Auf der Linie S8 verkehren neue Züge. Die sind komfortabel ausgestattet, aber nicht kompatibel mit den bestehenden Bahnsteigkanten.

Erkrath
Hohe Beschleunigung und ein Antrieb, der störungsfreies Fahren bei schlechter Witterung ermöglichen soll – der Verkehrsverbund spricht bei den neuen S-Bahnen vom „Porsche unter den S-Bahnen“. Archiv: A. Bretz

Hohe Beschleunigung und ein Antrieb, der störungsfreies Fahren bei schlechter Witterung ermöglichen soll – der Verkehrsverbund spricht bei den neuen S-Bahnen vom „Porsche unter den S-Bahnen“. Archiv: A. Bretz

Hohe Beschleunigung und ein Antrieb, der störungsfreies Fahren bei schlechter Witterung ermöglichen soll – der Verkehrsverbund spricht bei den neuen S-Bahnen vom „Porsche unter den S-Bahnen“. Archiv: A. Bretz

„Sie fahren wohl nicht oft mit der S-Bahn“, vermutet Pendler Joachim Forster über das lange Gesicht einer Mitfahrenden. Die ärgert sich über die Verspätung der S 8. Satte zehn Minuten sind es, die sie am Bahnhof Hochdahl-Millrath warten muss. „Die Unpünktlichkeit ist echt nicht das schlimmste“, findet Joachim Forster. „Ich bin immer froh, wenn einer der alten Züge im Einsatz ist!, sagt er und fügt hinzu:

Ein- und Ausstieg war bei den alten Bahnen bequemer

„Da kam man immer bequem rein und raus.“ Bei den neuen Zügen – pünktlich zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2014 verkehren jetzt 28 Triebzüge vom Typ Conradia Continental – entsteht bei den meisten Haltepunkten eine doppelte Lücke. Der Grund: Zugtür und Bahnsteigkante sind nicht hundertprozentig kompatibel.

Sowohl die Höhendifferenz von etwa 20 Zentimetern als auch eine Schritt-Lücke von ähnlicher Weite müssen dabei überwunden werden. „Ich bin ja sportlich, für mich ist das kein Problem“, sagt Joachim Forster. Hübsch gestylte Frauen auf Stöckelabsätzen im Bleistiftrock werden kaum unfallfrei über diese Stolperfalle kommen. Mütter mit Buggy sind meist ebenso auf eine helfende Hand angewiesen wie Rollstuhlfahrer, Menschen mit Gehhilfe oder an Krücken.

Es gibt eine Rampe für Behinderte

Wer den Niveauunterschied der Stufe nicht alleine überwinden kann, kann auch Hilfe herbeiklingeln. In der Mitte des Zuges befindet sich neben einer der Türen ein Knopf mit Rollstuhl-Symbol. Damit wird der Fahrer gerufen, der eine Rampe bedient, mit der die Höhenunterschiede ausgeglichen werden. Ob das aber zu Hauptverkehrszeiten funktioniert, ist fraglich.

Eine Rampe pro Zug reicht nicht aus, sagen Betroffene. Denn es sei schwierig, die richtige Tür auf die Schnelle zu finden. Außerdem habe die Erfahrung gezeigt, dass das Hantieren mit der Rampe den Betriebsablauf störe.

Mit den neuen Zügen wollten der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) und der Betreiber der Strecke, die DB Regio NRW, sich fit für die Zukunft machen und ein Komfort-Plus bieten. Aber: Weil die neuen Bahnen weniger Platz und Türen haben, kommt es zum Stau. „Zur Rush hour fühlt man sich wie in der Sardinenbüchse“, ist immer wieder zu hören.

Im Zug kann es zur Rushhour ganz schön eng werden

Die Gänge sind zu schmal, steht an den gekennzeichneten Flächen erst mal ein Kinderwagen oder Fahrrad, ist an ein Durchkommen nicht zu denken. So schnell es geht, sollen alle Bahnsteige entlang der Linie auf die erforderliche Höhe abgesenkt werden. Grund für die unterschiedliche Höhe der Bahnsteige ist unter anderem, dass dort nicht nur S-Bahnen, sondern auch andere Züge wie etwa der Regionalexpress halten.

Die Bahn beobachtet derzeit die Fahrgastzahlen, ist aber zuversichtlich mit der Doppeltraktion auszukommen. Wenn der ein oder andere Fahrgast noch mit einer „alten“ S-Bahn fährt, liegt das nur daran, dass die neuen Bahnen noch nicht alle ausgeliefert sind. Und eine neue hat schon einen Getriebeschaden.

Leserkommentare (2)


() Registrierte Nutzer