Nicht gleich beim ersten Versuch gelang Friedrich Fritz die Sprengung.

Seibelgelände
Beim zweiten Sprengversuch gab der robuste Schornstein auf dem Seibelgelände dann doch noch klein bei.

Beim zweiten Sprengversuch gab der robuste Schornstein auf dem Seibelgelände dann doch noch klein bei.

Heute steht eine Seniorenresidenz auf dem Gelände.

Simone Bahrmann,, Bild 1 von 2

Beim zweiten Sprengversuch gab der robuste Schornstein auf dem Seibelgelände dann doch noch klein bei.

Mettmann. An den 9. August 1992 wird sich Friedrich Fritz wohl noch lange erinnert haben. Es war ein Tag voller Pleiten, Pech und Pannen für den Sprengmeister, der für diesen warmen Sommertag vor 20 Jahren eine ganz besondere Sprengung in seinen Terminkalender eingetragen hatte. Auf dem Seibelgelände wartete der alte Schornstein darauf, in Schutt und Asche zu gehen.

Ausflüge in die Stadtgeschichte

Das gute Stück hatte seinen Dienst getan und war mehr oder weniger zum Schandfleck geworden. Für das Gelände gab es andere Pläne, das Relikt aus längst vergangenen Zeiten hatte endgültig ausgedient. Es war also alles vorbereitet für die imposante Sprengung. Die Feuerwehr war angerückt, 45 Mann waren im Einsatz. Die Stellen, an denen der Schornstein aufschlagen sollte, wurden gewässert. So sollte verhindert werden, dass die halbe Stadt von einer Staubwolke vernebelt wird.

An der Johannes-Flintrop-Straße wurde der Verkehr über den Goldberg umgeleitet. Auch dort wollte man kein Risiko eingehen und es deshalb vermeiden, dass leichtsinnige Autofahrer dem Spektakel nebenan und nicht dem Verkehr folgten. Mehr als 100 Schaulustige waren gekommen, um hinter den Absperrungen das Spektakel zu verfolgen. Der Sprengstoff war befestigt, die Sprengung war auf 16 Uhr terminiert. Alle schauten gebannt auf die Uhr, die Kameras waren gezückt. Das Warnsignal ertönte zweimal. Es knallte – und der Schornstein blieb stehen. Ungläubige Blicke bei den Beteiligten, der Sprengmeister war entsetzt: „Das ist mir in 37 Jahren noch nicht passiert“, konnte sich Friedrich Fritz das Ereignis nicht erklären.

Aus der Menge kamen die ersten Lacher. Man mutmaßte, dass der Sprengmeister sich auch schon am Düsseldorfer Arag-Hochhaus versucht haben könnte, das zuvor ebenfalls der Vernichtung getrotzt hatte. Nach einer kurzen Lagebesprechung wurden die Sperren aufgehoben, der Verkehr auf der Johannes-Flintrop-Straße floss wieder. Die Verantwortlichen grübelten über das Ereignis nach und suchten fieberhaft nach Ursachen.

Nach der ersten Sprengung war nur die innere Wand eingestürzt

Erste Überlegungen des Sprengmeisters ergaben, dass es wohl die besondere, zweiwandige Konstruktion gewesen sein könnte, die das Projekt im ersten Anlauf scheitern ließ. Nur die innere Wand war eingestürzt, nach außen hatte sich der Schornstein nichts anmerken lassen. Unbeeindruckt von so viel Standfestigkeit wurde ein zweiter Versuch anberaumt. Der inzwischen eingerollte Bewässerungsschlauch wurde erneut verlegt. Zweieinhalb Kilo Ammon Gellit wurde an drei Stellen im Turm angebracht, um ihn gleichzeitig an mehreren Stellen brechen zu lassen.

Der Sprengmeister gab zu, einen schlechten Tag gehabt zu haben

2006 haben Paul Breitner, Fußball-Weltmeister von 1974, sowie sein Partner, der Velberter Architekt Gustl Lotz, die 8000 Quadratmeter große Industriebrache gekauft, um eine Seniorenresidenz und Wohnungen darauf zu setzen. 16 Millionen Euro wurden für das Bauvorhaben veranschlagt.

Der Verkehr wurde wieder umgeleitet, die Kameras waren nochmals gezückt. Um 18.18 Uhr erschallte das Warnsignal, es knallte und erstmal tat sich wieder nichts. Erst einige, unendlich lange Sekunden später kam die zweite Detonation, lauter und heftiger als die erste. An drei Stellen brach der Schornstein und fiel in sich zusammen wie ein Kartenhaus. „Er ist so gefallen, wie ich es mir vorgestellt habe“, kommentierte Sprengmeister Fritz das Geschehen.

Später räumte er allerdings ein, einen schlechten Tag gehabt zu haben. Nach dem gescheiterten ersten Versuch hatte es beim zweiten Probleme mit der Zündanlage gegeben, was die Verzögerung verursachte. Jedenfalls war der Seibel-Schornstein endlich Geschichte geworden. Die 250 Kubikmeter Stein blieben übrigens auf dem Gelände, sie waren zuvor gereinigt worden.

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