Stefanie Voos hat ihre wichtigsten Lebenserfahrungen auf hoher See gemacht.

Stefanie Voss vor einem Bild ihres Großvaters, Dr. Jörgen Meyer, der als Einhandweltumsegler seit seiner zweiten Umrundung als verschollen gilt. Die Geschichte ihres Großvaters hat sie stets fasziniert.
Stefanie Voss vor einem Bild ihres Großvaters, Dr. Jörgen Meyer, der als Einhandweltumsegler seit seiner zweiten Umrundung als verschollen gilt. Die Geschichte ihres Großvaters hat sie stets fasziniert.

Stefanie Voss vor einem Bild ihres Großvaters, Dr. Jörgen Meyer, der als Einhandweltumsegler seit seiner zweiten Umrundung als verschollen gilt. Die Geschichte ihres Großvaters hat sie stets fasziniert.

Stefan Fries

Stefanie Voss vor einem Bild ihres Großvaters, Dr. Jörgen Meyer, der als Einhandweltumsegler seit seiner zweiten Umrundung als verschollen gilt. Die Geschichte ihres Großvaters hat sie stets fasziniert.

Mettmann. Nein, über das Segeln, über Wellen und Wassererlebnisse ging es bei Stefanie Voss’ Vortrag weniger. Wenngleich die Wahl-Mettmannerin, die von 1999 bis 2000 14 Monate die Welt umsegelte, dazu einiges berichten könnte. „Anstelle der Geschichten über große Stürme und schwierige Hafeneinfahrten möchte ich Ihnen von Erfahrungen erzählen“, begrüßte sie am Montagabend die Zuhörer in der Stadtbücherei.

„Mach’ jeden Tag eine Sache, vor der Du Angst hast.“

Eleanor Roosevelt

„Ich war damals für meinen Arbeitgeber im Ausland, in Buenos Aires, und sollte nach Sao Paulo, Brasilien, versetzt werden.“ Anstelle dessen nahm die damals 25-Jährige sich ein sogenanntes Sabbatjahr und heuerte auf dem Schiff „Fegewind“ nach dem Motto „Hand gegen Koje“ an.

Das Leben im Mikrokosmos Schiff war ein Selbsterfahrungsseminar

„Ein Schiff ist ein Mikrokosmos und war so etwas wie ein ständiges Selbsterfahrungsseminar.“ 17 Schlafplätze und zwei Toiletten gab es auf dem 20-Meter-Schiff. Keine Vorhänge, keine Dusche, keinen Kühlschrank und keinen Autopiloten. „Wir haben viel improvisiert.“ Kochen, backen und Hochseefischen hat sie an Bord gelernt – und andere wichtige Dinge fürs Leben. „Wer viel redet, erfährt wenig Neues“, beispielsweise oder „die Individualität jedes Einzelnen gelten zu lassen. Anders lassen sich Konflikte nämlich nicht aushalten, wenn Du mit jemandem 15 Tage am Stück auf See bist und dem anderen nie aus dem Weg gehen kannst.“

Die Erkenntnis, nicht das Maß aller Dinge zu sein, hat die inzwischen verheiratete Mutter zweier Kinder fest ins Bewusstsein verankert. Auch, dass es an Bord keine Demokratie gibt („der Kapitän ist der Chef, was er sagt, wird gemacht“), akzeptierte sie schnell. „Klare Regeln zu kommunizieren und sie einzuhalten, das hat mir sehr geholfen.“

Sie heißt Stefanie und will auch so genannt werden

Denn dadurch lernte sie, klar Wünsche und Ansprüche zu formulieren. „Wenn ich mich jetzt zum Beispiel vorstelle, sage ich ‚Ich heiße Stefanie – und möchte auch sogenannt werden.’ 80 Prozent der Leute kürzen den Namen automatisch auf ‚Steffi’, das finde ich doof, weil es auch gar nicht zu mir passt.“

Stefanie wurde 1974 in Leverkusen geboren. Als Wahl-Mettmannerin lebt sie seit vielen Jahren in Mettmann. Sie ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern.

Nach einer Ausbildung zur Wirtschaftsassistentin arbeitete sie unter anderem für den Bayer-Konzern in Europa, den USA und Lateinamerika. Von 1999 bis 2000 umsegelte sie auf einer 20-Meter-Yacht die Welt. Vor drei Jahren hat sich Stefanie Voss als Moderatorin und Trainerin selbstständig gemacht. „Cutwater“ heißt ihr Unternehmen. „Ich konzipiere Veranstaltungen mit dem Ziel, das Eis zu brechen und Menschen zu vernetzen. Abholen, bewegen und und begeistern – so schaffe ich ein besonderes Erlebnis für alle Teilnehmer“, sagt sie.

50 000 D-Mark kostete sie die Reise über den Pazifischen und Indischen Ozean zurück nach Europa. Abstecher machte sie nach Vietnam und durch Teile Nordamerikas. Das Fazit dieses Abenteuers ist für Stefanie Voss, die sich inzwischen als Kommunikationstrainerin selbstständig gemacht hat, positiv: „Es war für mich ein Riesenschritt nach vorne.“

Natürlich gelten Aussagen und Schlussfolgerungen hauptsächlich für sie selbst, durch Vorträge wie in der Stadtbücherei möchte sie andere „ermutigen, Sachen ruhig mal anders zu machen“. Zur Erinnerung bekam jeder Gast am Ende des Vortrages ein Geschenk. Auf einer quadratischen Magnettafel steht ein Eleanor Roosevelt-Motto: „Mach’ jeden Tag eine Sache, vor der Du Angst hast.“

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