Wenn Vater und Mutter trinken oder Drogen nehmen, ist der Alltag von Kindern von Unsicherheit und Sorgen geprägt. Es gibt ein Projekt.

Vielfach werden Suchterkrankungen verheimlicht, wie die Experten in den Beratungsstellen wissen. Archiv
Vielfach werden Suchterkrankungen verheimlicht, wie die Experten in den Beratungsstellen wissen. Archiv

Vielfach werden Suchterkrankungen verheimlicht, wie die Experten in den Beratungsstellen wissen. Archiv

Avanti/Ralf Poller

Vielfach werden Suchterkrankungen verheimlicht, wie die Experten in den Beratungsstellen wissen. Archiv

Kreis Mettmann. Wenn Eltern unter Ängsten, Depressionen oder Suchterkrankungen leiden, verändert sich auch das Leben ihrer Kinder. Der gewohnte Lebensrhythmus wird unterbrochen, das vertraute Miteinander fehlt.

Der Alltag ist durch Unsicherheit und Sorgen geprägt. Soziale Beziehungen leiden ebenso wie die berufliche Leistungsfähigkeit. Das Familiengefüge gerät aus dem Gleichgewicht. Für Kinder ist ein solches Geschehen mit großen emotionalen Belastungen und dem Gefühl von Haltlosigkeit verknüpft. „Suchterkrankungen werden oftmals verheimlicht“, weiß Katja Neveling.

Kinder spüren, dass etwas nicht in Ordnung ist

Die Leiterin der Caritas-Suchthilfe kennt derartige Situationen aus der Beratungsarbeit und dem Kontakt mit betroffenen Familien. „Die Kinder spüren einfach nur, dass etwas nicht in Ordnung ist. Die Eltern sind mit ihrem Verhalten nicht mehr berechenbar“, erzählt sie von den Schwierigkeiten von Kindern im Umgang mit der Alkoholabhängigkeit eines Elternteils. Auch die sozialen Kontakte leiden oftmals unter der Unberechenbarkeit häuslicher Verhältnisse. Möglicherweise sitzt die Mutter gerade betrunken auf dem Sofa oder der Vater reagiert aggressiv. Freunde werden nicht eingeladen, um nicht Zeugen eines Geschehens zu werden, das nicht nur im sozialen Umfeld, sondern auch innerhalb der Familie längst zum Tabuthema geworden ist. Schuldgefühle, erhöhte Aufmerksamkeit und das nahezu zwanghafte Bemühen um Orientierung in unsicheren Situationen: Das alles seien Folgen derartiger Erfahrungen in Kindheit und Jugend, die oftmals bis ins Erwachsenenalter hineinreichen.

Leiden Eltern unter Depressionen oder Angststörungen und bleiben diese unausgesprochen, so bleibt auch das nicht ohne Folgen für die Kinder. „Das größte Dilemma ist die Sprachlosigkeit“, weiß Silke Forkert vom Förderkreis „Kipkel e.V“, wie schwer es oft fällt, mit Kindern über psychische Erkrankungen zu sprechen. Dabei sind die Folgen im Alltag meist gravierend. Butterbrote für die Schule einpacken, zum Sport begleiten, gemeinsame Wochenendausflüge: All das ist Müttern oder Vätern, die mit den Auswirkungen einer psychischen Erkrankung ringen, oft kaum noch möglich. Schwierig wird es vor allem dann, wenn die Kinder selbst zu viel Verantwortung übernehmen oder sich womöglich gar die Schuld geben. „Vor allem jüngere Kinder erkennen die Ursache nicht und beziehen Stimmungen schnell auf sich“, weiß Silke Forkert.

Oft seien es auch immer noch das Schamgefühl und die Angst vor gesellschaftlichen Reaktionen, die Depressionen oder Angststörungen zu einem Tabu werden lassen, mit dem sich Familien im Verborgenen quälen. „Manchmal wird auch befürchtet, dass das Jugendamt das Sorgerecht entzieht“, kennt Silke Forkert die Ängste. Auch wenn sie in den meisten Fällen unberechtigt sind, führen sie dazu, dass auch um psychische Erkrankungen in der Familie eine Mauer des Schweigens aufgebaut wird.

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