Die Verdächtigen arbeiten für ein Erkrather Bordell.

Wuppertal/Erkrath. Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung: So steht es in der Anklageschrift, die gestern vor dem Wuppertaler Landgericht verlesen wurde. Die Vorwürfe gegen zwei Männer aus Nigeria wiegen schwer. Sie sollen vier junge Frauen aus Nigeria nach Deutschland geschleust und hier zur Prostitution gezwungen haben. Zwei davon sollen länger als ein Jahr in einem Erkrather Bordell ge wohnt und gearbeitet haben.

„Sie sollten ihre Zeit mit nichts anderem als mit Prostitution verbringen“, gab der Staatsanwalt einen Einblick in die Abläufe. Kaum war der Freier aus dem Zimmer, sollen die Angeklagten vor der Türe gestanden haben, um das Geld zu kassieren. Zweifel der Frauen bis hin zur Weigerung wurden mit Druck und Einschüchterungen unterdrückt.

Den Frauen wurde gedroht, ihre Familien seien in Gefahr

Das Druckmittel: Ein Schwur der Frauen, den sie noch in Nigeria geleistet hatten. Dafür war ihnen Blut abgenommen worden, um es mit abgeschnittenen Haaren und Fingernägeln zu vermischen. Das ganze kam in einen Schrein und wurde beschworen. Die Drohung: Würden sich die Frauen nicht freikaufen, wären sie selbst und ihre Familien in Gefahr. Mit gefälschten Papieren wurden die Frauen von einer bislang unbekannten Mittäterin in Nigeria in ein Flugzeug gesetzt, während die beiden Männer auf dem Flughafen warteten, um die 19 und 20 Jahre alten Frauen ins Bordell zu bringen. Dort wurden sie mit „Arbeitskleidung“ ausgestattet – so liest es sich zumindest in der Anklageschrift.

Die Angeklagten hätten die Hilflosigkeit ihrer Opfer ausgenutzt, so die Staatsanwaltschaft. Man habe sie gezwungen, auch mit Schmerzen weiterzuarbeiten. Arztbesuche seien nur im Beisein der Angeklagten möglich gewesen, die dafür eine gefälschte Krankenkarte vorgelegt hätten. Hinzu sei noch gekommen, dass die beiden Männer die Frauen in eine Liebesbeziehung gelockt hätten, um sie später zum „Anschaffen“ zu zwingen.

Der wiederum ließ gestern von seinem Anwalt eine Einlassung verlesen, in der er jede Schuld bestreitet. Die Frauen hätten auf eigenen Wunsch nach Deutschland kommen wollen, von Voodoo-Ritualen habe er nichts gewusst. Ebenso wenig will er sie überwacht und abkassiert haben. Er habe zwar Geld von den Frauen genommen – allerdings nur, um es an deren Familien zu überweisen. Ins Rollen war die Angelegenheit gekommen, weil es polizeiliche Durchsuchungen und eine Steuerfahndung in dem Erkrather Bordell gegeben hatte. Einem Geschäftsführer war Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vorgeworfen worden.

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