Der Ort, an dem die Knochen des berühmten Neanderthalers gefunden wurden, soll umgestaltet werden.

Erkrath/Mettmann
Architekt Jürg Steiner erläuterte mit Gerd C. Weniger und dem Jury-Vorsitzenden Matthias Pfeifer (v.l.) seinen von der Jury favorisierten Entwurf zur Umgestaltung des Neandertaler-Fundortes.

Architekt Jürg Steiner erläuterte mit Gerd C. Weniger und dem Jury-Vorsitzenden Matthias Pfeifer (v.l.) seinen von der Jury favorisierten Entwurf zur Umgestaltung des Neandertaler-Fundortes.

Dietrich Janicki

Architekt Jürg Steiner erläuterte mit Gerd C. Weniger und dem Jury-Vorsitzenden Matthias Pfeifer (v.l.) seinen von der Jury favorisierten Entwurf zur Umgestaltung des Neandertaler-Fundortes.

Erkrath/Mettmann. Es sieht aus wie eine Rampe, die sich spiralförmig in die Höhe windet. Neben kurzen Anstiegen folgen immer wieder gerade Strecken, dann geht es weiter nach oben. Dabei ist das gesamte Objekt, das einen Durchmesser von zwölf Metern hat, nach allen Seiten offen und gibt rundum den Blick in die Umgebung frei. In der Mitte befinden sich Tafeln, auf denen Bilder und Texte auf die lange Geschichte des Ortes hinweisen – auf die Fundstelle des Neandertalers. Unten laden Sitzplätze zum Verweilen an, auch dort gibt es weitere Möglichkeiten, sich zu informieren. Wenn es nach Architekt Jürg Steiner geht, wird die Fundstelle nur wenige Meter vom Museum entfernt in ein paar Jahren so aussehen.

Entwurf der Steiner AG Berlin ist der Favorit

„Genial“, findet Matthias Pfeifer die Idee. Schon lange habe man überlegt, wie man auf die Fundstelle hinweisen könne, und zwar in der damaligen Topografie. „Denn die Höhle, in der die Knochen damals gefunden wurden, lag in 22 Metern Höhe“, erklärt Gerd-Christian Weniger, Direktor des Neanderthal Museums. Der Entwurf der Steiner AG Berlin ist deshalb ihr Favorit, weil er die Höhe mit eingebunden und umgesetzt habe, und barrierefrei ist. Pfeifer ist Vorsitzender der Empfehlungskommission, die sich aus Experten aus Architektur, Museologie und Tourismus sowie Vertretern der der Stiftung Neanderthal Museum, des Kreises und den beiden Städten Mettmann und Erkrath zusammensetzt. Das Ziel: die Fundstelle umzugestalten, besser an das Museum anzubinden und attraktiver für Touristen zu machen. Vier Entwürfe wurden dazu von Architekturbüros geliefert, die sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Thema auseinandersetzten. 750 000 Euro hatte das Neanderthal Museum ursprünglich für diese Maßnahme veranschlagt, ein Betrag, der wohl nicht zu halten ist, wie Gerd-Christian Weniger inzwischen eingesehen hat. Auch der favorisierte Entwurf des Turmes ist noch lange nicht der endgültige Entwurf. „Dort hat man sich nur auf den Turm selbst, aber nicht auf die Gestaltung des Weges dorthin konzentriert“, so Weniger. Die Entwickler sollten daran noch nacharbeiten.

Deshalb sei der Weg für die anderen Entwürfe durchaus noch nicht verschlossen. Zweiter Favorit der Kommission ist nämlich der Entwurf „resd Köln“, das den „Pfad des Neanderthalers“ entwickelt hat.

Dabei geht es nicht in die Höhe, sondern einen Weg entlang, der an zehn Standpunkten auf die Geschichte hinweist und den Besuchern die Gelegenheit gibt, sich interaktiv zu informieren. So können Kinder an einer Grabungsstelle selbst die Schaufel in die Hand nehmen. Höhepunkt des Pfades ist eine 20 Meter hohe Stele, die den damaligen Lebensraum des Neandertalers markiert. Diese soll zusätzlich bei Dunkelheit durch einen sogenannten Lichtschnitt markiert werden.

Früher war das Neandertal eine etwa 50 Meter tiefe, enge Schlucht. Seit dem 18. Jahrhundert tauchte sie unter der Bezeichnung Hundsklipp oder Gesteins regelmäßig in Reiseberichten auf. Die Kleine Feldhofer Grotte hütete über 40 000 Jahre lang unbemerkt die Knochen des Neanderthalers. Erst mit der Zerstörung der Felsen durch den Kalkabbau gelangten die Fossilien 1856 an das Licht der Öffentlichkeit und begründeten den weltweiten Ruhm des Ortes. Die Feldhofer Grotte jedoch ging durch den Kalkabbau für immer verloren.

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