Der geplante Standort auf dem Sportplatz an der Gruitener Straße weckt Vorbehalte.

Der geplante Standort auf dem Sportplatz an der Gruitener Straße weckt Vorbehalte.
Etwa 400 Bürger kamen zum Informationsabend in die Neandertalhalle und diskutierten über die neue Flüchtlingsunterkunft.

Etwa 400 Bürger kamen zum Informationsabend in die Neandertalhalle und diskutierten über die neue Flüchtlingsunterkunft.

Dietrich Janicki

Etwa 400 Bürger kamen zum Informationsabend in die Neandertalhalle und diskutierten über die neue Flüchtlingsunterkunft.

Mettmann. Wenn die Evangelische Stiftung Hephata mit Sitz in Mönchengladbach „mitspielt“, und das leerstehende Hauptgebäude auf dem Benninghof zur Verfügung stellt, muss kein Containerstandort für Flüchtlinge auf dem Sportplatz an der Gruitener Straße gebaut werden, sagte Bürgermeister Thomas Dinkelmann am Mittwochabend. Doch ob Hephata das neue Angebot der Stadt Mettmann akzeptiert, konnte Dinkelmann vor den 400 Zuhörern in der Neandertalhalle nicht sagen.

Rund 100 Männer ziehen in das ehemalige Jobcenter Seibelstraße

Die Stadt benötigt dringend Wohnraum für Flüchtlinge. Die beiden Turnhallen am KHG werden in den nächsten Wochen freigezogen, die rund 100 Männer ziehen in das ehemalige Jobcenter an die Seibelstraße. Dort ist Platz für maximal 150 Menschen. Marko Sucic, Leiter des Sozialamtes, rechnet mit rund 350 neuen Flüchtlingen, die in diesem Jahr kommen werden. „Eine verlässliche Prognose abzugeben, fällt aber schwer.“ Die Stadtverwaltung bemühe sich seit Monaten, so Sucic und Fachbereichsleiter Kurt Werner Geschorec, Wohnungen oder leerstehende Gebäude zu mieten.

Bei 19 Wohnungen hat es geklappt. Doch das reicht nicht. Es fehlt geeigneter, bezahlbarer Wohnraum in Mettmann, und viele leerstehende Hallen (Meckenstock, Weyermann etc.) sind ungeeignet, beziehungsweise der Umbau würde Unsummen verschlingen, die in keinem Verhältnis zum Nutzen stehen. Und: „Die Stadt verfügt kaum über eigene Flächen oder Gebäude, um Unterkünfte zu schaffen“, sagte Fachbereichsleiterin Ute Piegeler. Deshalb habe man sich entschlossen, den Bau von Leichtbau-Wohnungen an der Gruitener Straße in Erwägung zu ziehen.

„Sie beurteilen den Charakter von Menschen, die noch gar nicht da sind.“

Ute Piegeler, Fachbereichsleiterin

Besonders Eltern von der dortigen Grundschule haben Vorbehalte und Ängste. „Wo sollen die Kinder in der Freizeit Sport treiben können? Wo soll der Schulsport stattfinden“, lauteten Fragen. Geschorec: Es stehen noch kleinere Sportplätze an der Gruitener Straße zur Verfügung. KHG-Schüler müssten mit dem Bus zum Sportzentrum nach Metzkausen fahren. Dies sei zumutbar. Eine weitere Frage lautete: Warum keine Unterkunft in der Hauptschule am Borner Weg? Die Leerstände in der Hauptschule seien als Wohnraum ungeeignet, so die Stadtverwaltung, da eine Trennung von Wohnraum und Schule nicht möglich sei.

Piegeler warb dafür, keine Angst zu haben, sondern auf die Menschen zu zugehen, sie kennenzulernen. „Sie beurteilen den Charakter von Menschen, die noch gar nicht da sind.“ Am KHG, in dessen Nähe sich die Unterkunft mit alleinstehenden Männern befindet, gebe es keine Probleme, sagte eine Mutter, deren Kind das KHG besucht.

Unklar ist – sollte der Standort Gruitener Straße verwirklicht werden – welche Menschen dort wohnen werden. „Darauf haben wir keinen Einfluss. Doch wir gehen davon aus, dass vermehrt Familien mit Kindern nach Mettmann kommen werden“, sagte Piegeler. Die Stadt will auf jeden Fall mit der Evangelischen Stiftung Hephata weiter verhandeln, um das Projekt Gruitener Straße nicht verwirklichen zu müssen.

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