Wenn im Juli 2017 die Radfahrer auf die Strecke gehen, wollen sich die Städte in Szene setzen und die Chance nutzen, für sich zu werben.

Kreis Mettmann. In der Nachbarstadt Düsseldorf versucht Oberbürgermeister Thomas Geisel, Geld für die Tour de France einzusammeln. Der Foto-Künstler Andreas Gursky hat 45 Drucke zur Unterstützung des Tour-Starts in Düsseldorf gespendet. Sie werden in einem Sponsoring-Paket für 50 000 Euro je Druck verkauft. Fast zwölf Millionen lässt sich die Landeshauptstadt den Start der Tour de France im kommenden Jahr kosten. Immerhin: Ein paar Unternehmen haben die Gursky-Drucke bereits gekauft.

Ein wenig Geld in die Hand nehmen und von der Tour profitieren wollen aber auch Erkrath, Mettmann und Ratingen. Einen Tag nach dem Start, dem Grand Depart in Düsseldorf, führt die zweite Etappe am Sonntag, 2. Juli, durch das Neandertal, Mettmann und Ratingen. „Das Neanderland wird die Chance nutzen, sich der Weltöffentlichkeit als sympathische, weltoffene Region zu präsentieren“, hieß es vor kurzem im Ausschuss für Kultur und Tourismus des Kreises.

Die Städte im Kreis gehen offenbar von einem „riesigen Medieninteresse“ aus. Durch das erhöhte Gästeaufkommen werden Hotels, Einzelhandel und Gaststätten profitieren – da ist sich der Kreis jetzt schon sicher. Unter Aufsicht der Kreisverwaltung haben die Marketing-Verantwortlichen der beteiligten drei Städte und das Neanderthal-Museum eine Projektgruppe gegründet. Sie setzten darauf, dass man mit Kommunikation und Marketing die Region und vor allem das Image der Städte bekannter machen kann.

Um das mit Zahlen zu untermauern, hat sich der Kreis Daten aus der niederländischen Stadt Utrecht angeschaut, wo die Tour de France im Jahr 2015 zu Gast war. Aus Utrecht in die weite Welt wurden 575 Stunden TV-Bilder gesendet, die insgesamt 23 Millionen Zuschauer erreicht haben sollen. Allerdings: Für 2017 ist derzeit noch nicht bekannt, ob die Tour de France überhaupt in der ARD gesendet wird. Der Sender war zwischenzeitlich sogar ganz aus der Berichterstattung ausgestiegen, weil das Radrennen durch mehrere Doping-Skandale erschüttert wurde. Über den Sender Eurosport wird die Tour allerdings in weltweit 54 Länder übertragen. Der Kreis Mettmann geht davon aus, dass allein in Düsseldorf mindestens eine Million Zuschauer erwartet werden. 80 Prozent der Gäste sollen nicht in der Landeshauptstadt wohnen, Hauptanteil sind Familien mit Kindern. Man erwartet, dass die Zuschauer im Schnitt sechs Stunden an der Strecke bleiben. Denn interessant sei nicht nur das Rennen selbst. Im niederländischen Utrecht war eine mehr als 100 Fahrzeuge starke Werbekolonne unterwegs, die 15 Millionen Werbegeschenke an die Zuschauer verteilte.

Helikopteraufnahmen liefern spektakuläre Fernsehbilder

Worauf die Städte im Kreis besonders setzen: Die Darstellung der Etappenorte mit Fokus auf den touristischen Highlights sei ein fester Bestandteil der Fernsehübertragungen. Helikopteraufnahmen lieferten immer wieder spektakuläre Bilder. Bei der Tour de France werde die gesamte Region rund um die Strecke vorgestellt. In Absprache mit den drei Etappenstädten Erkrath, Mettmann und Ratingen und dem Neanderthal Museum werden nun Vorschläge gesammelt, wie die Orte für das Fernsehen am besten in Szene zu setzen sind. Dazu gehört offenbar auch, dass der Kreis Landwirte ermuntern möchte, das Logo des Neanderlands auf ihren Feldern anzubringen, die dann vom Helikopter aus gefilmt werden. Denkbar sei aber auch, dass die Bewohner der Städte am Tour-Tag alle einheitliche Farben in den Farben der begehrten Tour-Trikots Gelb oder Grün tragen. Noch sind das alles nur Ideen. Zur Umsetzung steht aber schon Geld im Haushalt: 100 000 Euro.

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