Die Kirche will ihr Gemeindehaus schließen. Bürger fühlen sich isoliert.

Wird das Gemeindehaus in Obschwarzbach aufgegeben, droht das gesellschaftliche Leben einzuschlafen.
Wird das Gemeindehaus in Obschwarzbach aufgegeben, droht das gesellschaftliche Leben einzuschlafen.

Wird das Gemeindehaus in Obschwarzbach aufgegeben, droht das gesellschaftliche Leben einzuschlafen.

Stefan Fries

Wird das Gemeindehaus in Obschwarzbach aufgegeben, droht das gesellschaftliche Leben einzuschlafen.

Obschwarzbach. "Wenn das Gemeindehaus geschlossen würde, wäre das fürchterlich", sagt Kurt Lessing, der 1. Vorsitzende des Bürgervereins Ob- und Niederschwarzbach. Die Evangelische Kirchengemeinde Mettmann will sich von dem Objekt in dem abgelegenen Ortsteil am Rande der Stadt trennen. Pfarrer Ernst Schmidt: "Die evangelische Kirche wird auch zukünftig neben den Gottesdiensten ihre gemeindliche Arbeit in Obschwarzbach tun und dort auch präsent sein." Doch dafür brauche man nicht ein so großes Haus. Einbrüche bei der Kirchensteuer zwingen die Gemeinde zum Handeln. Pfarrer Schmidt: "Wir planen, das Gemeindehaus aufzugeben, um Kosten zu sparen."

Der Bürgerverein hat bisher noch keine Unterstützung bekommen

Ohne das Haus hätte der Stadtteil mit seinen 1500Einwohnern keine Versammlungsstätte mehr. Dann käme das gesellschaftliche Leben in Obschwarzbach zum Erliegen, fürchtet nicht nur Lessing. "Im Gemeindehaus findet doch alles statt. Wenn es geschlossen würde, wäre das eine Katastrophe. Dann wär’ hier noch weniger los", meint Monika Hammermeister.

Um eine Schließung zu verhindern, hat der Bürgerverein im zehn Kilometer entfernten Mettmann noch keine Unterstützung erfahren. "Wir waren beim Bürgermeister und haben mit Politikern gesprochen. Alle sagen, dass Mettmann kein Geld hat", so Lessing. Vor den Wahlen, so steht es auf einem Infoblatt im Schaukasten des Bürgervereins, hätten alle Parteien zugesagt, sich dafür einzusetzen, dass das Haus mit Hilfe der Stadt erhalten wird.

Da aus der Politik keine Unterstützung kommt, hat der Bürgerverein neue Überlegungen angestellt, um das Haus zu retten. Lessing: "Wir planen eine Umfrage, in der wir die Bürger fragen wollen, ob sie sich vorstellen können, dass ein Trägerverein das Gemeindehaus übernimmt. Und ob sie sich für einen solchen Verein interessieren und dort einbringen würden." Beispiele, wie so etwas erfolgreich umgesetzt werden könne, gebe es in Homberg und Velbert.

Lessing könnte sich vorstellen, dass die Kirche die Räume zur Verfügung stellt und der Trägerverein die Kosten für die Unterhaltung des Gebäudes trägt. Lessing: "Ich habe gehört, dass die Gemeinde 84000 Euro pro Jahr für das Gemeindehaus ausgibt. Darin sind aber auch die Personalkosten für den Küster und die Rückstellungen für die Gebäudeunterhaltung enthalten." Über die Vermietung der Räume sowie über Beiträge der Mitglieder des Trägervereins könnte das Gemeindehaus finanziert werden, hofft man in Obschwarzbach.

Die FDP wird im Rat beantragen, auf die Friedhofserweiterung in Obschwarzbach (100000Euro) aufgrund der angespannten Haushaltslage Mettmanns zu verzichten.

Die Jusos kritisieren die geplante Schließung des Gemeindehauses und fordern die Stadt auf, eine Lösung für Obschwarzbach zu finden.

Der Bürgerverein appelliert an die Verantwortung der Politik: "Es kann nicht sein, eine Ansammlung von Häusern in die weite Landschaft zu setzen, um dann das entstehende Gemeindeleben nicht tatkräftig zu unterstützen." Es habe einmal viele Versprechen für Obschwarzbach gegeben, weiß Lessing noch ganz genau. "Zwei Gemeindehäuser und sogar eine Schule waren mal geplant." Die Menschen in dem Stadtteil fühlen sich von der Stadt im Stich gelassen.

Die Schließung der Grundschule Kirchendeller Weg habe dazu geführt, dass persönliche Kontakte, die es einst zwischen Schulkindern und deren Eltern nach Mettmann gab, abgebrochen seien, sagt Lessing. "Die Kirchendelle war unsere Schule", hadert er immer noch mit der politischen Entscheidung, die Schule nach dem Brand im März des vergangenen Jahres aufzugeben. "17Kinder, die dorthin gehen sollten, wurden in Homberg angemeldet."

Viele Obschwarzbacher würden lieber heute als morgen Ratinger oder Wülfrather Bürger werden. "Aber so einfach ist das ja nicht", sagt Lessing.

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