Busfahrer Andreas Nixdorf betreibt seit drei Jahren das Internetradio SQRR.

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„Ich sende live aus der Sendehöhle Neandertal“, sagt Andreas Nixdorf.

„Ich sende live aus der Sendehöhle Neandertal“, sagt Andreas Nixdorf.

Stefan Fries

„Ich sende live aus der Sendehöhle Neandertal“, sagt Andreas Nixdorf.

Mettmann. Andreas Nixdorf ist Busfahrer bei der Rheinbahn – ein Job ohne große Höhen und Tiefen. Nach Feierabend warten Frau Britta mit dem kleinen Sohn Alexander im heimischen Wohnzimmer auf ihn. Dort schaut die Familie fern oder kümmert sich um Katzen und Aquarien. Ein Familienleben für sechs Tage in der Woche. Aber sonntags lässt es Nixdorf krachen: Dann wird das gemütliche Wohnzimmer zur „Sendehöhle“ und der hünenhafte 41-Jährige zu DJ Yeti, der in seiner eigenen Sendung Rockscheiben von AC/DC bis ZZ Top spielt.

PC, Kopfhörer, Musikdateien und ein Computerprogramm

Seit mehr als drei Jahren betreibt Nixdorf das Internetradio SQRR („Status Quo rockt“- Radio), das aus einer Webseite für Fans der britischen Band Status Quo entstand. „Ich habe mich immer geärgert, dass auf den normalen Radiosendern nicht mehr Musik für Rock-Fans oder von unbekannten Bands läuft“, sagt Nixdorf, der seit 30 Jahren Status Quo hört.

Daraus entstand im Internetforum die Idee, ein eigenes Radio aufzuziehen, das über das Netz gesendet wird. Die Idee ist erfolgreich: Momentan laufen montags bis sonntags jeden Abend ab 20 Uhr Radioshows in CD-Qualität mit „open end“ – eine davon von DJ Yeti.

Technisch hat sich Nixdorf alles so eingerichtet, dass es im Wohnzimmer funktioniert. PC, Kopfhörer, eine Menge MP3-Musikdateien und ein Computerprogramm, das die Sendung in einen sogenannten Livestream umwandelt, reichen aus. Der Rest ist viel Herzblut, denn DJ Yeti moderiert seine Sendung natürlich oder spielt zwischendurch Jingles ab, in denen sogar bekannte Künstler wie Suzi Quatro oder Bandmitglieder von Status Quo SQRR als Radiosender anpreisen.

Neue Musikgruppen schicken Nixdorf Demobänder

Denn eins ist sicher: SQRR ist alles andere als eine Wohnzimmersache. Nixdorf kennt mittlerweile Musiker, teilnehmende DJs und Hörer aus aller Welt. Und man kennt DJ Yeti, denn neue, unbekannte Bands schicken ihm immer öfter ihre Musik, um auf sich aufmerksam zu machen. Veranstalter wie die von der Diskothek Rock Temple in Kerkrade oder aus umliegenden Städten melden sich nach dem Hören ebenfalls bei Nixdorf, um die Bands buchen zu können. Der stellt dann den Kontakt her.

Das Internetradio funktioniert über Livestreaming, das heißt, dass von einem Computer über das Internet ein Datenfluss gesendet wird, der zeitgleich („live“) an einem anderen Ort ausgelesen, also in diesem Fall gehört werden kann.

 

www.sqrr.de

13 Discjockeys legen für das Internetradio auf. Sie kommen aus verschiedenen Teilen Deutschlands. Bis zu 50 Hörer verfolgen das Radio täglich, bei speziellen Events kann der Stream auf mehrere 100 erweitert werden.

Abends ab 20 Uhr. Montag: DJ Richie (Classics, Glam Rock); Dienstag: DJ Ralle (Rock) im Wechsel mit DJ RoNo (Boogie); Mittwoch: DJ Boogieman (Boogie); Donnerstag DJ Zakk (Hardrock); Freitag: DJ Oldwoodstock (Rock); Samstag: DJ Rainer (Hardrock); Sonntag: ab 10.30 Uhr DJ Pepe (Heavy Metal), abends DJ Yeti (Classic Rock).

So manche Band denkt sich auch etwas Besonderes für SQRR aus. So werden nicht nur Konzertkarten verlost: „Die Rockband Heavy Rain hat schon mal ein Konzert in unserem Wohnzimmer gegeben“, sagt Nixdorf schmunzelnd. „Und Bands wie Fiddler’s Green geben uns ihre CD’s vor der Veröffentlichung. Dann spielen wir sie als Erste.“ In solchen Fällen sind die Kapazitäten des Internetstreams schnell erreicht.

Alle, die an SQRR teilnehmen, tun das hobbymäßig. „Mancher hat gesagt, das klappt nicht lange. Aber ich liebe alles, wovon die Leute sagen, dass es bekloppt sei – hinterher finden es dann alle Klasse, dass es doch funktioniert“, sagt Andreas Nixdorf nicht ohne Stolz.

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