Polizei hat als Brandursache einen Defekt im Kabelschacht ausgeschlossen. Sie ermittelt wegen Brandstiftung.

Monheim
Das achtgeschossige Wohnhaus an der Anne-Frank-Straße ist rußgeschwärzt. Noch gibt es keinen Strom. Die Bewohner leben im Hotel oder bei Freunden.

Das achtgeschossige Wohnhaus an der Anne-Frank-Straße ist rußgeschwärzt. Noch gibt es keinen Strom. Die Bewohner leben im Hotel oder bei Freunden.

Ralph Matzerath

Das achtgeschossige Wohnhaus an der Anne-Frank-Straße ist rußgeschwärzt. Noch gibt es keinen Strom. Die Bewohner leben im Hotel oder bei Freunden.

Ein dicker Rußfilm färbt Türen und Wände in tiefes Schwarz. Die Lichtschalter sind nur noch ein verschmortes Stück Plastik. Einige Fenster haben Risse. Sie konnten der Hitze des Brandes in der Nacht zu Freitag an der Anne-Frank-Straße nicht standhalten und sind gesprungen. Viele Wohnungen in dem Haus Nummer 21 mit über 80 Wohneinheiten sind mit einem großen „X“ gekennzeichnet. Darunter ist das Wort „leer“ zu lesen. Die Mieter sind ausquartiert.

Mehr als 20 Wohnungen wurden von der Polizei versiegelt

In der Nacht zu Freitag brach der Brand im zweiten Stockwerk des Wohnblockes aus. Mehr als 20 Wohnungen wurden von der Polizei versiegelt. Bis auf zwei dürfen sie jedoch wieder genutzt werden, hieß es gestern in der Polizeileitstelle. Ein Defekt im Kabelschacht sei als Brandursache ausgeschlossen worden, Brandstiftung deshalb sehr wahrscheinlich.

Viele Mieter sind bei Verwandten, Freunden oder in einem Hotel untergekommen. Noch ist das gesamte Haus ohne Stromversorgung. „Wir leben hier wie im Mittelalter“, sagt ein 33-jähriger Mieter. Den Brand selbst habe er nicht mitbekommen, weil er erst samstags aus dem Urlaub gekommen sei. „Ich habe über das Internet erfahren, was passiert ist. Das war natürlich erstmal ein Schock.“

Viele werden in einer Turnhalle versorgt

Er hatte allerdings Glück: Seine Wohnung liegt im ersten Stockwerk und ist von dem Brand weitgehend verschont geblieben.

Ganz anders sieht es bei einer gebürtigen Ukrainerin aus, die nahe des Brandherdes im zweiten Geschoss wohnt. „Am späten Abend ging mein Brandmelder los“, erzählt sie. „Ich habe schnell gemerkt, dass ich das Haus nicht durch den Flur verlassen kann.“ Also sei sie auf den Balkon gegangen, um auf die Feuerwehr zu warten. In Panik sei sie dabei nicht geraten, beteuert sie.

Die erste Notunterkunft hat die Stadt im Bürgerhaus Baumberg geöffnet. Der Ortsverband des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) und die Stadt versorgen die Betroffenen inzwischen größtenteils in der Turnhalle der ehemaligen Wilhelm-Busch-Schule im Berliner Viertel.

Rund 80 Personen erhalten dort seit Freitagmorgen ihre Mahlzeiten. Auch Seelsorger sind vor Ort. Die Kosten für die erste Versorgung trägt die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) als Eigentümerin des betroffenen Wohnhauses. Insgesamt, sagt DRK-Chef Clemens Schwarz, seien je nach Tageszeit bis zu 15 Helfer des Roten Kreuzes im Einsatz. „Außerdem haben wir 25 Personen mit Kleidungsstücken aus unserer Kleidungskammer versorgt“, meint der Vorsitzende des Ortsverbandes. Der logistische Aufwand sei groß.

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