ende des vergangenen Jahres an die Stadt Mettmann als Schenkung übertragen wurde.

Eva Preuß stammt aus dem ostpreußischen Angerapp. Im Oktober 1944 floh sie mit ihrer Familie vor der heranrückenden Roten Armee. Horst Preuß stammt aus dem ostpreußischen Neidenberg, überlebte als Soldat das Ende des Zweiten Weltkriegs. In Bückeburg lernten sich beide kennen. Ende der 50er-Jahre kam das junge Paar nach Mettmann. Horst Preuß arbeitet 33 Jahre als Gerichtsvollzieher am Mettmanner Amtsgericht.

"Hier kann man sich ein Stückchen Heimat einfangen."

Eva Preuß

Für das Ehepaar Preuß ist die Angerapper Heimatstube, in der über 500 Ausstellungsstücke zu entdecken sind, ein Rückzugsort, an dem sie in ihre eigene Geschichte abtauchen können. Eine Geschichte, die sie mit den Menschen teilen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Heimat im Osten verloren. Das wollen sie vor dem Vergessen bewahren. Und dazu fühlen sie sich sogar moralisch verpflichtet. "Das sind wir unseren Vorfahren schuldig", sagt Horst Preuß.

Die Geschichte von Flucht und Vertreibung sei aber auch ein Teil der Mettmanner Stadtgeschichte. "Flüchtlinge und Vertriebene kamen auch nach Mettmann und wurden hier aufgenommen", sagt Horst Preuß. Auch dieses Kapitel der Geschichte müsse in der Erinnerung bewahrt werden.

Nach 1945 hat Mettmann rund 10000 Flüchtlinge und Vertriebene aufgenommen. Die Unterbringung der Menschen aus den Ostgebieten, aber auch ihre Integration in die neue Heimat gestaltete sich schwierig. Sie waren anfangs isoliert. Die Flüchtlinge schlossen sich zu Landsmannschaften zusammen. "Und wat es met userem Brauchtum?" fragten die Mettmanner und gründeten deshalb 1954 die Bürger- und Heimatvereinigung "Aule Mettmanner".

Angerapp (heute: Ozersk) liegt im Nordosten Ostpreußens und hieß bis 1938 Darkehmen. Dies war gleichzeitig auch der Name der Kreisstadt bis zur Umbenennung nach dem gleichnamigen Fluss Angerapp.

Der Landkreis Angerapp gehörte zu den ersten ostpreußischen Kreisen, in die 1944 Sowjettruppen eindrangen. Die Überlebenden wurden in alle Winde zerstreut. 1947 begannen einige Angerapper nach dem Verbleib von Landsleuten zu forschen und erste Daten zu sammeln.

Die Landsmannschaft Ostpreußen, im Jahre 1948 gegründet, suchte im Westen Patenschaften für ostpreußische Städte und Gemeinden.

Im Jahre 1954 hat Mettmann die Patenschaft mit der Stadt Angerapp besiegelt. Ein Jahr später wurde der Patenschaftsvertrag auf den gesamten Kreis Angerapp ausgedehnt. Seitdem treffen sich die Angerapper alle zwei Jahre in Mettmann.

Die Angerapper Heimatstube wurde 1988 im Stadtgeschichtshaus, Mittelstraße 10, eingerichtet. Sie ist jeden Samstag von 10 bis 12 Uhr geöffnet.

Im selben Jahr beschloss der Mettmanner Rat, die Patenschaft über das ostpreußische Angerapp zu übernehmen. Ein Jahr später wurde die Patenschaft auf den Kreis Angerapp ausgedehnt. Seitdem treffen sich alle zwei Jahre ehemalige Angerapper, die über ganz Deutschland verstreut leben in Mettmann.

Exponate wurden für die Heimatstube sogar angekauft

In der Angerapper Heimatstube landeten im Laufe der vielen Jahre "Erinnerungsstücke, die die Menschen im Fluchtgepäck hatten". Andere Stücke wie zwei Schützenketten aus den 1920er-Jahren, stammen aus Antiquitätengeschäften.

"Die Ketten hatte ein Mann in München entdeckt. Ein ehemaliger Gutsbesitzers aus dem Kreis Angerapp, der Bund und die Kreisgemeinschaft Angerapp kaufte die Ketten für die Heimatstube", sagt Eva Preuß. Wertvolle Gemälde, ein großer schwerer barocker Schrank, alte Fotografien , Bücher, Wäsche, Urkunden, Zeugnisse und vieles mehr - alles hat Eva Preuß genau dokumentiert und katalogisiert.

Mit zwei ihrer drei Söhne und Enkelkindern waren Preuß’ vor drei Jahren in ihrer alten Heimat, durch die sich die polnisch-russische Grenze zieht. "Die Landschaft, die Burgen, die Weite des Landes, die Kinder waren ganz umgekrempelt, wie man in Ostpreußen sagt", erinnert sich Eva Preuß. Und ihr Sohn sagte, dass es die schönsten Ferien seines Lebens waren. Eva Preuß: "Das war für meinen Mann und mich wie ein Geschenk."

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